Selbstständigkeit: Lohnt sich das?

Wer verdient mehr: Selbstständige oder Angestellte? Ein Team des DIW Berlin untersuchte die Frage. Das Ergebnis: Für Selbständige mit weiteren Beschäftigten ist es sehr wahrscheinlich, mehr als vergleichbare Angestellte zu verdienen. Bei Solo-Selbständigen ist die Bandbreite groß. Manche erwirtschaften sehr niedrige, andere überproportional hohe Einkommen. Außerdem birgt Selbstständigkeit immaterielle "Gewinnchancen". Forschungen des Max-Planck-Instituts belegen, dass sie die Lebenszufriedenheit steigern kann.

Foto: Frau im Büro

Wer sich nach einer Familienphase beruflich neu orientiert, überlegt vielfach, ob eine Selbstständigkeit in Frage kommt. Ein zentraler Aspekt dabei ist das zu erwartende Einkommen: Es soll in der Regel über dem anderer Erwerbsformen liegen und das höhere Risiko einer unternehmerischen Tätigkeit ausgleichen. Die weit verbreitete Ansicht, dass diese Rechnung nicht aufgehe und eine Selbstständigkeit notwendigerweise viel Arbeit für wenig Geld bedeute, widerlegt eine im Februar 2015 veröffentlichte Untersuchung des DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DIW zeigen auf Grundlage von Daten aus dem Mikrozensus 2009, dass unternehmerische Selbständigkeit sowohl mit hohen Einkommenschancen als auch hohen Einkommensrisiken einhergehen kann. Die Autorinnen und Autoren arbeiten einen interessanten Unterschied heraus: Selbstständige mit weiteren Beschäftigen erzielen in über 50 Prozent der Fälle ein höheres Einkommen als Personen in einem vergleichbaren Anstellungsverhältnis. Bei Solo-Selbstständigen - die die Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer stellen - ist dies jedoch seltener der Fall. Auch das Risiko sei in dieser Erwerbsform größer.

Wer diese Zusammenhänge kennt, könnte bereits bei der Ausarbeitung eines Geschäftsplans darüber nachdenken, wie sich das Unternehmen entsprechend aufstellen bzw. mittelfristig so weiterentwickeln lässt, dass es Angestellte beschäftigen kann.

Chance, eigenes Können gewinnbringend einzusetzen

Besonders lohnend kann eine Selbstständigkeit für Menschen sein, die ein Fachgebiet zwar beherrschen, jedoch nicht über die von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern häufig erwarteten speziellen formalen Qualifikationen verfügen. Die Forscherinnen und Forscher wiesen diesen Zusammenhang für Menschen nach, die zwar Abitur hatten, aber keinen Ausbildungsabschluss vorweisen konnten und resümieren: "Diesen Personen gelingt es also, ihre Fähigkeiten in unternehmerischer Selbständigkeit besser zu kommerzialisieren als in abhängiger Beschäftigung."

Lebenszufriedenheit steigern

Selbstständigkeit kann auch in anderer Weise ein "Gewinn" sein: Denn sie führt im Schnitt – auch längerfristig – zu einer höheren Lebenszufriedenheit. 2012 konnte das der Glücksforscher Martin Binder vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena erstmals empirisch nachweisen. Seine Forschungsergebnisse zeigen, dass es große Unterschiede gibt zwischen Personen, die eine eigene unternehmerische Perspektive entwickelt hatten, und solchen, die sich selbstständig machten, um einer drohenden Arbeitslosigkeit zu entgegen. Lediglich die erste Gruppe profitierte von einem deutlichen Zugewinn an Lebensqualität.

Unternehmerinnen- und Unternehmertum spiele für die Marktwirtschaft eine entscheidende Rolle, schreiben die DIW-Fachleute. Daher sei es wichtig, dass der Wechsel zwischen den Erwerbsformen leicht gelinge, es mit möglichst geringem bürokratischen Aufwand möglich sei, Betriebe zu gründen oder zu schließen, und Beratungsangebote Wege ebneten. Auch weitere Forschungen zu diesem Thema könnten hilfreich sein, um Unternehmensgründungen in Deutschland noch gezielter fördern zu können.

Beratungsangebote nutzen

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Gründerinnen und Gründer ist eine professionelle Beratung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Geschäftsidee. Die Bundesagentur für Arbeit, die Kammern, die Ämter für Wirtschaftsförderung bzw. Startercenter bieten eine entsprechende Unterstützung an.

Links:

Verdienen Selbständige weniger als Angestellte?
Beitrag im DIW-Wochenbericht 7/2015, Seiten 134-147 

Die Glückssucher. Eine neue Studie von Max-Planck-Wissenschaftlern zeigt: Selbständige sind zufriedener als Angestellte
Informationen vom 20.09.2012 auf der Website der Max-Planck-Gesellschaft

Foto: Fotolia.com / contrastwerkstatt

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