Online studieren: „Medieninformatik“ an der Hochschule Emden/Leer

Wer „online“ studiert, loggt sich am Computer bei seiner Hochschule ein und erhält Studienmaterialien und Aufgaben über das Internet. Auf dieser Plattform tauschen sich die Studierenden auch mit ihren Lehrkräften und Betreuungspersonen sowie untereinander aus. Nur wenige Unterrichtseinheiten pro Veranstaltung sowie die Prüfungen verlangen eine Anwesenheit vor Ort. Zwei Frauen mit Familienaufgaben berichten von ihrem Online-Teilzeit-Studium der Medieninformatik an der Hochschule Emden/Leer.

Foto: Frau schreibt auf einem Notizblock

Ich will meine Zeit so investieren, dass ich nach meiner Familienphase eine berufliche Perspektive habe. Der Minijob, den ich hatte, hat mich nicht vorangebracht. Daher habe ich mich entschieden, mich weiter zu qualifizieren, erklärt Elke Oberkalkofen (39). Sie hat drei Kinder im Alter von 15, elf und sechs Jahren und studiert seit drei Jahren „Medieninformatik“. Ihr Studium kann die Mutter flexibel mit ihrem Familienalltag vereinbaren, denn sie studiert von Zuhause aus und „in Teilzeit“. An den Vormittagen, wenn die Kinder in der Schule sind, setzt sie sich vor den Computer, loggt sich in die „Virtuelle Hochschule“ ein, lädt sich Lehrmaterialien runter und bearbeitet Übungsaufgaben. Dreimal im Semester gibt es Präsenzwochenenden (Freitag und Samstag). Da fahre ich immer sehr gerne hin, sagt Elke Oberkalkofen. Ich profitiere inhaltlich und das persönliche Treffen mit den anderen Studierenden gibt mir jedes Mal einen Motivationsschub. In etwa drei Jahren habe sie ihren Abschluss, einen Bachelor, in der Tasche, schätzt die gelernte Speditionskauffrau. Das passt gut. Unsere Jüngste wird nämlich in der weiterführenden Schule längere Unterrichtszeiten haben. Ich würde dann gerne eine Teilzeitstelle annehmen, sagt Elke Oberkalkofen.

"Informatik interessiert mich schon lange"

Nina Schulte-Hobein (36), ebenfalls Mutter von drei Kindern, arbeitet bereits während ihres „Medieninformatik“-Studiums zwischen zehn und 20 Stunden in der Woche als Softwareentwicklerin bei einem IT-Unternehmen - mit der Aussicht, nach dem Studium übernommen zu werden. Mir ist es wichtig, gleich Berufserfahrung zu sammeln, erklärt sie. Nina Schulte-Hobein hatte nach dem Abitur zunächst Pädagogik studiert und war als Grund- sowie als Hauptschullehrerin tätig. In diesem Beruf war ich aber nie ganz glücklich, erinnert sie sich. Als sich die zweite Tochter ankündigte, schrieb sich die Lehrerin daher kurzerhand als Studentin der Medieninformatik ein. Informatik hat mich schon als Schülerin stark interessiert. Es auch zu studieren, das habe ich mir damals aber nicht zugetraut. Im Sommer will Nina Schulte-Hobein ihre Bachelor-Arbeit abgeben und damit ihre erste Studienphase beenden. Den Master-Abschluss möchte sie, das hat sie bereits beschlossen, noch draufsatteln. Der Tag ist mit Familienaufgaben und Job gut ausgefüllt. Das Studieren verlegt die Mutter daher regelmäßig in die Abendstunden, wenn die elf, sechs und vier Jahre alten Töchter im Bett sind und Ruhe eingekehrt ist.

Familie in die Planung einbeziehen

Ohne die Unterstützung der Familie funktioniere es kaum, das Studium mit den anderen Anforderungen des Alltags gut zu vereinbaren, berichten die Frauen. Wenn es im Studium viel zu tun gäbe, hielten ihnen ihre Partner bzw. Verwandte den Rücken frei. Wer ein Online-Studium beginnt, sollte sich im Alltag gut organisieren können und mit dem Lernen diszipliniert am Ball bleiben, sagt Elke Oberkalkofen. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger gut. Ich hatte schon Phasen, da dachte ich, ich schmeiß das Studium und arbeite wieder als Lehrerin, berichtet Nina Schulte-Hobein. Auch Elke Oberkalkofen kennt solche „Durchhänger“. Nicht nur in solchen Phasen bewährt sich das Betreuungsteam an der Hochschule. Die motivieren einen wieder. Das machen die toll. Sie möchten ja auch, dass die Studierenden es schaffen.

Doppelt so viele Frauen, wie in anderen Informatik-Studiengängen

Studiengangsprecher Andreas Wilkens erklärt: Wir bieten mit dem Online-Studium eine Weiterbildungsmöglichkeit auch für diejenigen, für die ein normales Studium nicht in Frage kommt. Die Studierenden sind im Durchschnitt rund zehn Jahre älter als in den Präsenzstudiengängen. Die meisten von ihnen sind berufstätig. Es gibt aber auch viele Eltern mit Familienpflichten, denen diese Studienform entgegenkommt. Die meisten der Studierenden nutzen die Möglichkeit, sich in Teilzeit weiterzubilden. Statt drei dauert das Studium dann zwischen fünf und acht Jahren. Der Anteil der Frauen ist rund doppelt so hoch wie in anderen Informatik-Studiengängen. Jutta Dehoff-Zuch, die Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Emden/Leer, freut sich: Durch diese Rahmenbedingungen gelingt es uns, Frauen für ein technisches Berufsfeld zu motivieren und sie entsprechend zu fördern. Dazu gehöre auch, dass die Hochschule auf die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppe mit außergewöhnlicher Flexibilität reagiere. Nina Schulte-Hobein machte den Praxistest: Zweimal bekam ich direkt zur Prüfungszeit ein Kind und konnte meine Prüfungstermine nicht wahrnehmen. Beide Male war es völlig unproblematisch möglich, einen Ersatztermin zu bekommen.

Gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt

Wer sein Studium beendet habe, sei – so die Einschätzung von Andreas Wilkens – auf dem Arbeitsmarkt gefragt: Die Männer und Frauen könnten programmieren, besäßen Know-how über Computernetze sowie IT-Sicherheit und seien in der Lage, digitale Medien zu erstellen. Viele unserer Absolventinnen und Absolventen sind für Werbeagenturen tätig. Aber auch IT-Dienstleister oder Unternehmen, die Administration für ihre Computer-Infrastruktur benötigen, kommen als Arbeitgeberinnen oder Arbeitgeber in Frage, berichtet der Fachmann. Wer für sich herausfinden möchte, ob ein Studium der Medieninformatik die richtige Wahl wäre, kann auf der Website der Hochschule Emden/Leer einen ‚Studiengangscheck’ machen.

Links:

Medieninformatik (Online)
Informationen auf der Website der Hochschule Emden/Leer

Studiengangscheck des Online-Studiengangs Medieninformatik der Hochschule Emden/Leer

Familienfreundlichkeit. Service für Familien an der Hochschule Emden/Leer
Informationen auf der Website der Hochschule

Foto: Panthermedia

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