Beruflicher Wiedereinstieg: Weiterbildung war meine Chance

Neben der Trennung von ihrem Mann brach für die 50-jährige Irmgard Pfeiffer auch beruflich eine schwere Zeit an. Alle Bewerbungen kamen mit Absagen zurück – aufgrund meines Alters, schätze ich, erinnert sie sich. Nach einer Fortbildung kehrte sie in ihren erlernten Beruf als Notariatsfachangestellte zurück.

Foto: Frauenhände am Laptop

Irmgard Pfeiffer hat 1976 in ihrer Heimat im Rheinland eine Ausbildung zur Notariatsfachangestellten beendet. Ich war immer gerne in meinem Beruf tätig. Es hat mir einfach Spass gemacht, im Büro zu arbeiten, sagt die heute 50-Jährige. „Aber irgendwie war es normal in meiner Generation, dass man für die Kinder zu Hause bleibt, gerade in meiner Heimat in Nordrhein-Westfalen." Sie hat zwei Töchter, die heute 26 und 24 Jahre alt sind. Die 50-Jährige hat gleich zweimal beruflich ausgesetzt, von 1982 bis 1987 und von 1993 bis 2004.

Computerkurs bei der VHS

In dieser Zeit habe ich verschiedene Sprach- oder auch Computerkurse bei der VHS besucht, erzählt sie, aber nie zielgerichtet oder mit dem Vorhaben, mich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Das lag auch daran, dass ihr damaliger Ehemann Soldat war und die Familie aufgrund seines Berufes häufig umziehen musste. Vor einigen Jahren hat sich Irmgard Pfeiffer geweigert, ein weiteres Mal mit umzuziehen; sie wollte, dass ihre Töchter in Berlin in Ruhe ihre Schulabschlüsse machen konnten. Die Fernbeziehung ist meinem Mann und mir nicht gut bekommen, schildert Irmgard Pfeiffer. Wir haben uns schließlich 2004 getrennt.

„Zu alt" - alle Bewerbungen kamen zurück

Da der Ex-Ehemann keinen Unterhalt zahlte, hatte sie keine Zeit, die Rückkehr in den Beruf strategisch zu planen. Sie musste sich schnell bewerben. Eine schreckliche Zeit, schildert sie rückblickend: Jede Bewerbung kam zurück – aufgrund meines Alters. Nach einer Fortbildung arbeitete sie 2004 bei einem Nachlassverwalter. Der hat meine Situation ausgenutzt und mich als billige Arbeitskraft ausgebeutet, erzählt sie. Irmgard Pfeiffer hatte schließlich das große Glück, bei der Agentur für Arbeit auf eine Vermittlerin zu treffen, die ihr den Hinweis gab, einen Lehrgang zu besuchen, der über den Europäischen Sozialfonds gefördert wurde. Neben den Lehrgangskosten wurde auch ein Beitrag zum Unterhalt und zur freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung geleistet. Es war sehr wichtig für mich, dass ich diese Chance zur Weiterbildung erhielt, betont die 50-Jährige. In meine berufliche Auszeit fielen rasante technische Fortschritte. Ich musste lernen, meine Arbeit am Computer zu verrichten. Es wurden zum einen spezielle Softwareprogramme für Rechtsanwälte und Notare eingeführt, die ich kennen lernen musste, zum anderen gibt es eine Vielfalt von Gesetzesänderung in diesem Themenfeld – auch da muss man auf dem aktuellen Wissensstand sein.

Firma bietet Qualifikationskurse an

Kostenrecht, Aktienrecht, Englisch, GmbH-Recht oder Aktuelle Veränderung im Notariat – inzwischen hat Irmgard Pfeiffer eine Vielzahl von Weiterbildungen absolviert, die unter anderem von der Notarkammer, demReno-Verein (Verein zur Förderung der beruflichen Weiterbildung der Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellten) und von ihrem  Arbeitgeber angeboten wurden. In unserer Firma herrscht eine große Aufgeschlossenheit gegenüber Qualifizierungsmaßnahmen, auch während der Arbeitszeit, berichtet sie. Heute ist sie wieder glücklich in ihrem erlernten Beruf angekommen. Das Selbstbewusstsein, das man durch die Berufstätigkeit erhält, und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, das motiviert mich sehr, sagt Irmgard Pfeiffer. Auch wenn mein Beruf manchmal stressig ist – er macht mir wie früher großen Spaß.

Link:

RENO Deutsche Vereinigung der Rechtsanwalts- 
und Notariatsangestellten e.V. 

Foto: scx.hu / mmagallan

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