Interview: Netzwerk-Gründerin Esther Eisenhardt macht Müttern Mut zu beruflicher Selbst­stän­dig­keit

Die Berliner Betriebswirtin und Medienberaterin Esther Eisenhardt gründete die Vernetzungsplattform und -initiative MomPreneurs und unterstützt damit andere Mütter auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Im Interview mit perspektive-wiedereinstieg.de berichtet sie von eigenen Erfahrungen als Unternehmerin und gibt Tipps für Gründerinnen.

Foto: Esther Eisenhardt

perspektive-wiedereinstieg.de: Was war für Sie der Auslöser dafür, sich selbstständig zu machen?

Esther Eisenhardt: Ich hatte eine verantwortungsvolle Vollzeitstelle bei einer Internet-Verkaufsplattform. Unsere Kinder waren noch klein, mein Mann viel unterwegs. Das hieß für mich: Ich saß von 7.00 Uhr bis 16.00 Uhr im Büro, holte dann die Kinder aus der Tagesbetreuung und setzte mich für zwei weitere Stunden an den Schreibtisch, wenn die beiden gegen 21.00 Uhr im Bett waren. Das war auf die Dauer nicht meine Idealvorstellung für eine Balance von Erwerbs- und Familienarbeit. Ich war die Einzige im Unternehmen, die als Mutter vor einer solchen Vereinbarkeitsherausforderung stand. Die anderen konnten sich verständlicherweise nicht recht vorstellen, was das bedeutet. Eine befreundete Mutter, ein Vater und ich kamen durch solche Erfahrungen auf die Idee, uns mit einer Internetplattform selbstständig zu machen, die jobsuchende Mütter mit familienfreundlichen Unternehmen zusammenbringt: Momslink.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie entwickelte sich Ihre Geschäftsidee?

Esther Eisenhardt: Leider nicht so gut. Es zeigte sich, dass das Interesse von Unternehmen, Mütter mit ihren Stellenangeboten anzusprechen, nicht so ausgeprägt war, wie wir angenommen hatten. Momslink gibt es daher inzwischen nicht mehr. In dieser Zeit entwickelte sich jedoch die Idee für meine heutige Selbstständigkeit: In der Gründungsphase suchte ich Austausch zu anderen in ähnlicher Situation und war in der Berliner Start-up-Szene vor allem auf Männer gestoßen, die mit hohem Startkapital, einem großen Team und Rund-um-die-Uhr-Einsatz ins Geschäft einsteigen wollten. Mit meinem Ziel, Selbstständigkeit mit Familienaufgaben und Zeit für mich selbst in eine Balance zu bringen, hatten deren Konzepte wenig gemeinsam. Daraufhin rief ich Gründerinnen-Treffen, sogenannte Meetups, ins Leben, die sich speziell an Mütter richten, die selbständig sind oder diesen Schritt planen (und denen es auch so ging wie mir). Ich hatte eine riesige Resonanz und lernte tolle Frauen mit spannenden Unternehmungen und Gründungsvorhaben kennen. Ich fing so richtig Feuer.

MomPreneurs nannte ich die Geschäftsidee, die meine Mission wurde. MomPreneurs: Der Begriff setzt sich aus zwei englischen Wörtern zusammen – aus Mom, Mutter, und Entrepreneur, Unternehmer bzw. Unternehmerin. Die Idee dahinter ist, Gründerinnen und Unternehmerinnen, die gleichzeitig Mütter sind, zu vernetzen, zu ermutigen, zu informieren und sie so mit ihrer Geschäftsidee erfolgreich zu machen. Das gelingt durch Meetups, die es inzwischen an 17 Standorten gibt, durch die Plattform MomPreneurs.de mit meinem Blog und durch Seiten sowie Gruppen in sozialen Medien. Weitere Formate sind in Planung. Das Thema trifft einen Nerv!

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie erklären Sie sich das große Interesse?

Esther Eisenhardt: Viele angehende Gründerinnen sagen, dass sie durch den Austausch mit anderen Müttern, die sich beruflich selbstständig machen möchten, wichtige Unterstützung für ihre Pläne bekommen, dass die anderen ihnen Mut machen und ihnen mit Ratschlägen weiterhelfen. In unserem Netzwerk haben wir einen tollen, wertschätzenden Ton im Umgang miteinander. Das finden die Frauen woanders scheinbar kaum. Mein Eindruck ist, dass viele Ideen für eine Selbstständigkeit noch vor dem ersten Umsetzungsschritt sterben, weil die Frauen damit alleine bleiben und die vielen „abers“ in ihrem Kopf keine Ruhe geben. Nach einem Austausch mit anderen beruflich selbstständigen Müttern sieht die Welt ganz anders aus. Dann sehen die Frauen, dass es funktionieren kann, und hören, wie andere mit den Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit umgehen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was sind typische Hürden und welche Tipps haben Sie für Gründerinnen?

Esther Eisenhardt: Ich erlebe oft, dass sich Gründerinnen vor einem Berg von Aufgaben sehen, der scheinbar nicht zu bewältigen ist und der sie entmutigt. Folgende Schritte können helfen, aus dem Berg eine gut überschaubare Landschaft zu machen: Zunächst ist es wichtig, die eigenen Ziele zu definieren und sich ein Datum vorzunehmen, bis zu dem sie erreicht seien sollen. Eine Ablaufplanung (Flow-Chart) hilft, den Weg dorthin in kleine, gut zu bewältigende Etappen einzuteilen. Am besten ist es, vom Ziel aus anzufangen und sich zu fragen, was vorher in welcher Reihenfolge alles zu erledigen ist. Sind Ziel und Schritte klar, heißt es: einfach machen! Das ist leichter gesagt als getan, denn oft lenken andere Aufgaben ab. Viele neigen dazu, sich zu verzetteln oder wenig geliebte Arbeiten aufzuschieben. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mir täglich eine Sache vorzunehmen und umzusetzen, die mein Business weiterbringt. Bei allen weiteren Dingen frage ich mich, ob sie jetzt wirklich wichtig sind und kümmere mich um die Aufgaben mit hohem Wichtigkeitsgrad. So manche Anfrage beantworte ich inzwischen freundlich aber konsequent mit „nein“. Das ist nötig, damit Zeiten für meine Familie und mich selbst nicht zu kurz kommen.

Wenn ich meine wichtigsten Ratschläge für Gründerinnen zusammenfassen soll, würde ich sagen:

  • Einfach machen.
  • Mut haben.
  • Auf das eigene Gefühl hören.
  • Netzwerken, Fragen stellen, offen sein, lernen, zuhören.
  • Klein anfangen und kleine Schritte gehen – Hauptsache anfangen!

perspektive-wiedereinstieg.de: Was schätzen Sie an Ihrer beruflichen Selbstständigkeit besonders?

Esther Eisenhardt: Ich habe noch in keinem Job so viel gelernt, wie durch meine berufliche Selbstständigkeit. Ich habe viel Selbstvertrauen gewonnen. Natürlich ist nicht immer alles rosarot, aber ich wachse an den Herausforderungen, die sich mir stellen und genieße es, am Steuer zu sitzen und die Geschicke meines Unternehmens zu lenken. Wichtig ist mir, dass ich mit meinem Business etwas umsetze, das mir wirklich am Herzen liegt: Ich möchte dazu beitragen, dass Mütter ihre Potenziale auch beruflich voll entfalten können.

perspektive-wiedereinstieg.de: Vielen Dank für das spannende Gespräch.

Link:

Mompreneurs
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Foto: Jagna Zuzanna Birkhof

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