Kuala Lumpur – England – Mutter. Wiedereinstieg nach 15 Jahren Familienphase – so geht’s mit PWE!

Marion Schaefer (50) ist Mutter einer 15-jährigen Tochter. Seit der Geburt ihrer Tochter hat sich die studierte Diplom-Ingenieurin der Fachrichtung Innenarchitektur für ihre Familie engagiert. Nach 15 Jahren plant sie den beruflichen Wiedereinstieg. Durch das „Zukunftscafé“ am ESF-Standort Krefeld wird sie auf das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen“ (PWE) aufmerksam. Sie entschließt sich zur Teilnahme, um sich beruflich zu orientieren und einen roten Faden für ihren beruflichen Wiedereinstieg zu spinnen. In Kürze wird sie ihren neuen Job als Projektassistentin in einem Architekturbüro antreten.

Foto: von links nach rechts - PWE-Teilnehmerin Marion Schaefer, PWE-Projektkoordinatorin Kristiane Sens, IMBSE GmbH

PWE: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Job! Wie geht es Ihnen damit?

Marion Schaefer: Mir geht es gut. Ich bin natürlich etwas aufgeregt, weil ich schon lange aus dem Berufsleben raus bin, aber ich lasse mich jetzt überraschen und das Ganze auf mich zukommen. Ich fühle mich gut gestärkt und weiß, dass mich nur die Erfahrung schlauer macht. Vor meiner Zeit bei PWE habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich den Einstieg in das Berufsleben bewältigen kann, denn ich wusste nicht, was ich mir fachlich noch zutrauen kann. Doch ich denke, das klappt jetzt.

PWE: Bitte beschreiben Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang mit Höhen und Tiefen.

Marion Schaefer: Nach dem Gymnasium habe ich an der Fachhochschule Düsseldorf Innenarchitektur studiert. Während des Studiums habe ich meinen Mann kennengelernt. Ich habe eine Zeitlang in Nürnberg gewohnt und bin nach Düsseldorf gependelt. Nach dem Studium sind mein Mann und ich nach Malaysia gegangen. Für mich war das eine supertolle Erfahrung, denn in Kuala Lumpur habe ich bei einem Architekten gearbeitet. Ich habe Zeichnungen für Kunden, Fußbodenmuster, Detailplanungen für Hotelanlagen und Ausstattungen von Privatwohnhäusern angefertigt. Eine große Herausforderung und auch Bereicherung war, dass ich mich dort ausschließlich in Englisch verständigen konnte und musste. Es war für mich ein Sprung ins kalte Wasser, denn meine Neigungen in der Schule lagen klar im naturwissenschaftlichen und nicht im sprachlichen Bereich. Am Anfang habe ich mich damit etwas schwergetan, aber dann habe ich mich eingefunden. Leider vergisst man solche Erfolge schnell wieder oder redet sie klein; jedenfalls ging es mir so.

Zurück in Deutschland habe ich eine Stelle in einer Firma angenommen, deren Schwerpunkt auf Büro- und Praxisplanung lag. Das Unternehmen bot seinen Kunden ein Rundum-Paket mit Beratung, Planung, zeichnerischer Ausarbeitung, hauseigener Schreinerei sowie engen Kontakt zu zahlreichen Zulieferern. Das war ein abwechslungsreicher Job, der mir sehr gut gefallen hat. Als mein Mann dann ein Angebot aus England bekam, stand der nächste Ortswechsel an. Die Organisation des Umzugs habe ich komplett übernommen. Wir sind ein Jahr in England geblieben. In dieser Zeit habe ich nicht gearbeitet, vielleicht war das ein Fehler. Als wir zurück in Deutschland waren, habe ich mich viel beworben. Wegen der damals herrschenden wirtschaftlichen Flaute war es schwierig, einen Job zu finden. Schließlich habe ich einen Job in einem Möbelhaus angenommen. Hier stand allerdings der Verkauf im Vordergrund, nicht die Planung. Ich habe gemerkt, dass der Verkauf von Produkten nicht mein Ding ist, wenn ich nicht zu 100 Prozent dahinterstehe. Als ich dann schwanger wurde, war für mich klar, dass ich zu Hause bleibe und mich um die Erziehung und den Haushalt kümmere werde, ganz klassisch eben. Mit dem Kümmern um unsere Tochter war ich dann auch erstmal ausgelastet und hatte nicht das Bedürfnis, wieder zu arbeiten. Ich habe meine Rolle als Mutter sehr genossen.

PWE: Sie haben in Ihrem Leben schon einige Veränderungen gewagt und Erfahrungen gesammelt. Welche Kompetenzen haben Sie in der Familienphase besonders aufgebaut?

Marion Schaefer: Woran ich immer besonders viel Spaß hatte und habe, ist das Thema Organisation. Ich finde es super, wenn ich etwas anschieben kann, es vorwärts geht und sich etwas entwickelt. Ich habe immer wieder festgestellt, dass das genau mein Ding ist, egal, ob in der Familie, als Klassenpflegschaftsvorsitzende, im Haushalt oder mit den Finanzen. Ich kann zwischen Menschen vermitteln, Ideen entwickeln, sie weitertragen und dadurch Sachen zum Laufen bringen.

PWE: Ab wann haben Sie sich mit Ihrem beruflichen Wiedereinstieg auseinandergesetzt?

Marion Schaefer: Vor ungefähr drei Jahren habe ich angefangen darüber nachzudenken, mich wieder beruflich zu engagieren. Ich habe Überlegungen angestellt, wie ich meine kreativen Fähigkeiten einsetzen kann und hatte auch die Idee, mich selbständig zu machen. Da ich aber eine Perfektionistin bin, habe ich das Ganze so lange durchdacht, bis ich eine Vielzahl negativer Dinge gefunden habe, die dabei schief gehen könnten, sodass ich letztendlich alles wieder von mir geschoben habe.

PWE: Wie sind Sie auf das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ aufmerksam geworden?

Marion Schaefer: Ich hatte mit einer Freundin darüber gesprochen, dass ich wieder arbeiten gehen möchte und dass ich nicht weiß, wie ich den Wiedereinstieg angehen soll. Ich habe mir die Rückkehr in die Arbeitswelt nicht so richtig zugetraut. Sie hat mich dann auf das „Zukunftscafé“ am ESF-Standort Krefeld aufmerksam gemacht.

PWE: Wie war die Veranstaltung für Sie?

Marion Schaefer: Es war ein Treffen in einer kleinen Gesprächsrunde und ich hatte sofort das Gefühl, dass es das Richtige für mich ist. Denn hier ging es um mich, darum, wie es mir geht und was meine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche sind. Ich konnte über meine Zweifel sprechen und habe nicht nur einen allgemeinen Vortrag darüber gehört, welche Möglichkeiten man theoretisch hätte, beruflich wieder einzusteigen. Frau Sens, Projektkoordination am ESF-Standort Krefeld, hat den Ablauf eines Coachings skizziert und erklärt, was man im Rahmen von PWE für sich erarbeiten kann. Ich war froh, eine Anlaufstelle gefunden zu haben. Nun konnte ich mich konkret um die Gestaltung meiner Zukunft kümmern.

PWE: Von Ihrem ersten Gedanken, beruflich wieder aktiv zu werden, bis zu Ihrem Einstieg bei PWE, welche Hürden haben Sie in diesem Prozess erlebt?

Marion Schaefer: Also, man baut sich die Hürden oft selbst auf. Ein Hauptproblem nach der 15-jährigen Familienphase war, dass ich weder einschätzen konnte, was ich überhaupt noch kann und welche Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt bzw. von meinem zukünftigen Arbeitgeber bzw. meiner Arbeitgeberin vorausgesetzt werden. Für welche Bereiche kann ich mich überhaupt bewerben? Natürlich war auch die Neuorganisation des Familienlebens ein großes Thema bei meinen Überlegungen. Ich habe mich gefragt, wie meine Tochter darauf reagiert. Schafft sie die Anforderungen der Schule ohne meine Unterstützung, muss sie jeden Mittag in der Schule essen, wie geht sie mit den Veränderungen um, nimmt sie diese positiv an? Mein Mann und ich hatten ein klassisches Familienmodell ausgehandelt und wir haben als Team gut funktioniert. Er war beruflich sehr ausgelastet und ich habe im Hintergrund alles gemanagt. Wir haben dann viele Gespräche miteinander geführt und er hat mich auch sehr unterstützt und bestärkt, den beruflichen Wiedereinstieg in Angriff zu nehmen.

PWE: Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie die Zusage für Ihren Job bekommen haben?

Marion Schaefer: Meine Tochter ist mir um den Hals gefallen und hat mir gratuliert. Mein Mann fand das auch unglaublich toll. Meine Freunde haben mit mir gejubelt und mir gratuliert. Alle haben sich mit mir gefreut.

PWE: Kommen wir von den Hürden zur Motivation. Wie haben Sie Ihre Zweifel besiegt und Ihre Motivation gestärkt, um den Wiedereinstieg zu meistern?

Marion Schaefer: Entscheidend war dabei Frau Sens. Das Coaching war wie eine Art Teamarbeit. Wenn ich gedanklich abgeschweift bin, hat sie es geschafft, mich wieder auf das eigentliche Thema zu fokussieren, sodass ich meine Ideen zu Ende gedacht habe, egal ob es um Kompetenzen, Werte, familiäres Umfeld oder auch das Überwinden von Hürden ging. Für mich ist es wichtig, einen Plan zu haben. Was ist das Entscheidende, was ist nicht so wichtig, wo kann ich entlanggehen? Ich habe oft sehr viele Ideen. Frau Sens hat mich optimal unterstützt, meine Ideen zu strukturieren und sie nach und nach durchzuarbeiten. Dabei hat sie den Überblick behalten und sich auch immer wieder rückversichert, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind. Das war eine sehr gute Unterstützung!

PWE: Sie haben bei PWE auch an der Potenzialanalyse teilgenommen. Wie haben Sie dieses Thema erlebt?

Marion Schaefer: Es gab verschiedene Aufgabenstellungen, die gelöst werden mussten und bei denen man beobachtet wurde. Ich fand das sehr spannend und es hat mich unwahrscheinlich motiviert, zu zeigen, was ich kann. Durch ein direktes Feedback zu erleben, wo die eigenen Kompetenzen liegen und dass jede der Teilnehmerinnen ihre eigenen Talente hat, hat mich sehr gestärkt. Das Ergebnis der Analyse gab es dann schwarz auf weiß. Es war ein tolles Gefühl, für die eigenen Fähigkeiten Anerkennung zu bekommen.

PWE: Parallel zum Coaching haben Sie auch die Wiedereinstiegsberatung der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen. Wie wurde dadurch der Wiedereinstiegsprozess begünstigt?

Marion Schaefer: Im Coaching hatten wir erarbeitet, dass ich in die kaufmännische Richtung gehen möchte. Mit dieser Idee bin ich dann zur Agentur für Arbeit gegangen. Meine Wiedereinstiegsberaterin war sehr freundlich und empathisch. Sie hat mich beraten und mit mir erarbeitet, welche Art der Qualifizierung sinnvoll für mich ist. Nachdem wir eine passende Weiterbildung gefunden hatten, bekam ich einen entsprechenden Bildungsgutschein. Das funktionierte alles wunderbar.

PWE: Welche Veränderungen haben Sie in der Zeit bei PWE an sich wahrgenommen?

Marion Schaefer: Die größte Veränderung war eigentlich, dass ich mir meinen Lebensweg bewusster gemacht habe. Mir meine Schritte zu vergegenwärtigen, hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Ich habe die Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, willentlich getroffen. Und so ist es auch jetzt. Selbstbewusst eine Entscheidung zu treffen, zu der ich stehe, ist für mich oft Egoismus gewesen. Doch es ist wichtig, ausgewogen an sich selbst zu denken. Das ist mir jetzt bewusst geworden.

PWE: Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: Die Teilnahme an PWE empfehle ich anderen, weil…

… es ein Rundum-Paket ist. Das PWE-Team geht auf die Individualität und Persönlichkeit ein. Es ist ein Plan da, ein Weg, man arbeitet in Richtung eines Ziels. Ich empfehle PWE, weil ich mich hier wohl gefühlt habe. Es passte alles!

Hintergrund

Das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen“, kurz PWE genannt, ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds, welches sich intensiv mit dem Thema „Wiedereinstieg nach der Familienphase“ beschäftigt. Das Projekt wird von der IMBSE GmbH gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und vielen weiteren Netzwerkpartnern als Modellprojekt am Niederrhein durchgeführt.

Links:

Imbse GmbH - PWE am ESF-Standort Niederrhein

BMFSFJ – Wiedereinstiegsrechner

perspektive-wiedereinstieg.de

ESF-Standorte

Galerie Erfolgsgeschichten

Galerie Gründungsgeschichten

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