Tipps: Bewerbungen schreiben

Diese Stellenanzeige spricht mich an! Jetzt sind gute, aussagekräftige Bewerbungsunterlagen gefragt, die den Empfänger bzw. die Empfängerin überzeugen. Inge Zimmermann vom Verein BeFF - Berufliche Förderung von Frauen/Kontaktstelle Frau und Beruf Stuttgart erklärt, worauf es beim Erstellen der Bewerbungs­unterlagen ankommt.

Frau mit Bewerbungsmappe

Beantworten sie sich die Frage: ‚Was bringe ich mit?’ und werden sie sich über ihre Stärken klar, lautet der erste Ratschlag von Inge Zimmermann, Geschäftsführerin des BeFF e.V. in Stuttgart. Wer eine Übersicht der bisherigen beruflichen Tätigkeiten, der dazu nötigen Fähigkeiten und besonderen Eigenschaften erstellt, kann klarer erkennen, was er oder sie beruflich einbringen kann. Vorhandene Arbeitszeugnisse helfen, sich zu erinnern, welche Aufgaben bereits übernommen wurden und was frühere Arbeitgeberinnen und Arbeitsgeber an einem geschätzt haben. Außerdem ist das Wissen und Können interessant, das in Weiterbildungen, Ehrenämtern oder bei der Familienarbeit erworben wurde. Auf diese Weise erstellen berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger ihr persönliches Kompetenz- und Erfahrungsprofil. Es bildet die Grundlage, um anschließend passende Bewerbungsunterlagen für eine bestimmte Stelle zu erarbeiten.

Wer dieses Profil mit den in einer Stellenanzeige aufgeführten Anforderungen abgleicht, kann schnell erkennen, ob die ausgeschriebene Position passen könnte. Wenn es 60 Prozent Übereinstimmungen gibt, lohnt die Bewerbung in der Regel, sagt Inge Zimmermann. Dies sei jedoch nur ein grober Richtwert. Anschreiben, Lebenslauf sowie beigefügte Zeugnisse und Bescheinigungen sollten erkennbar auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten sein, fährt die Expertin fort.

Das Anschreiben

Das Anschreiben bietet Bewerberinnen bzw. Bewerbern die Möglichkeit, kurz das Interesse am Unternehmen zu bekunden, ihre Bewerbungsmotivation zu beschreiben und darzustellen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten sie für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren.

Wer sich aus einer Familienphase heraus bewirbt, sollte deutlich machen, dass jetzt eine neue Lebensphase anbricht, in der wieder engagierter beruflicher Einsatz möglich ist. ‚Ich möchte beruflich durchstarten’, könnte eine gute Botschaft sein, erläutert die Beraterin. Hinweise auf in der Familienphase erworbene Fähigkeiten sollten sich auf klar benennbare Fakten und auf solche Themen beschränken, die für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sind, erklärt Inge Zimmermann. Ein gutes Anschreiben sei maximal eine DIN-A4-Seite lang (s. „Checkliste: Bewerbungsanschreiben verfassen“).

Der Lebenslauf

Inge Zimmermann empfiehlt, dem eigentlichen Lebenslauf ein Kurzprofil voranzustellen: Es gibt einen leicht lesbaren Überblick über die Aspekte, die den Bewerber bzw. die Bewerberin besonders für die Stelle qualifizieren. Wir haben dieses Format aus unserer Beratungsarbeit heraus entwickelt und machen gute Erfahrungen damit.

Beispiel für ein Kurzprofil:

Mein Profil für Ihr Unternehmen

  • Staatlich geprüfte Europa-Sekretärin
  • 20 Jahre Berufspraxis als Sekretärin/Assistentin mit Leitungsfunktion in internationalen Unternehmen der Dienstleistungsbranche
  • Besondere Erfahrungen im Projektumfeld (Präsentationen, Berichtswesen, Statistiken) und in der Organisation (Konferenzen, internationale Messen)
  • Betreuung internationaler Kooperations- und Vertragspartnerinnen und -partner
  • Sehr gute MS-Office-Kenntnisse (Word, Excel, PowerPoint)
  • Sehr gute Englisch- und gute Französischkenntnisse sowie Grundkenntnisse in Spanisch
  • Organisationstalent mit Kundenorientierung und Kommunikationsstärke, flexibel und engagiert

Mögliche Strukturierung eines vollständigen beruflichen Lebenslaufs:

  • Persönliche Daten
  • Kurzprofil
  • Berufsweg: Berufsausbildung/Studium
  • Schulbildung
  • Weiterbildung/Fortbildung
  • Besondere Kenntnisse (z.B. Fremdsprechen, EDV)
  • Sonstige Interessen/Engagement (z.B. Ehrenamt)
  • Eventuell: Auslandsaufenthalte, Praktika, Veröffentlichungen

Die vorgeschlagenen Kategorien lassen sich je nach Bedarf anpassen und umbenennen, sagt Inge Zimmermann. Es habe sich eingebürgert, innerhalb dieser Kategorien jeweils mit dem neuesten Datum zu beginnen und weitere Stationen im Lebensverlauf umgekehrt chronologisch anzuschließen. Die Länge des Dokuments sollte zwei DIN-A4-Seiten nicht überschreiten. Den Lebenslauf mit einem aktuellen Foto zu versehen, ist in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – noch immer üblich. Ich rat daher dazu, ein Bild zu verwenden, auch wenn das natürlich nicht verpflichtend ist, erklärt Inge Zimmermann.

Zeugnisse und Bescheinigungen

Sind nicht nur eine Kurzbewerbung, sondern ausführliche Unterlagen gefragt, liegen der Bewerbung Arbeits-, Ausbildungs- und Schulabschluss-Zeugnisse sowie Zertifikate und Teilnahmebe­scheinigungen von Fort- bzw. Weiterbildungen in Kopie bei. Inge Zimmermann empfiehlt, sich auch hier auf die wichtigen Unterlagen zu beschränken. Nicht jeder Seminarbesuch ist relevant – vor allem, wenn er lange zurückliegt, erklärt sie.

Referenzen

Stellensuchende können in ihrer Bewerbung auch Referenzen angeben. Das heißt, dass sie eine oder mehrere Personen aus dem beruflichen Umfeld, in der Regel ehemaligen Arbeitgeberinnen oder Arbeitgeber, benennen, die für Fragen zu ihrer Person zur Verfügung stehen. Dazu muss eine Bewerberin oder ein Bewerber natürlich vorher Kontakt mit möglichen Referenzgeberinnen bzw. -gebern aufnehmen, um zu klären, ob diese sich für sie bzw. ihn verwenden möchten und gegebenenfalls Kontaktdaten weitergegeben werden dürfen, sagt Inge Zimmermann.

Gestaltung der Unterlagen

Bei der Gestaltung einer Bewerbung ist Übersichtlichkeit erstes Gebot. Daher ist es zum Beispiel gängige Praxis, bei sehr vielen Anlagen ein Anlagenverzeichnis voranzustellen und Lebensläufe in übersichtlicher Tabellenform zu strukturieren. Grundsätzlich haben Bewerberinnen und Bewerber jedoch alle Freiheiten. Sie können auch von dem üblichen Format einer DIN-A4-Mappe abweichen oder die Seiten kreativ gestalten. Für Designerinnen und Designer mag das eine gute Idee sein, da sie damit genau die Fähigkeit unter Beweis stellen können, die für die Stelle, auf die sie sich bewerben, gefragt ist. In anderen Branchen kommen ausgefallene Gestaltungen eventuell weniger gut an. Ich rate daher zumeist dazu, sich an den gängigen Standard zu halten, erklärt Inge Zimmermann.

Verdienstwunsch angeben?

In manchen Stellenanzeigen wird darum gebeten, einen Gehaltswunsch anzugeben. In der Regel orientieren sich Bewerberinnen und Bewerber dann an ihrem vorherigen Verdienst und geben das Bruttojahresgehalt an, das auch ein eventuelles Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld einschließt. Menschen, die nach einer langen Familienphase wieder einsteigen wollen, fehlt diese Bezugsgröße jedoch. Vielfach helfen Internetrecherchen oder Erkundigungen im privaten Umfeld bzw. bei ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, um zu ermitteln, was aktuell in einer bestimmten Branche für eine bestimmte Tätigkeit gezahlt wird, erläutert die Beraterin. Wer sich scheue, diesen Betrag direkt zu nennen, zum Beispiel weil nach einer längeren beruflichen Auszeit eine ausgedehntere Einarbeitungsphase wahrscheinlich ist, könne im Anschreiben auch vermerken, dass er oder sie die Frage nach dem Verdienst gerne im persönlichen Gespräch klären würde. Ein guter Vorschlag ist dann oftmals eine Stufenregelung, bei der ein zunächst niedrigeres Einstiegsgehalt in einem vereinbarten Zeitraum Schritt für Schritt bis auf das für die Stelle übliche Niveau aufgestockt wird. 

Vier-Augen-Prinzip

Seien die Bewerbungsunterlagen soweit fertiggestellt, sollten sie unbedingt von mindestens einer Person gegengelesen werden, erklärt Inge Zimmermann. Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, dieser Person zu sagen, worauf sie besonders achten soll. Wichtig ist natürlich eine fehlerfreie Rechtschreibung. Es kann aber auch darum gehen, Formulierungen zu verbessern, Textpassagen zu kürzen oder Doppelungen zu vermeiden.

Austausch mit anderen hilft im Bewerbungsprozess

Die Suche nach einer passenden Stelle ist zumeist ein längerer Weg. Oft lernen die Stellensuchenden in dieser Phase viel über sich selbst und optimieren so Schritt für Schritt ihr Auftreten am Arbeitsmarkt, berichtet Inge Zimmermann. Sich in dieser Lebenssituation mit anderen Menschen auszutauschen oder Beratungsangebote zu nutzen, sei besonders wichtig. Indem sie anderen davon berichten, gelingt es Stellensuchenden vielfach, die eigenen beruflichen Ziele noch genauer zu formulieren. Rückmeldungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bzw. professionelle Begleitung können neue Aspekte einbringen.

Links:

BeFF, Berufliche Förderung von Frauen e.V.
Website

Bewerbungstraining
E-Learning-Programm auf der Website der Bundesagentur für Arbeit

Praxisnahe Bewerbungstipps für Frauen
Broschüre der Bundesagentur für Arbeit

Foto: Ingo Bartussek / Fotolia.com

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