Von der Digitalisierung profitieren: Wie Frauen an neuen Technologien gerechter teilhaben können

Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Kultur: Die digitale Transformation erzeugt in allen Bereichen eine Vielzahl an Herausforderungen und Chancen. Frauen müssen diesen Wandel jedoch aktiver mitgestalten, um davon im gleichen Maß wie Männer profitieren zu können. Aktuell nutzen Frauen digitale Technologien seltener als Männer und sind im digitalen Raum deutlich weniger wahrnehmbar. Um den sogenannten Digital Gender Gap abzubauen, fordert der Deutsche Frauenrat in seinem Positionspapier „Zukunft gestalten. Digitale Transformation geschlechtergerecht steuern“ dazu auf, politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die helfen die Lücke beim Zugang und bei der Nutzung von digitalen Technologien zu schließen.

Foto: Technologie, Frau, Tablet, Team

Um einer digitalen Spaltung zwischen Frauen und Männern vorzubeugen, ist es aus Sicht des vom Frauenrat eingesetzten Fachausschusses „Digitale Transformation und die Auswirkungen auf Lebensbereiche von Frauen“ von entscheidender Bedeutung, insbesondere die Themenfelder Bildung 4.0, Arbeit 4.0 und die Kommunikation im digitalen Raum, den spezifischen Interessen von Mädchen und Frauen stärker anzupassen.

Mehr digitale Kompetenz, mehr Information: Früher Zugang zu digitalem Wissen prägt das Leben

Um Mädchen von Anfang an eine gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Entwicklung zu ermöglichen, sollten entsprechende Bildungskonzepte bereits in der frühkindlichen Bildung ansetzen und sich im schulischen Ausbildungsbereich fortsetzen. Es muss sichergestellt werden, dass Mädchen gleichermaßen Zugang zu digitalem Wissen haben wie Jungen. Zudem sollten sie darin bestärkt werden, umfassende digitale Kompetenzen zu erwerben, da diese später eine große Rolle spielen für die Berufswahl, Karrierechancen und die finanzielle Selbstständigkeit. Auch im weiteren Lebensverlauf komme es unter anderem bei öffentlich verantworteter Weiterbildung im schulischen, beruflichen und akademischen Bereich darauf an, Konzepte und Initiativen für Frauen in allen Lebensphasen zu entwickeln, um die aktive Teilhabe an der digitalen Entwicklung zu ermöglichen.

Digitale Kompetenzen erwerben – Karrierechancen nutzen

Im Arbeitsbereich wirkt sich die digitale Transformation durch den noch immer zwischen den Geschlechtern stark aufgeteilten Arbeitsmarkt unterschiedlich auf Frauen und Männer aus: Gerade in Berufsfeldern mit einem hohen Frauenanteil – etwa kaufmännische und verwaltungstechnische Tätigkeiten – ist es möglich, dass viele Aufgaben künftig von Computern ausgeführt werden können. Dagegen sind beispielsweise die Beschäftigungs- und Einkommensprognosen im MINT-Bereich positiv, Frauen sind hier allerdings noch immer unterrepräsentiert. Der Frauenrat fordert daher, dass Mädchen und Frauen verstärkt über die Perspektiven von Berufen und Branchen im Hinblick auf Verdienst, Karriereaussichten und Zukunftsfähigkeit informiert werden. In der Berufsberatung sei es wichtig, Geschlechterstereotype abzubauen und Mädchen oder Frauen gleichberechtigt Einblicke in technologische Berufe zu geben.

Kritisch hinterfragt werden sollte zudem die Erwartung, dass die digitale Transformation die Vereinbarkeitssituation von Familie und Beruf automatisch löst. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichten zwar das mobile Arbeiten und erleichterten damit prinzipiell die Vereinbarkeit. Solange die Sorgearbeit aber nicht partnerschaftlich aufgeteilt werde, können neue Technologien die klassische Doppelbelastung für Frauen auch weiter verfestigen. Entsprechend sollten geeignete gesetzliche und betriebliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf etabliert werden und allgemeingültige Standards für Homeoffice und mobiles Arbeiten geschaffen werden.

Sichtbarer werden im digitalen Raum: Eigene Identität statt digitaler Selbstinszenierung

Ebenfalls Nachholbedarf gibt es nach Ansicht der Expertinnen und Experten bei der Kommunikation im digitalen Raum. Frauen nutzten soziale Netzwerke zwar häufiger, der Diskurs auf den Plattformen werde aber dennoch vor allem von Männern geprägt. Deshalb sollten Frauen dazu ermutigt und befähigt werden, die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation anzuwenden und sich in öffentliche Debatten einzubringen. Notwendig ist dafür laut dem Frauenrat unter anderem die Verankerung geschlechtersensibler Medienbildung innerhalb der Schulen und in außerschulischen Projekten. Niederschwellige Angebote sollten Mädchen und Frauen dabei unterstützen, ihre eigene Identität zu entwickeln, um sich dem Perfektionsdruck digitaler Selbstinszenierung zu entziehen.

Zugleich ist es wichtig, stärker gegen digitale Gewalt vorzugehen, die überproportional häufig Mädchen und Frauen trifft. Einerseits müssen in diesem Bereich verfügbare rechtliche Instrumente des Strafgesetzbuches umfassender genutzt werden. Andererseits sind auch neue wirkungsvolle Maßnahmen nötig, um die digitale Gewalt gegen Mädchen und Frauen einzudämmen. Dazu gehören beispielsweise die Einrichtung einer rund um die Uhr erreichbaren Kontaktstelle, leicht zugängliche Beratungsmöglichkeiten für Opfer digitaler Gewalt sowie die systematische Beobachtung und Erfassung entsprechender Verstöße.

Weichenstellungen

Der Deutsche Frauenrat fordert die Bundespolitik auf, wie im Grundgesetz verankert, „die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ auch im Rahmen der Digitalisierung und der digitalen Transformation anzugehen und Weichenstellungen zu schaffen, damit Frauen die Chancen der digitalen Transformation nutzen können.

Das Positionspapier: „Zukunft gestalten. Digitale Transformation geschlechtergerecht steuern“ des Frauenrates kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden.

Links:

Deutscher Frauenrat

Positionspapier: „Zukunft gestalten. Digitale Transformation geschlechtergerecht steuern“

perspektive-wiedereinstieg.de

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