Erfolgsgeschichte: Julia B. (44) - "Mein Weg zum Traumjob"

Julia B.* studierte in Süddeutschland Stadtplanung und arbeitete dort direkt nach dem Studium als Stadtplanerin. Als sie im 4. Monat schwanger ist, bekommt ihr Mann ein Jobangebot in Bremen. Die Entscheidung steht schnell fest, sie wird mit ihrem Ehemann gemeinsam in den Norden ziehen, sobald ihre Elternzeit beginnt. Nach fünf Jahren Berufstätigkeit ist es für sie der passende Zeitpunkt, um eine kleine Auszeit aus dem Beruf zu nehmen. Nach zweieinhalb Jahren Elternzeit wird Julia B. erneut schwanger und nimmt weitere drei Jahre Elternzeit. Aus der geplanten kleinen Auszeit werden acht Jahre.

Foto: Frau am Bildschrim

Der Wunsch.

Während der Familienphase denkt Julia B. immer wieder über einen beruflichen Neueinstieg nach. Eine Idee ist es, ihr Hobby zum Beruf zu machen und eine Kreativschule zu gründen oder als Erzieherin oder Lehrerin zu arbeiten. Die Realisierung dieser Ideen verwirft sie allerdings wieder, da ein zeitintensiver Job sich nur schwer parallel zur Kindererziehung umsetzen lässt. Ich dachte, ich kann eigentlich gar nicht mehr arbeiten, weil ich so viel mit der Alltagsorganisation zu tun habe und weil ich auch niemanden habe, der mich unterstützt oder den ich irgendwie einspannen kann – wie zum Beispiel die Großeltern. Ich muss alles selber machen, berichtet Julia B. Auch ihr Mann kann sie zeitlich wenig unterstützen, da er fast 60 Stunden pro Woche arbeitet und häufig auf Geschäftsreisen ist. !Zwar fand er es gut, dass ich den Wunsch hatte, wieder einzusteigen, nur sollte es ihn möglichst wenig tangieren, erinnert sich Julia B.

Als ihr ältester Sohn acht Jahre alt wird, trifft sie eine andere Mutter, die von ihrem beruflichen Wiedereinstieg nach der Familienzeit erzählt. Ihr wird bewusst, dass sie gern wieder arbeiten würde. „So nach und nach wurde mir klar, dass ich mir etwas Eigenes aufbauen möchte. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich sehr auf meine Familie konzentriert und meine eigenen Bedürfnisse immer hintenan gestellt habe. Für mich blieb keine Zeit. Daran haben sich auch alle gewöhnt. Und dann dachte ich, wo bleib´ ich da eigentlich?“ so Julia B.

Die Chance.

Eine Bekannte erzählt ihr von dem Programm „Perspektive Wiedereinstieg - Bremen“ (PWE). Für Julia B. ist das genau der richtige der Zeitpunkt, aktiv zu werden. PWE kennt sie bereits: Ich hatte vor längerer Zeit einen Flyer mitgenommen – das Thema war schon präsent, aber ich habe mich da nicht so recht herangetraut, berichtet sie. Sie befürchtet vor allem, dass ihre Berufspause zu lang war. Als sie eine Frau kennenlernt, die sogar mit Ende Fünfzig nach dem Abitur ihres Sohnes erfolgreich in ihren alten Job zurückgekehrt ist, beschließt sie, ihren Wiedereinstieg aktiv in Angriff zu nehmen und meldet sich bei PWE an. Mit Unterstützung ihrer Beraterin arbeitet die Stadtplanerin vor allem an ihren Bewerbungsunterlagen und konzentriert sich dabei besonders auf das Bewerbungsanschreiben. Während ihrer Teilnahme an der PWE-Seminarreihe "Mein Weg zum Ziel" wird ihr nach und nach bewusst, dass sie zurück in ihren alten Beruf als Stadtplanerin möchte und keine Kompromisse eingehen will. 

Durch den Hinweis ihrer Beraterin wird sie auf eine Stellenausschreibung im Bereich Stadtplanung aufmerksam und sofort wird ihr klar: Diese Stelle passt einfach 1:1 zu mir, das ist genau das, was ich vorher gemacht habe und was ich wieder machen möchte so Julia B. Einziger Wermutstropfen: Es handelt sich um eine Vollzeitstelle. Julia B. bewirbt sich dennoch und wird kurz darauf zum Bewerbungsgespräch eingeladen. 

Das Angebot.

Das Gespräch verläuft sehr angenehm, Julia B. spielt mit offenen Karten und erklärt, dass sie zwar sehr interessiert sei, aber nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten könne. Zwei Wochen später erfährt sie, dass jemand anderes die Stelle bekommen hat, jedoch durch eine Veränderung in der Abteilung möglicherweise eine 25-Stunden-Stelle frei werden würde. Einige Monate nach dem Bewerbungsgespräch bekommt sie tatsächlich das Angebot, mit 25 Stunden in ihrem Traumjob zu starten: Ich musste eigentlich nur noch bestätigen, dass ich die Stelle haben möchte … und das nach nur einer einzigen Bewerbung! freut sich Julia B. Im Nachhinein erfährt sie, dass ihre Bewerbungsunterlagen sehr großen Eindruck gemacht haben. Julia B.: Die ganze Arbeit vorab hat sich einfach gelohnt und auch die Beharrlichkeit meiner Beraterin hat mir sehr geholfen. Ich fühlte mich sehr an die Handgenommen! Besonders hilfreich war für mich, dass die Beraterin mir deutlich gemacht hat, dass ich eben nicht die kleine Hausfrau bin, die nichts mehr kann. Genau mit diesem Gefühl bin ich nämlich in das Projekt gekommen. Nun war ich im Vorstellungsgespräch einfach so davon überzeugt, dass das genau meine Stelle ist und das kam wohl auch so rüber! Auch bei ihrem zukünftigen Vorgesetzten stößt sie auf großes Verständnis angesichts ihrer Familiensituation. Ihr Abteilungsleiter hat selber Kinder und kann die Situation gut einschätzen. Ich habe im Bewerbungsgespräch klar gemacht, dass ich zwei gut organisierte Zeiträume haben möchte. Während der Arbeit möchte ich nur an die Arbeit denken und zuhause nur an zu Hause. Ich wünsche mir eine klare Trennung. Ich will mein Berufs-Ich wiederhaben und mein Familien-Ich weiterführen, so Julia B.

Der Neustart.

Die Zeit vor ihrem ersten Arbeitstag nutzt Julia B., um die Kinderbetreuung für die inzwischen fünf- und achtjährigen Kinder zu organisieren. Sie koordiniert Bring- und Abholzeiten und verteilt Alltagsaufgaben an Mann und Kinder. Es ist schwierig, wenn man die Eltern nicht vor Ort hat und keine Schul-Ganztagsbetreuung vorhanden ist. So ist es einfach notwendig, dass mein Mann und meine Kinder mitmachen. Alle bekommen jetzt einen Schubs aus ihrer Komfortzone und müssen auch über ihren Schatten springen. Je mehr Alltagsaufgaben die Kinder bekommen, desto selbstständiger werden sie. Und auch mein Mann hat seine Einstellung verändert. Er unterstützt mich viel stärker und verschiebt Termine, wenn es nötig ist. Er ist für seine Verhältnisse absolut über seinen Schatten gesprungen! Und er ist stolz auf mich, auf meinen Erfolg und meinen Willen. Ich habe auch ein Studium, ich bin auch Ingenieurin, wieso soll das, nur weil ich Kinder bekommen habe, keinen Wert mehr haben? sagt Julia B. selbstbewusst.

Das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg - Bremen“ wird im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Das ESF-Programm wird in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ umgesetzt.

*Name von der Redaktion geändert


Weitere Informationen zum Berufsfeld:
Stadt- und Regionalplaner bzw. –planerinnen

Links:

FAW – Frauen in Arbeit und Wirtschaft e. V.

Wiedereinstiegsrechner

Links Perspektive-wiedereinstieg.de 

ESF-Standorte

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