Ann Krombholz gibt Tipps für Gehaltsverhandlungen

Sich auf Gehaltsverhandlungen gut vorzubereiten, zahlt sich im wahrsten Sinne des Wortes aus. Die Trainerin Ann Krombholz schult Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des vom europäischen Sozialfonds und der Landeshauptstadt München geförderten Modellprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesagentur für Arbeit bei power_m in München zu diesem Thema. Die perspektive-wiedereinstieg.de-Redaktion sprach mit ihr und fasst ihre zentralen Tipps und Hinweise zusammen.

Foto: Umschlag mit Schriftzug Lohntüte und Geldscheinen

Ann Krombholz ist als systemischer Coach in München unter anderem im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ tätig und bietet beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern Trainings zu einem ganz speziellen Thema an: Gehaltsverhandlungen. Gut informiert und vorbereitet zu sein, ist der erste Schritt hin zu einer zufriedenstellenden Vergütung, sagt sie.

Wie werden bestimmte Positionen bezahlt?

Wer nach längerer Auszeit wieder ins Berufsleben einsteigt, sollte zunächst einmal Informationen dazu sammeln, wie die angestrebten Stellen ungefähr honoriert werden, sagt sie. Ihre Tipps dazu: „Sie können Berufsverbände kontaktieren, um Informationen zum Gehaltsniveau für eine bestimmte Tätigkeit in einer Branche zu erfragen. Auch im Internet gibt es zahlreiche Tools und Übersichten, die über die Höhe von Gehältern Auskunft geben." Als Beispiele nennt Ann Krombholz den Wiedereinstiegsrechner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Portal BerufeNet der Bundesagentur für Arbeit, den Lohnspiegel, das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung sowie Übersichten des Statistischen Bundesamtes destatis.

Individuell wirken sich verschiedene Faktoren auf einen solchen „Durchschnittsverdienst“ aus. „Unternehmensgröße und Standort des Unternehmens machen einen Unterschied. Außerdem kommt es darauf an, was der Bewerber oder die Bewerberin an Kenntnissen, Fähigkeiten und Berufserfahrung mitbringt und wie diese gewichtet werden“, erklärt Ann Krombholz.

Wie setzt sich der Verdienst zusammen?

Bewerberinnen und Bewerber sollten außerdem wissen, dass sich das Gehalt aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzen kann. Es sei zunehmend üblich, ein Grundgehalt und leistungsabhängige Prämien zu zahlen. Zusätzlich bieten manche Unternehmen freiwillige Leistungen. Dazu zählen „Extras“ wie zum Beispiel Fort- und Weiterbildungen, Kinderbetreuungszuschüsse, Umzugsbeihilfen, Essensgutscheine, private Laptopnutzung oder Fahrtkostenzuschüsse.

Jetzt den Verdienst optimieren oder auch in die Zukunft investieren?

Je nach Länge der Erwerbspause kann es möglich sein, dass das Erstgehalt für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger etwas unter dem Durchschnitt liegt. Ich rate dazu, nicht nur die momentane Situation zu bedenken, sondern eine längerfristige berufliche Perspektive in die Überlegungen einzubeziehen, sagt die Trainerin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. So könnte sich zum Beispiel eine Stelle mit geringerer Bezahlung aber guten Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten als Investition in die Zukunft lohnen und einem anderen Posten vorzuziehen sein, der zwar im Moment höheren „Gewinn“ abwirft aber kein Wachstum eröffnet.

Gehaltsverhandlung als Teil des Vorstellungsgesprächs

Für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger sind Gehaltsverhandlungen in ein Vorstellungsgespräch eingebunden. Wer sich im Vorstellungsgespräch gut vorbereitet, selbstbewusst und vor allem fachkompetent präsentiert, schafft gute Voraussetzungen, um auch in der Gehaltsverhandlung zu punkten, sagt Ann Krombholz.

Gespräche auf der Sachebene führen

In Bewerbungsgesprächen und Verhandlungen sowie im Berufsleben insgesamt ist es zweckmäßig, sachlich zu bleiben, Aussagen auf dieser Ebene zu verstehen und nicht emotional zu deuten. Vor allem Frauen betonen vielfach, wie wichtig ihnen ein harmonisches Miteinander am Arbeitsplatz ist. Das verleitet sie dazu, sich gar nicht erst auf Verhandlungen einzulassen, die Grundlage einer guten Zusammenarbeit könnte ja hierdurch bereits gefährdet werden. Wenn wir die Interessen des bzw. der anderen in unsere Überlegungen einbeziehen und darauf eingehen, können wir auch umgekehrt mit Verständnis und Entgegenkommen rechnen. Dann gewinnen beide Seiten und auf der Beziehungsebene bleibt alles in Ordnung, berichtet die Expertin. Die Regel für solche Verhandlungen lautet: Nicht Positionen beziehen, sondern Interessen verhandeln.

Flexibel aber mit eigenen Prioritäten im Blick

Wenn es darum geht, die Gehaltshöhe festzulegen, gibt Ann Krombholz den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter anderem folgende Tipps: Überlegen Sie vorab, wie hoch Ihr Traum-, Ihr Wunsch- und Ihr Mindestgehalt wäre bzw. wo die nicht zu unterschreitende Schmerzgrenze beginnt. Nennen Sie in der Verhandlungssituation einen Betrag zwischen dem Traum- und dem Wunschgehalt, denn einen niedrigen Betrag noch nach oben zu verhandeln ist kaum möglich. Die Bewerberinnen und Bewerber, sagt sie, sollten sich ihre Qualifikationen nicht absprechen lassen. Die Frage laute: Wie bewältigen sie die Anforderungen auf der zu besetzenden Stelle zum Nutzen des Unternehmens? Ob sie zum Beispiel Teilzeit arbeiten oder Mutter bzw. Vater sind, sei dabei unerheblich.

Falls es beim Gehalt wenig Verhandlungsspielraum gibt, zum Beispiel, weil es tariflich festliegt, kann es sinnvoll sein, „Extras“ einzubeziehen und zum Beispiel über einen Fahrtkostenzuschuss oder Fortbildungen zu sprechen. Die Kunst beim Verhandeln beschreibt Ann Krombholz so: Flexibel und offen für neue Vorschläge bleiben ohne dabei die eigenen Prioritäten aus den Augen zu verlieren.

Die Volkshochschule München bietet im Rahmen des Projekts power_m unter dem Titel „Die Finanzen im Blick“ den Workshop Gehaltsverhandlung an, daneben zwei Module, die Informationen zur gesetzlichen Rentenversicherung und zur privaten Altersvorsorge geben.

Links:

Ann Krombholz
Beratung & Coaching, Website

power_m
ESF-Sandort „Perspektive Wiedereinstieg“, München 

Gehaltshöhen ermitteln:


Wiedereinstiegsrechner
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

BerufeNet
Bundesagentur für Arbeit (Auswahl eines Berufs über Berufsfelder, dann linke Navigation: Tätigkeit - Verdienst/Einkommen)

Lohnspiegel.de
Hans-Böckler-Stiftung

Wer verdient was?
WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung

Verdienste und Arbeitskosten
Informationen des Statistischen Bundesamtes destatis

Foto: pixelio.de / Siegfried Fries

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang