Interview: Eva Melzer-Hollederer gibt Frauen Hinweise zur Orien­tierung am neuen Arbeitsplatz

Eva Melzer-Hollederer arbeitet als Mentorin und Beraterin im Rahmen der Frauenakademie München mit beim Projekt „ZAK“: ZAK steht für Zentrum für angewandte Kompetenz und Mentoring. Geboten werden berufliche Beratung und Begleitung von Frauen für Frauen. Im Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de erläutert sie, welche Probleme im beruflichen Umfeld auftauchen können.

Foto: Eva Melzer-Hollederer

perspektive-wiedereinstieg.de: Frau Melzer-Hollederer, Sie begleiten als Mentorin auch Frauen, die schon die ersten Hürden überwunden haben und wieder im Beruf sind. Welche Probleme tauchen Ihrer Erfahrung nach auf? Ist es die Doppelbelastung?

Eva Melzer-Hollederer: Nein, die Doppelbelastung ist es meiner Erfahrung nach nicht, die den Frauen Schwierigkeiten macht. Nach meiner Beobachtung bekommen die meisten Frauen den Spagat zwischen Familie, Haushalt und Beruf gut organisiert in den Griff. Es ist eher die Schwierigkeit, sich in dem Konstrukt der neuen Firma zurecht zu finden.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was meinen Sie damit?

Eva Melzer-Hollederer: Es kommt natürlich auf die jeweilige Situation an, auf die Größe der Firma und das Arbeitsklima, auf das die Wiedereinsteigerin trifft. Manchmal besteht Unsicherheit darüber, wie die neu eingestellte Mitarbeiterin sich den neuen Kollegen gegenüber verhalten soll bzw. wie sie mit und in der Hierarchie zurechtkommt.

perspektive-wiedereinstieg.de: Hören Sie von den Frauen, die Sie beraten, dass es häufig Reaktionen gibt wie beispielsweise: „Ach, Sie gehen schon so früh?“

Eva Melzer-Hollederer: Zu dieser Frage würde ich fast sagen, das verändert sich langsam. Es gehen auch schon mal Männer früher, um die Kinder abzuholen oder eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Aber wenn zum Beispiel Frauen in leitende Positionen gehen, sind sie oft allein unter Männern und haben manchmal Schwierigkeiten, sich in diesem Kontext adäquat zu verhalten, sich zu positionieren.

perspektive-wiedereinstieg.de: Gibt es Tipps, diese erste harte Zeit durchzustehen?

Eva Melzer-Hollederer: Es sind immer höchst individuelle Probleme, mit denen Frauen am Arbeitsplatz zu kämpfen haben. Da kann ich schlecht ins Blaue hinein Tipps geben. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, die Situation erst einmal zurückhaltend zu beobachten. Gönnen Sie sich ein paar Monate, um die Funktionsweisen der Hierarchien herauszufinden – und zwar nicht nur die offiziellen. Finden Sie heraus, wer die offiziellen, aber auch geheimen Meinungsmacher sind. Schauen Sie, welche Typen von Vorgesetzten Sie haben und entwickeln Sie spezielle Strategien.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was wären Möglichkeiten, zu reagieren?

Eva Melzer-Hollederer: Supervision oder Mentoring zum Beispiel. Klärende Einzelgespräche mit fachlich kompetenten, aber betrieblich unabhängigen Personen, mit denen die Beobachtungen analysiert werden und aus denen dann Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

Foto: Eva Melzer-Hollederer

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