"Ich habe nach neuen Heraus­forde­rungen gesucht", sagt Sigrun W.

19 Jahre lang war Sigrun W. nicht in ihrem Beruf als Pharmazeutisch Technische Angestellte (PTA) aktiv. In der Familienphase kümmerte sie sich um die Erziehung ihrer drei Kinder, organisierte den Alltag der Familie und engagierte sich ehrenamtlich bei der Kirche. Mit 43 kehrte sie in ihren erlernten Beruf zurück – und lernte eine Menge Neues.

Foto: Frauenhand mit Apothekenwaage

Der Computer, das war die größte Herausforderung für mich, erklärt Sigrun W. Oft sei sie an den Problemen mit der neuen Technik verzweifelt – so sehr, dass sie zeitweise sogar ans Aufhören gedacht habe. Doch dann hielt die dreifache Mutter doch durch. Auch heute noch mache der Computer manchmal Schwierigkeiten, aber in meinem Beruf sind andere Qualitäten auch sehr wichtig, wie beispielsweise der Kundenkontakt, sagt sie. In der Beratung und im Verkauf von Medikamenten war sie dann schnell wieder drin.

Nach ihrer Ausbildung in Karlsruhe arbeitete die Pharmazeutisch-Technisch-Angestellte drei Jahre in ihrem Beruf. Mit 24 Jahren wurde sie zum ersten Mal schwanger. Drei Jahre später folgte das zweite Kind, kurze Zeit darauf das dritte. Sie entschied sich zuhause zu bleiben und den Alltag der Familie zu organisieren: den Schulalltag der Kinder, die Sport- und Freizeitveranstaltungen. Neben der Pflege von Haus und Garten arbeitete sie ehrenamtlich für die Kirche. Sigrun W. war ausgefüllt und glücklich mit ihrem Leben. Die ersten 15 Jahre meiner Familienzeit dachte ich nicht einmal an eine Rückkehr in den Beruf, berichtet sie.

Nach 15 Jahren Familienzeit: Suche nach neuen Herausforderungen

Nach der langen Zeit meldeten sich dann aber doch erste Gedanken an den alten Beruf. Der Wunsch nach einem Wiedereinstieg wuchs: Ich habe nach anderen Anforderungen gesucht, nach neuen Tätigkeiten. Ich wollte meinen Horizont erweitern. Dabei ging es ihr weniger um die eigene Selbstverwirklichung. Es sei vielmehr die Lust gewesen, wieder Neues dazu zu lernen und sich selbst nochmal weiter zu entwickeln. Ich habe mich zum Beispiel gefragt, ob ich so einen Arbeitstag allein von der Konzentration her durchhalten kann, so Sigrun W. 

Zurück in den erlernten Beruf

Also beobachtete sie den Arbeitsmarkt, las Stellenanzeigen, fragte persönlich in Apotheken nach. Mit einer Bewerbung hatte sie Glück und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort berichtete sie von ihrer langen Auszeit. Der neue Arbeitgeber reagierte verständnisvoll: Sie würde gut eingearbeitet und man schaffe das schon. Der Zeitpunkt war gut gewählt: Die älteste Tochter machte gerade Abitur, die beiden jüngeren Kinder, 16 und 11 Jahre, konnten sich auch selbstständig organisieren. Mein Mann und meine Kinder haben mich immer sehr unterstützt, berichtet die heute 56-Jährige. Die ersten Wochen waren dann hart. Daheim ist man selbst die Chefin– hat den eigenen Bereich und die Abläufe im Griff, berichtet die PTA, aber in der Apotheke war ich die Anfängerin.

Sie musste sich einiges erklären lassen, auch von viel jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Da fragt man sich schon manchmal, was tue ich mir da überhaupt an. Aber ihr Interesse und ihre Neugierde an dem Beruf haben überwogen. Man wächst mit den Aufgaben, sagt Sigrun W. Was sie Frauen rät, die wieder in das Berufsleben zurückkehren wollen: Mut und Durchhaltevermögen sind wichtig. Aber auch der Rückhalt der Familie sei wichtig. Nach der Einarbeitungsphase war sie zunächst halbtags angestellt, von 8 bis 13.30 Uhr. So konnte ich zum Mittagessen wieder zuhause bei den Kindern sein. Mit den Jahren wuchsen dann auch ihre Aufgaben in der Apotheke. Im Rückblick, sagt sie, würde ich heute nicht mehr so lange pausieren. Und was stellt sie sich für die Zukunft vor? Die nächsten drei, vier Jahre werde ich auf jeden Fall arbeiten – mein Beruf macht mir Spaß. Mit 60 denke ich dann vielleicht über einen neuen Lebensabschnitt nach, lacht sie.  

Foto: DAK

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