Beate Kneer wird Equal-Pay-Beraterin

Gemeinsam mit 13 anderen Frauen nimmt Beate Kneer an einer Ausbildung zur Equal-Pay-Beraterin teil, die der Deutsche LandFrauenverband e.V. anbietet. Im Anschluss möchte die angehende Expertin Interessierte über die Ursachen der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern informieren und Möglichkeiten für Veränderungen aufzeigen. Mit diesem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Pilotprojekt beschreitet der Deutsche LandFrauenverband neue Wege, um zum Abbau der deutlichen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern beizutragen.

Foto: Beate Kneer

Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern ist in Deutschland nach wie vor hoch. Im Bundesschnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger als Männer. Im ländlichen Raum ist diese Lohnkluft besonders ausgeprägt und liegt um ca. 10 Prozentpunkte über dem Durchschnitt, berichtet Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes e.V. Die vielfältigen Ursachen dafür sind bekannt: Frauen arbeiten vielfach in frauentypischen, oft schlechter bezahlten Berufen und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufig bzw. reduzieren sie, um Familienaufgaben zu übernehmen. Es gelingt ihnen seltener in Leitungspositionen aufzusteigen. Da sich an dieser Situation im Verlauf der Jahre nur wenig verändert hat, sind wir aktiv geworden und engagieren uns für die Verringerung der Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern auf dem Land. Ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt gehört dazu: die kostenfreie Qualifizierung von Equal-Pay-Beraterinnen. 14 Teilnehmerinnen starteten im Mai 2014 mit dem Lehrgang, der insgesamt 150 Stunden theoretischen Unterricht sowie eine halbjährige Praxisphase umfasst.

Begeisterung für das Thema

Beate Kneer aus Wülfrath bei Düsseldorf ist eine der Teilnehmerinnen. Als Vorsitzende des Ortsverbands Wülfrath des LandFrauenverbandes erfuhr ich von dem Projekt und war sofort Feuer und Flamme. Ich habe allerdings zunächst gezögert, meine Teilnahme zuzusagen. Ich wusste nicht, ob ich es schaffe, die benötigten Seminarwochenenden frei zu machen und zum Seminar-Ort nach Hannover zu fahren. Die 48-jährige Sparkassenfachwirtin hat vier Kinder. Das jüngste ist jetzt zwölf Jahre alt. Seit fünf Jahren arbeitet Beate Kneer - nach einem Lehrgang zur Agrarbürofachfrau - zehn Stunden in der Woche als Angestellte ihres Mannes. Jetzt sei es an der Zeit, neue berufliche Perspektiven zu erschließen, findet sie. Und so siegten die Begeisterung für das Thema und die sich bietenden Chancen einer Qualifizierung über anfängliche Bedenken.

Familien- und Erwerbsarbeit partnerschaftlich aufteilen

Ich sehe zum Beispiel die Situation vieler junger Mütter hier am Ort: Sie möchten gerne beruflich wieder einsteigen, merken aber, dass sie das kaum realisieren können, wenn es ihnen nicht gelingt, die Aufgaben im Haushalt und bei der Kindererziehung in der Partnerschaft gleichmäßiger aufzuteilen, sagt sie. Welche langfristigen finanziellen Auswirkungen längere Erwerbspausen sowie Phasen der Teilzeitarbeit hätten, sei vielen Menschen nämlich gar nicht bewusst. Die finanziellen Aspekte sowie gesetzliche Veränderungen zum Beispiel im Unterhaltsrecht lieferten gute Argumente dafür, manche Lebensentscheidungen heute anders zu treffen, als dies bislang üblich gewesen sei. Paare benötigten vollständige Informationen, um die Weichen in ihrem Leben ggf. in Abstimmung mit dem Partner bzw. der Partnerin richtig stellen zu können. Dieses Wissen zugänglich zu machen und verständlich zu erklären, darin sehe ich meine künftige Aufgabe, erläutert die angehende Equal-Pay-Beraterin.

Erster Schritt: für das Thema sensibilisieren

Mit Veranstaltungen und Vorträgen möchte Beate Kneer das Thema publik machen und dafür sensibilisieren. Ich hoffe, dass ich mir so als Expertin in unserer Region einen Namen machen kann und Nachfrage für meine Beratungsdienstleistungen schaffe, berichtet sie. Da Beate Kneer zu den ersten Equal-Pay-Beraterinnen bundesweit gehört, kann sie noch kaum abschätzen, wie sich das Interesse an ihrem Angebot entwickeln wird. Ich werde Pionierarbeit leisten und meine Tätigkeit als selbstständige Beraterin Schritt für Schritt aufbauen.

Ausbildung: Ein toller Zusammenhalt in der Gruppe

Doch zunächst freut sich Beate Kneer auf die weitere Ausbildung. In unserer Gruppe herrscht eine toller Zusammenhalt und eine große Offenheit. Das war von Beginn an so und hat mich sehr beeindruckt, sagt sie. Viele der Teilnehmerinnen seien berufliche Wiedereinsteigerinnen - vielfach mit umfangreicher Ehrenamtserfahrung. Andere sind bereits als Beraterinnen zu ähnlichen Themen tätig. Die Fortbildung gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Beratungsspektrum auszuweiten, erzählt Beate Kneer.

Projektleiterin Karin Wieckhorst vom Deutschen LandFrauenverband ist beeindruckt vom Engagement der Frauen, die im Moment dabei sind, sich in eine komplexe Materie einzuarbeiten. Wir haben mit dem Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer SowiTra einen kompetenten Partner gefunden, der für die Qualifizierung einen sehr anspruchsvollen Lehrplan ausgearbeitet hat. Jetzt bin ich gespannt auf unseren Projektabschluss im Juni 2015. Dann - nach beendeter Praxisphase - werden wir mehr darüber wissen, wie das Beratungsangebot unserer Fachfrauen ankommt.

Links:

Chancengerechtigkeit für Frauen auf dem Land
Informationen auf der Website des Deutschen LandFrauenverbands e.V.

Qualifizierung zur Equal-Pay-Beraterin
Informationen auf der SowiTra-Website

Foto: Beate Kneer

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang