Wie lassen sich Fach- oder Jobmessen für die Stellensuche nutzen?

Warten bis genau die passende Stelle ausgeschrieben ist? Oder selbst aktiv werden und Unternehmenskontakte knüpfen? Messen bieten beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern eine gute Möglichkeit, sich zu informieren, Betriebe kennenzulernen und ihr Interesse an einer Mitarbeit zu signalisieren. Patrizia Worbs von der Agentur für Arbeit in Stuttgart gibt Stellensuchenden Tipps, wie sie sich auf Messe-Gespräche vorbereiten können. (Checkliste am Ende des Beitrags)

Foto: Messestand mit Besucherinnen

Der Wiedereinstieg ist geplant, ein berufliches Ziel ins Auge gefasst, die Bewerbungsunterlagen sind zusammengestellt. Zum Einsatz kommen sie, wenn eine passende Stelle in Zeitung oder Internet ausgeschrieben ist. Doch es gibt weitere Zugänge zum Arbeitsmarkt: Fachmessen bilden eine dieser Möglichkeiten. Sie sind Branchentreffpunkte und der ideale Ort, um sich über Arbeitsfelder und Betriebe zu informieren, Menschen aus dem angestrebten Berufsfeld kennenzulernen, passende Ansprechpersonen in den Unternehmen zu ermitteln und so ein berufliches Netzwerk auf- bzw. auszubauen.

Passende Fachmessen finden

Auf der Website der AUMA, des Verbands der deutschen Messewirtschaft, gibt es eine Datenbank, die die wichtigsten Messen in Deutschland verzeichnet. Wer schauen möchte, welche Messen sich eignen, um in der angestrebten Branche Kontakte zu knüpfen, wird hier in der Regel fündig, sagt Patrizia Worbs, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit in Stuttgart. Neben den zahlreichen branchenspezifischen Fachmessen seien in vielen Fällen auch Job- bzw. Recruitingmessen einen Besuch wert. Der Vorteil dieser Veranstaltungen: Es sind in der Regel Fachleute aus den Personalabteilungen am Messestand.

Besuch gut planen

Wer einen Messebesuch ins Auge fasst, sollte ihn gut vorbereiten. Es ist sinnvoll vorab das Ausstellerverzeichnis durchzugehen, dass es auf der Website der jeweiligen Messe gibt, um sich Betriebe herauszusuchen, die als künftige Arbeitgeber in Frage kommen könnten. Daraus lässt sich dann eine - möglichst nicht zu lange - Messebesuchsliste mit den Namen der Unternehmen und deren Standnummern erstellen, erklärt Patrizia Worbs. Besonders bei großen Messen ist es ratsam, die Besuchsabfolge so zu planen, dass sich kurze Wege ergeben.

Standbesuche inhaltlich vorbereiten

Wie zur Vorbereitung eines Vorstellungsgesprächs, empfiehlt die Fachfrau, vorher die Website der Unternehmen zu besuchen, bei denen ein Standbesuch geplant ist. Ziel ist es, Informationen über die Betriebe zu sammeln und Fragen zu notieren, die für eine eventuelle spätere Berufstätigkeit im Unternehmen interessant erscheinen.

Persönliche Vorstellung kurz und knapp

Für den Messebesuchstag rate ich zu seriöser, geschäftlich wirkender Kleidung, sagt die Expertin. Vor Ort heiße es dann, den Mut zusammenzunehmen und das Standpersonal anzusprechen - für den Fall, dass es nicht sowieso auf den neuen Gast zukomme. Patrizia Worbs rät, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern das Gespräch mit Fragen zum Unternehmen zu eröffnen. Anschließend können Stellensuchende den Anlass der Nachfrage erklären und sich sowie ihren Berufswunsch kurz vorstellen. Wer vorher geübt hat, in zwei bis drei Minuten nachvollziehbar zu sagen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten er bzw. sie mitbringt und welche berufliche Position damit angestrebt wird, tut sich deutlich leichter, erklärt die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Laut vorsprechen hilft. Noch besser ist es, wenn ein Freund oder ein Freundin den Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin spielt und eine Rückmeldung zum Verlauf der Unterhaltung gibt.

Wichtig: Kontaktdaten notieren

Um später an das Gespräch anknüpfen zu können, ist es sinnvoll, Visitenkarten der Gesprächspartnerinnen und –partner zu erbitten, sagt Patrizia Worbs. Sollten Messebesucherinnen und -besucher an einem Stand niemanden antreffen, der zum Thema Neueinstellungen Auskunft geben kann, ist es wichtig, die Kontaktdaten der zuständigen Mitarbeiterin bzw. des zuständigen Mitarbeiters aus der Personalabteilung zu erfragen und zu notieren.

Eigenes Kurzprofil übergeben

Die berufliche Wiedereinsteigerin bzw. der berufliche Wiedereinsteiger überreicht idealerweise zum Ende des Gespräch ein Kurzprofil, das Kontaktdaten, Qualifikation, Fähigkeiten, Arbeitsbereiche, gegebenenfalls wichtige bisherige Projekte sowie das Berufsziel auf ein bis zwei DIN A4-Seiten übersichtlich darstellt. Ein Bild zu integrieren, halte ich für eine gute Idee. Das ist auch bei Bewerbungen in Deutschland nach wie vor üblich. Außerdem hilft es der Empfängerin bzw. dem Empfänger, sich später besser an das Gespräch zu erinnern, sagt Patrizia Worbs. Manche Menschen gestalten ihr Kurzprofil auch als Flyer. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass die Informationen übersichtlich angeordnet sind und sich schnell erfassen lassen. Wer sich für eine ungewöhnliche Form entscheidet, sollte auf Nachfrage begründen können, warum sie bzw. er diese Art der Darstellung gewählt hat.

Spontan bleiben, Chancen erkennen

Patrizia Worbs rät, den Messebesuch so zu planen, dass ausreichend Zeit bleibt, sich inspirieren zu lassen und auch spontan Stände zu besuchen, die interessant und ansprechend erscheinen. Häufig werden Stellensuchende auf diese Weise auf Unternehmen aufmerksam, die ihnen sonst entgangen wären. Vielfach sind es vor allem die großen Betriebe mit den bekannten Namen, die zuerst angesteuert werden. Dabei bieten auch kleine und mittlere Unternehmen oft interessante Stellen mit vielfältigem Aufgabenspektrum, erklärt die Expertin. Auf Messen seien deren Stände übrigens vielfach nicht so belagert und es sei oft einfacher ins Gespräch zu kommen. Auch wenn solche spontanen Standbesuche nicht vorbereitet sind, rät Patrizia Worbs, offensiv zu sein: Sagen sie ruhig, dass sie das Unternehmen bislang nicht kannten, dass der Stand und die Themen sie aber sehr ansprechen und sie gerne mehr über den Betrieb erfahren würden.

Vortragsangebot nutzen

Ein weiterer Tipp der Expertin: Werfen sie auf jeden Fall vorab einen Blick in das Vortragsprogramm, das viele Messen begleitet. Vielfach finden sich hier spannende Referate von interessanten Referentinnen und Referenten, deren Besuch lohnt. Die Zusammenstellung des Programms ist ebenfalls interessant. Hier zeigt sich welche Themen in der Branche gerade aktuell sind und diskutiert werden. 

Nach der Messe: Kontakt wieder aufgreifen

Im Nachgang zur Messe, gibt es weitere Aufgaben: Etwa ein bis zwei Wochen nach der Messe ist es sinnvoll, noch einmal auf die Messe-Gesprächspartner bzw. -partnerinnnen oder die genannten Kontaktpersonen zuzugehen und nachzufragen, ob sich eine konkrete Möglichkeit für die Mitarbeit im Unternehmen ergeben könnte. Dabei auf den Messebesuch Bezug nehmen zu können, ist ein hervorragender Türöffner, sagt Patrizia Worbs. Auch berufliche Online-Netzwerke wie XING oder bei LinkedIn sind geeignet, um sich nach dem Messegespräch in Erinnerung zu bringen und Kontakte zu vertiefen.

Checkliste: Fach- und Jobmessen für die Stellensuche nutzen

Messevorbereitung:

  • passende Messe auswählen (www.auma.de)
  • geeignete Unternehmen aus Ausstellerliste heraussuchen und Messe-Rundgang planen (s. Ausstellerverzeichnis der ausgewählten Messe)
  • die entsprechenden Unternehmenswebsites besuchen: Informationen sammeln, Fragen notieren
  • Zeit für spontane Besuche weiterer Stände berücksichtigen
  • Ggf. Vortragsprogramm der Messe studieren und evtl. Zeiten für Vortragsbesuche einplanen
  • Gespräch inkl. Kurzvorstellung eigener beruflicher Fähigkeiten und Pläne (2-3 Minuten) vorbereiten und üben
  • Kurzprofil (1-2 DIN-A4-Seiten mit Foto) erstellen (Inhalte: Kontaktdaten, Qualifikation, Fähigkeiten, Arbeitsbereichen, evtl. bisherige Projekte, Berufsziel)
  • Geschäftlich wirkende Kleidung für den Messebesuch auswählen

Messebesuch:

  • Standpersonal ansprechen
  • Gespräch mit Fragen zum Unternehmen eröffnen
  • ggf. Grund der Gesprächsaufnahme erklären und eigene berufliche Fähigkeiten und Pläne erläutern (Kurzvorstellung
  • Kurzprofil übergeben
  • Visitenkarte der Gesprächspartnerin bzw. des Gesprächspartners erbitten
  • ggf. Kontaktdaten von zuständiger Person im Unternehmen erfragen und notieren

Messenachbereitung:

  • nach ein bis zwei Wochen: Messegesprächspartnerinnen bzw. -partner per Telefon, E-Mail oder Social-Media-Plattform kontaktieren
  • Bezug nehmen auf das Messegespräch

Links:

Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in Stuttgart, Patrizia Worbs
Informationen auf www.arbeitsagentur.de

AUMA-Messedatenbank Deutschland
Angebot auf der AUMA-Website

Foto: Messe Stuttgart

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang