Mein Sprung in die Selbstständigkeit

Jennifer Meier, 33 Jahre, Mutter einer neunjährigen Tochter, hat ihre Ausbildung als Pflegefachkraft 2007 abgeschlossen. Durch zielgerichtete Fortbildungen u. a. im Bereich Pflegemanagement treibt sie ihre Karriere voran und arbeitet als Leiterin einer großen Pflegeeinrichtung. Ein unerwartetes Ereignis zwingt sie, über neue berufliche Perspektiven nachzudenken. Jennifer Meier entscheidet sich für die berufliche Selbstständigkeit. Lesen Sie ihre spannende Erfolgsgeschichte!

Foto: Portrait Jennifer Meier

perspektive-wiedereinstieg.de: Sie waren längere Zeit fest angestellt, wann und warum haben Sie sich entschlossen, sich selbstständig zu machen?

Jennifer Meier: Ich habe im Angestelltenverhältnis in Vollzeit eine Pflegeeinrichtung geleitet. Ab Sommer 2017 war es mir nicht mehr möglich, diese Vollzeittätigkeit auszuüben, da die Stadt beschlossen hatte, die Betreuungszeiten der Nachmittagsbetreuung an der Schule meiner Tochter zu kürzen. Ich bin alleinerziehende Mutter und meine Familie hätte mich nur punktuell unterstützen können. Ich ging also zu meinem Arbeitgeber, mit dem ich bis dahin immer sehr gut ausgekommen war, und teilte ihm die Änderung der Betreuungszeiten mit. Ich ging mit der völlig naiven Überzeugung, man könne gemeinsam eine Lösung finden, in das Gespräch. Mein Arbeitgeber teilte mir mit, dass eine Teilzeittätigkeit im Bereich der Leitung nicht möglich sei. Nicht zu glauben, dass ein Arbeitgeber aus dem sozialen Bereich so reagierte und das in Anbetracht der derzeitigen Situation des Fachkräftemangels.

Ich fing an zu überlegen, was ich im Leben möchte und wog jede Möglichkeit ab. Natürlich hätte ich mir jemanden gegen Bezahlung suchen können, der meine Tochter nach der Schulbetreuung abholt und zu Hause weiter betreut. Doch meine Entscheidung stand sehr schnell fest, ich würde für mich selber arbeiten und mich selbstständig machen. So könnte ich die Betreuung für meine Tochter übernehmen und für mich selbst wirtschaften, ohne mich über irgendwelche Vorgesetzten ärgern zu müssen. Die Idee war geboren. Ich komme aus einem Bereich, in dem dringend Fachkräfte benötigt werden, also wie schwer könnte es schon sein? Kurzum: Ich entschied mich für eine Selbstständigkeit im Bereich Unternehmensberatung und Coaching im Gesundheitswesen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Gab es einen Plan, wie Ihr Geschäftsmodell aussehen sollte?

Jennifer Meier: Ehrlich gesagt nicht wirklich. Ich habe mir gedacht, ich lege einfach los und betreibe ein bisschen Networking und irgendetwas wird sich schon daraus ergeben. Bei meiner Suche bin ich dann innerhalb von zwei Tagen fündig geworden. So bekam ich mein erstes Projekt – befristet für sechs Monate. Der Auftraggeber war absolut offen für meine Geschäftsidee und wir schlossen einen Projektvertrag. Damit waren die ersten sechs Monate meiner Selbstständigkeit gesichert. Wie es weitergehen sollte, wusste ich noch nicht genau. Ich konnte damals noch nicht ahnen, in welch eine tolle Richtung sich das Ganze für mich entwickeln würde.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie haben Sie diesen großen Schritt in die Selbstständigkeit gemeistert, was hat Sie motiviert?

Jennifer Meier: Ich bin einfach mutig losgelaufen. Natürlich begleitet einen am Anfang die Angst, dass es schiefgehen könnte. Doch dazu kann ich nur sagen, man muss sich dieser Angst stellen, statt sie zu ignorieren. Mein Ehrgeiz und meine Vorstellung davon, wie mein Leben aussehen soll, haben mich angetrieben. Ich wollte erfolgreich im Beruf sein, jeden Tag voll auskosten und trotzdem meiner Rolle als Mutter gerecht werden. Ich hatte genug davon, mich über andere ärgern und mich an Vorgaben zu halten, die ich selbst nicht vertreten konnte oder mich zu hetzen, um mein Kind pünktlich abholen zu können. Mein Ziel war es, mehr Zeit für Dinge zu haben, die mich glücklich und zufrieden machen. Ich wollte das alles jetzt: leben und genießen. Das war mein Antrieb, der mir den Mut zum Start in die Selbstständigkeit gegeben hat.

perspektive-wiedereinstieg.de: Haben Sie sich Unterstützung im Prozess gesucht?

Jennifer Meier: Die einzige Unterstützung, die ich hatte, war mein Steuerberater. Dieser hat mich unterstützt und beraten. Ich bin eine kleine Ideenwerkstatt und nehme jede Möglichkeit, die sich mir bietet, und überlege, ob man daraus etwas machen kann. So entstand schon mal die ein oder andere kuriose Idee, welche ich jedes Mal stolz meinem Steuerberater präsentierte. Er hat sich meine Ideen immer angehört und sie mit mir besprochen. Dabei hat er mir auch so manche meiner kuriosen Ideen ausgeredet und mir wiederum für andere meiner Ideen Mut gemacht. Darüber ist eine wirklich tolle Zusammenarbeit entstanden.

perspektive-wiedereinstieg.de: Gab es Hürden, die Sie zu bewältigen hatten?

Jennifer Meier: Für mich gibt es keine Hürden, sondern nur neue Herausforderungen, die neue Lösungen erfordern. Ich nehme alles, wie es kommt und finde dafür eine Lösung. Dadurch habe ich viel dazu gelernt und vor allem gelernt, dass es wirklich für alles eine Lösung gibt. Lösungsorientiertes Denken und Handeln ist mein Motto. 

perspektive-wiedereinstieg.de: Mussten Sie sich neue Kompetenzen für Ihre jetzige Tätigkeit aneignen?

Jennifer Meier: Ja auf jeden Fall! Vor allem musste ich lernen, Ordnung in meinen Papieren zu halten. Und mit ein wenig Disziplin sowie meinem Steuerberater, konnte ich mir auch hierfür eine passende Lösung erarbeiten. Mich kontinuierlich weiterzubilden ist für mich persönlich ein sehr wichtiger Punkt, da ich es als sehr befriedigend empfinde, mein Wissen ständig zu erweitern.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Unternehmensentwicklung hat zwischenzeitlich stattgefunden?

Jennifer Meier: Nachdem ich mein sechsmonatiges Projekt abgeschlossen hatte, war für mich klar, dass ich nicht auf Dauer in der Unternehmensberatung und im Coaching tätig sein wollte. Während des Projektes konnte ich einige Aufträge als Gutachterin und Pflegesachverständige ergattern und schnell stand fest, dass dies die Richtung sein sollte, in die ich meine Selbstständigkeit ausbauen wollte. Während eines Auftrages lernte ich eine andere Pflegesachverständige kennen. Wir unterhielten uns noch lange nach einem gemeinsamen Termin. Sie bot mir daraufhin an, ihre Aufträge zu übernehmen, wenn sie demnächst in Rente gehen würde. Damit war der Grundstein für diesen Bereich gelegt. Im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass es in meinem Einzugsgebiet einen stetig steigenden Bedarf an Betreuungsangeboten für pflegebedürftige und demenziell erkrankte Menschen in der Häuslichkeit gab.

Daher wollte ich ein kleines Unternehmen gründen, welches Betreuung im häuslichen Bereich anbietet, um Menschen dabei zu unterstützen, solange wie möglich zu Hause leben zu können und gleichzeitig pflegende Angehörige zu entlasten. Damit wollte ich allen, die Angehörige zu Hause pflegen, die Möglichkeit geben, trotz sogenannter „Einschränkungen“ berufstätig zu sein. So entstand die Idee für mein neuestes Projekt: Der „Seniorenservice VergissMeinNicht“.

perspektive-wiedereinstieg.de: Gibt es weitere berufliche Visionen, die Sie noch umsetzen möchten?

Jennifer Meier: Erstmal möchte ich mein neuestes Projekt, den „Seniorenservice VergissMeinNicht“ auf einen guten Weg bringen und das ganze festigen. Alles Weitere lasse ich auf mich zukommen. Wie ich in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe, ergibt sich immer etwas Neues. Ich werde mich und mein Unternehmen in jedem Fall stetig weiterentwickeln. Eine Sache werde ich aber im Laufe der Zeit auf jeden Fall noch auf den Weg bringen: Ich möchte ein Buch schreiben.

perspektive-wiedereinstieg.de: Lässt sich Ihre Selbstständigkeit gut mit Ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren?

Jennifer Meier: Absolut! Mir konnte nichts Besseres passieren. Ich kann meine Tochter zur Schule bringen und sie ohne zu hetzen wieder abholen. Ich kann mir ruhigen Gewissens die Zeit nehmen, Mutter zu sein, ohne Angst haben zu müssen, dass dies mit meinem Arbeitgeber bzw. meiner Arbeitgeberin oder meinem Job kollidieren könnte. Durch meine Selbständigkeit habe ich nur gewonnen: Zeit, Zufriedenheit und Lebensqualität. Ich konnte mir und meiner Tochter den Traum vom eigenen Pferd erfüllen, und wir verbringen unsere Zeit bei unserem gemeinsamen Hobby. Das ist für mich der absolute Jackpot.

perspektive-wiedereinstieg.de: Möchten Sie noch etwas anmerken?

Jennifer Meier: Die Entscheidung für die Selbstständigkeit war die beste, die ich für mich getroffen habe. Ich habe mich in den letzten anderthalb Jahren nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiterentwickelt. Ich konnte in dieser Zeit unheimlich viel über mich selbst lernen und habe den Weg bisher gemeistert, worauf ich sehr stolz bin. Ich möchte anderen Mut zusprechen, Wagnisse einzugehen, sich selber zu verwirklichen und Veränderungen anzustoßen. Es ist egal, ob dies ein beruflicher Neustart ist, der Weg in die Selbständigkeit, eine Beförderung oder eine persönliche Veränderung. Jetzt ist die Zeit, einfach loszulaufen und mehr von den Dingen zu tun, die uns glücklich machen. Das Leben wartet nicht auf uns. Jetzt ist die Zeit, den Mut für Veränderung aufzubringen.


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