Nicole Beste-Fopma (43): Ich setze mich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein

Mit ihrer Zeitschrift LOB möchte Nicole Beste-Fopma Bilder in den Köpfen verändern und zeigen, dass und wie Mütter und Väter Beruf und Familie gut vereinbaren können. Ihre Selbstständigkeit als Verlagsleiterin und Chefredakteurin ist auch der Tatsache geschuldet, dass sie mit vier Kindern keine Anstellung finden konnte und in eine ungeplante Familienzeit verwiesen wurde. Es gibt Handlungsbedarf, damit neue Lebensmodelle für Eltern auch umsetzbar sind, sagt sie.

Foto: Nicole Beste-Fopma

Nicole Beste-Fopma ist schon viel herumgekommen in ihrem Leben: Geboren in den Niederlanden, aufgewachsen in Karlsruhe, lebte sie ein Jahr als Austauschschülerin in Australien und machte dann ihren Schulabschluss auf der Schule der Kanadischen Streitkräfte in Baden Söllingen. Später studierte Nicole Beste-Fopma in Mannheim Anglistik sowie Hispanistik. Im Mai war die Abschlussprüfung an der Uni und im August kam unser Sohn zur Welt, berichtet sie. Beide Elternteile kümmerten sich um das Kind. Wir wohnten damals noch in Hamburg. Ich suchte mir einen Teilzeitjob und fing gleichzeitig ein Fernstudium zur Messe-, Kongress- und Tagungsfachwirtin an. Doch 13 Monate nach der Geburt des Sohnes trennte sich das Paar. Nicole Beste-Fopma zog nach Regensburg, wo ihre Eltern wohnten, die sie bei der Kinderbetreuung unterstützen wollten. Leider wurde mein Vater sehr krank, so dass daran nicht zu denken war. Ich organisierte die Kinderbetreuung daher mit Kita und Au-Pairs, berichtet sie. Als fertige Messe-Fachwirtin nahm Nicole Beste-Fopma eine Vollzeitstelle bei BSH Bosch und Siemens Hausgeräte an. Dort war sie zunächst als Gruppenleiterin Entwicklungsdienste für Kapazitäts- und Projektmanagement zuständig. Später verantwortete sie als Pressereferentin die Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterzeitung. Das war toll. Die Arbeit entsprach mir sehr.

Neustart in Hessen – mit großer Familie

Gerade als sie zugesagt hatte, nach München in die Unternehmenszentrale zu wechseln, lernte sie ihren heutigen Mann, einen alleinerziehenden Vater von drei Kindern, kennen. Eine Zeitlang bin ich noch von Regensburg nach München gependelt. Mein Sohn schlief zweimal in der Woche bei der Oma. Dann konnte ich jeweils einige Stunden vorarbeiten und freitags früher Schluss machen. Am Wochenende ging es dann oft noch ins hessische Alzenau, wo mein neuer Partner wohnte. Ende 2004 entschieden sich die Mutter und ihr inzwischen siebenjähriger Sohn, ganz nach Alzenau umzusiedeln. Nicole Beste-Fopma kündigte ihre Stelle, gab die Wohnung auf und zog zu ihrem Partner und dessen sechs, acht und zwölf Jahre alten Söhnen. Ich hatte geplant, drei Monate zuhause zu bleiben, um die Familie zusammenzuführen und mir dann eine neue Stelle im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu suchen, erzählt Nicole Beste-Fopma. Wie sich zeigte, war diese Vorstellung reichlich naiv. ‚Sie haben vier Kinder? Das geht nicht’, hörte ich in den Unternehmen immer wieder.“ Fast drei Jahre zog sich die Jobsuche hin. „Ich war teilweise so deprimiert, dass ich mich, wenn die Kinder morgens aus dem Haus waren, hinsetzte und weinte, sagt sie.

Hier stimmt was nicht!

Aber die Umstände machten sie auch wütend. Hier stimmt doch was nicht, schimpft sie. „Während mein Mann, auch als er noch mit seinen drei Jungen alleinerziehend war, vom Arbeitgeber gefördert und weiterentwickelt wurde, traute mir keiner zu, mit Kindern erwerbstätig zu sein.“ Ehrenamtlich engagierte sich Nicole Beste-Fopma beim Business and Professional Women e.V. (BPW). Ich übernahm die Chefredaktion der  Verbandszeitung und entwickelte das Magazin zum Equal Pay Day, berichtet sie. Die Beschäftigung mit den Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern machte ihr deutlich: Im Alter ab etwa 40 Jahren, wenn viele Frauen nach jahrelanger Pause beruflich schlecht bezahlt wieder von vorne anfangen, während die Männer oft inzwischen gut dotierte Posten erreicht haben, geht die Schere der Verdienstunterschiede so richtig auseinander.

Zeitschrift für berufstätige Mütter und Väter

Mir wurde klar: Frauen und Männer, die diese Rollenaufteilung so nicht mehr leben wollen, brauchen dringend eine Lobby, sagt sie. Das war die geistige Geburtsstunde meines Magazins LOB und meiner Selbstständigkeit. Nicole Beste-Fopma sprach mit vielen Menschen über ihre Pläne für eine eigene Zeitschrift, holte sich bundesweit Rat bei Expertinnen und Experten und schrieb Konzepte. Der Schritt in die Umsetzung fiel mir jedoch schwer, erinnert sie sich. Als eine Bekannte ihr ein Coaching anbot, lehnte sie zuerst ab. „ch war überzeugt, dass ich sowas nicht brauche, berichtet die Unternehmerin. Aber die Bekannte blieb hartnäckig und sie verabredeten sich zu einem unverbindlichen Essen. „Ich kam mit ‚Hausaufgaben’ nach Hause und machte das Coaching.“ Das sei eine gute Entscheidung gewesen, die sie gestärkt habe. Heute bin ich mit meiner Zeitschrift auf einem guten Weg. LOB hat viele Fans sowie Abonnentinnen und Abonnenten gewonnen. Ich bekomme positive Rückmeldungen, berichtet Nicole Beste-Fopma. Auch Unternehmen, Stiftungen und Verlage seien zunehmend an einer Zusammenarbeit interessiert. Zusammen mit meiner neuen Stellvertreterin Dr. Lydia Hilberer arbeite ich daran, LOB noch bekannter zu machen und auf eine langfristig solide Basis zu stellen, sagt sie.

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Lob-Magazin
Nicole Beste-Fopma Herausgeberin LOB

Foto: Nicole Beste-Fopma

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