Wichtig ist zu wissen, was man will, sagt Dr. Heike Berger

Das eigene Profil schärfen, Ziele definieren und sich des persönlichen „Marktwerts“ bewusst werden – diese Themen stehen im Fokus des Projekts „Einstieg, Umstieg, Aufstieg“ des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Frauen sollen das Rüstzeug bekommen, um in Gehaltsverhandlungen richtig aufzutreten, sagt Projektreferentin Heike Bergerim Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de.

Foto: Dr. Heike Berger

perspektive-wiedereinstieg.de: Können Sie kurz den Grundgedanken für „Einstieg, Umstieg, Aufstieg“ schildern?

Heike Berger: Der Katholische Deutsche Frauenbund hat sich in den letzten Jahren stark im Bereich Entgeltgleichheit engagiert. Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen dem beruflichen Wiedereinstieg nach einer Familienzeit und der ungleichen Entlohnung von Frauen und Männern. Das wollten wir bei unserem Angebot in den Mittelpunkt stellen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wo und für wen steht dieses Angebot zur Verfügung?

Heike Berger: "Einstieg, Umstieg, Aufstieg richtet sich an Frauen aller Altersstufen, die ihre Berufstätigkeit aus familiären Gründen – zur Kinderbetreuung oder Pflege – unterbrochen haben. Zunächst handelte es sich um ein bundesweites KDFB-Projekt, das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Aktionsprogramms Perspektive Wiedereinstieg unterstützte. Durch die Kooperation mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), der nun die Mentorinnen stellt, sowie die Weiterförderung durch das Ministerium konnten wir anschließend unser Mentoringprogramm weiter ausbauen. Die Abschlussveranstaltung fand am diesjährigen Equal-Pay-Day mit Bundesministerin Dr. Kristina Schröder statt. Wegen des guten Erfolgs und der weiterhin hohen Nachfrage führen nun die KDFB-Verbände in den Regionen Augsburg, Berlin, Köln, Regensburg, Rottenburg-Stuttgart und Trier das Angebot weiter fort. Aktuelle Informationen zu Auftaktveranstaltungen für Einstieg, Umstieg, Aufstieg"-Angebote gibt es auf unserer Homepage unter www.einstieg-umstieg-aufstieg.de

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie ist das Angebot aufgebaut?

Heike Berger: Wir starten das Programm mit einer Workshopphase. Dabei geht es einerseits um Wissensvermittlung zu Themen wie: Wie ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt? Wie sieht es mit dem Geschlechterverhältnis und sozialer Ungleichheit aus? Schwerpunkt ist aber, dass die Teilnehmerinnen ihre Ziele definieren und ihr Profil schärfen. Außerdem thematisieren wir, dass die Wiedereinsteigerinnen ihren Partner und das familiäre Umfeld mit einbeziehen müssen. Denn viele Erfahrungsberichte zeigen, dass Frauen aus dem Wiedereinstieg wieder aussteigen, weil keine Umverteilung der Familien- und Hausarbeit stattfindet und sie die Mehrfachbelastungen als zu gravierend erleben. Außerdem laden wir in die Workshops eine Unternehmerin oder Personalerin als externen Gast ein, die „von der anderen Seite“ des Bewerbungstisches berichtet.

Dann – auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauend – folgt die Mentoringphase. Beim Mentoring gibt eine erfahrene Person ihr Wissen und ihre Erfahrungen in einem bestimmten Themenbereich in persönlichen Gesprächen an eine weniger erfahrene Person weiter, um diese zu fördern. Wir haben uns für ein „Crossmentoring“ entschieden, das heißt, Mentorin und Mentee kommen nicht unbedingt aus dem gleichen Berufsfeld, sondern haben andere Gemeinsamkeiten wie einen ähnlichen familiären Hintergrund.

perspektive-wiedereinstieg.de: Ein Schwerpunkt der Projektarbeit, sagten Sie, liegt auf dem Bereich Entgeltungleichheit. Inwieweit muss sich die Praxis der Gehaltsverhandlungen ändern, so dass Frauen angemessen entlohnt werden?

Heike Berger: Unsere Forderungen richten sich an zwei Seiten: Die der Arbeitgebenden und Tarifparteien sowie die der Wiedereinsteigerinnen selbst. Viele Studien zeigen, dass die Gehaltsschere besonders nach der Familiengründung auseinandergeht. Das hat einerseits strukturelle Ursachen. So erfolgt die Eingruppierung im öffentlichen Dienst nach dem neuen Tarifsystem (TVÖD) nicht mehr aufgrund des Alters, sondern ist abhängig von den Dienstjahren. Da fehlt die Familienzeit den Frauen schlichtweg. Auch müssen vermeintliche Frauenberufe finanziell aufgewertet werden.

Andererseits geht es darum, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen entsprechend auftreten. Dafür müssen sie gut informiert sein, ihren Marktwert und ihre Kompetenzen kennen. Untersuchungen zeigen, dass Frauen gerade bei den variablen Entgeltbestandteilen wie Urlaubstagen, Jobtickets oder Dienstwagen sehr viel schlechter abschneiden als Männer. Viele Frauen treten nach der Familienzeit zudem verunsichert auf, dabei boten diese Jahre ja auch ein enormes Lernpotenzial, manche haben sich fortgebildet oder waren ehrenamtlich tätig.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wer sind die Frauen, die am Projekt teilgenommen haben? Welche Stimmungen und Wünsche herrschten vor?

Heike Berger: Die Teilnehmerinnen waren zwischen Mitte 30 und 55 Jahre alt und kamen aus ganz verschiedenen Berufen. Manche hatten ihre Berufstätigkeit nur wenige Jahre unterbrochen, andere zwölf oder sogar zwanzig Jahre. Diese Vielfalt haben aber alle als sehr positiv und bereichernd erlebt. Trotz der unterschiedlichen Ausgangslage war die Grundstimmung häufig ähnlich: Viele Teilnehmerinnen hatten große Befürchtungen, beruflich den Anschluss verloren zu haben – auch jene, die nur ein Jahr ausgesetzt hatten. Für alle war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Ziel.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie war das Feedback der Teilnehmerinnen?

Heike Berger: Ohne uns zu sehr loben zu wollen: Sehr gut. Alle Teilnehmerinnen haben uns zurückgemeldet, dass das Angebot sehr motivierend war und die eigenen Ziele deutlich geworden sind. Eine Teilnehmerin fasste das in dem Satz zusammen: „Wenn du nur noch Bahnhof verstehst, bringt dich der KDFB wieder aufs richtige Gleis.“ Aufgrund unserer Ziele haben wir den Erfolg des Projektes nicht nur an der Anzahl der neu angetretenen Stellen oder begonnenen selbstständigen Tätigkeiten gemessen. Es freut uns aber natürlich, dass viele „unserer Frauen“ – und dazu gehört auch die Teilnehmerin mit einer zwanzigjährigen Familienzeit! - tatsächlich auch wiedereingestiegen sind.

perspektive-wiedereinstieg.de: Gibt es Materialien zu "Einstieg, Umstieg, Aufstieg", die auch für Interessierte nutzbar sind, die nicht an Ihren Angeboten teilnehmen?

Heike Berger: Ja, wir haben aus unseren Erfahrungen in der ersten Projektphase eine Wiedereinstiegslotsin entwickelt. Das ist eine Drehschreibe, die so ähnlich wie eine Parkscheibe funktioniert und für die Bereiche Familienzeiten, Beschäftigungsumfang, Arbeitsorte und Gehaltsverhandlungen jeweils extreme Positionen mit ihrem Für und Wider thematisiert und Leitfragen stellt. Auf diese Weise regt sie zur Auseinandersetzung mit den Themen an und zeigt, dass Entscheidungen Konsequenzen haben.

Wer sich insbesondere für die Erfahrungen der Tandems interessiert, kann unser gemeinsam mit dem VdU erstelltes Erfahrungsbuch Einstieg, Umstieg, Aufstieg! – Mit Mentoring zum Wiedereinstieg per E-Mail beim KDFB unter bundesverband(at)frauenbund.de bestellen.

Link:

www.einstieg-umstieg-aufstieg.de
Website des Katholischen Deutschen Frauenbunds

Foto: Dr. Heike Berger

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