„Perspektive Wiedereinstieg“ - Modellstandort Augsburg

Viele Frauen und Männer, die ihre Berufstätigkeit aufgrund von Kinderbetreuung oder der Pflege eines Familienangehörigen unterbrochen haben, stellen sich irgendwann die Frage: „Was kommt jetzt?Wie kann ich beruflich wieder einsteigen?“Bei der Suche nach Antworten und dem anschließenden Weg zurück ins Arbeitsleben bietet „Perspektive Wiedereinstieg“ am Modellstandort Augsburg umfassende, professionelle und individuelle Unterstützung.

Team des "Perspektive Wiedereinstieg"-Modellstandorts Augsburg

Am Modellstandort Augsburg setzt ein interdisziplinäres Team des Berufsbildungszentrums Augsburg der Lehmbaugruppe gGmbH (BBZ) das aus dem europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Programm „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesfamilienministeriums und der Bundesagentur für Arbeit um: Im Beratungsteam sind zum Beispiel Expertinnen und Experten aus Erziehungswissenschaft, Psychologie und Ökonomie. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Projekt kommt dieser Wissens- und Erfahrungsmix bei ihrem Weg zurück in den Beruf zu Gute.

Als erfahrener Partner für berufliche Bildung und Weiterbildung ist das BBZ eine in der Region fest verwurzelte Institution, die den Wirtschaftsraum und die Arbeitswelt aktiv mitgestaltet. Durch verschiedene Projekte rund um das Thema „Fachkräftesicherung“ entstehen innovative Konzepte und Lösungen, von denen nicht nur Unternehmen, sondern auch Beschäftigte – und somit auch die Zielgruppe der beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger – maßgeblich profitieren.

Das Ziel: Zurück in den Job!

Die Frauen und Männer, die sich an uns wenden, weil sie überlegen, nach einer Familienphase beruflich wieder einzusteigen, stehen an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Berufsbiographie: Zu uns kommen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, die zwischen 25 und 55 Jahre alt sind, auf eine kurze oder bis zu 20 Jahre lange Familienpause zurückblicken, eine Ausbildung, ein Studium bzw. unterschiedliche lange Berufspraxis vorweisen können, aus Alleinerziehenden-Haushalten oder siebenköpfigen Familien kommen. So unterschiedlich die einzelnen Biographien auch sind, so gleichartig ist doch das Ziel. Es lautet: Zurück in den Job!, stellt Projektleiterin Dr. Sandra Struthmann fest. 

Das Thema konkret machen - Einstieg ins Programm erleichtern

Die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger kommen auf den verschiedensten Wegen - zum Beispiel über unsere Homepage im Internet - zu uns. Wir machen die Erfahrung, dass es enorm wichtig ist, Frauen und Männer gezielt anzusprechen, um Vorbehalte zu überwinden. Oftmals ist der Wiedereinstieg ein heikles Thema. Unser Ziel: Die Menschen bestärken, das Thema konkretisieren - so können Interessierte unser Unterstützungsangebot leichter annehmen, berichtet Katja Körner, Coach bei „Perspektive Wiedereinstieg“ in Augsburg.

Erstgespräch: Gedanken über die Rückkehr ins Berufsleben mitteilen

Das Erstgespräch mit dem Coach ist der Ausgangspunkt für den Wiedereinstiegsprozess. In diesem Gespräch erzählen die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, welche beruflichen Vorstellungen oder Wünsche sie vielleicht schon in sich tragen, welche Hoffnungen oder Ängste der Gedanke an die Rückkehr in den Job in ihnen auslöst, ob sie sich ihren alten Beruf wieder vorstellen können oder einen „Neustart“ wagen wollen, welche Kompetenzen sie sehen und welche Lernbedarfe sie ausmachen – alles, was ihnen im Hinblick auf den Wiedereinstieg „unter den Nägeln brennt“!

Individuelles Coaching begleitet den Wiedereinstiegsprozess

Im Laufe des Coaching-Prozesses unterstützt sie ihr Coach dabei, ihre Fähigkeiten zu sehen und Kompetenzen zu „entdecken“, welche die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger beispielsweise beim Familienmanagement, durch Ehrenämter oder persönliche Interessen erworben haben. Auch fachliche Qualifizierungsbedarfe oder familiäre Herausforderungen klären die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger während des Coachings. Wichtig ist, dass es ihnen gelingt, gemeinsam mit ihrem Coach klare Ziele und konkrete Schritte zu formulieren.

Projektbausteine passend zusammenstellen

Es gibt keinen vorgegebenen Verlaufsplan im Projekt, sondern verschiedene Bausteine wie Workshops und Fortbildungen, die individuell zusammengestellt werden. Vor allem nach langen beruflichen Pausen ist es wichtig, gut strukturiert und mit Bedacht vorzugehen. Dabei helfen wir den Teilnehmenden, berichtet Martin Dannenbauer, Coach im Projekt-Team.

Workshop-Angebote

Workshop-Angebote von „Perspektive Wiedereinstieg“ in Augsburg eröffnen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten auszubauen und Wissen zu erwerben. Die Kompetenzen, welche die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger während ihrer Familien- oder Pflegearbeit erworben haben, werden dabei wertschätzend und ressourcenorientiert wahrgenommen. In Kombination mit neu erworbenen Kenntnissen bzw. Qualifikationen lassen sie sich so bestmöglich auf das Berufsleben übertragen.

Austausch untereinander stärkt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschreiten ganz unterschiedliche Wege zurück in den Beruf, befinden sich jedoch in einer gemeinsamen Situation der Neuorientierung und Veränderung. Ein konstruktiver Erfahrungsaustausch, die gegenseitige Motivation und vor allem die Vernetzung untereinander sind Meilensteine für den beruflichen Neustart. Das Selbstbewusstsein und das Gefühl von Selbstwirksamkeit wachsen, erklärt Stefan Wollburg-Claar, der die Workshop-Angebote in Augsburg koordiniert.

E-Learning-Angebote

Seit Sommer 2013 werden die klassischen Präsenz-Workshops durch E-Tutoring-Seminare ergänzt. Diese stellen im Rahmen des Kompetenzerwerbs von Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern eine neue Art des Lernens und eine individuell gestaltbare Qualifizierungsmöglichkeit dar. Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür: Ein Computer mit Internetzugang und Spaß am Lernen!

Ulrike Stautner, die das E-Tutoring in Augsburg koordiniert, berichtet: Beim E-Learning bestimmen die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger Lernort und Zeitplan selbst. Unterstützt werden sie dabei durch einen Lernbegleiter ('E-Tutor'), der ihnen zu festen Präsenzzeiten in einem 'virtuellen Klassenzimmer' methodisch und pädagogisch zur Seite steht.

Unser Alltag medialisiert sich mehr und mehr, weit über 60 Prozent aller Berufstätigen arbeiten mit Computern. E-Learning nimmt in der beruflichen Aus- und Weiterbildung stetig zu. Ohne moderne Technologien – Computer, Internet, E-Mails oder Smartphones - ist man praktisch ‚außen vor’. Umso wichtiger ist es, dass die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger technische Berührungsängste verlieren und den Umgang mit Internet und Neuen Medien erlernen, erklärt Dr. Sandra Struthmann. Am Augsburger Standort wird deshalb einmal im Monat die Informationsveranstaltung „Zurück in den Job und E-Tutoring? Na klar!“ angeboten.

Fachliche Fortbildungen: Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnerinnen und -partnern

Wenn eine fachliche Qualifizierung oder Fortbildung nötig ist, profitieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der engen Zusammenarbeit des Projektes mit anderen Bildungsträgern und Weiterbildungsanbietern am Standort. Der jeweilige Coach unterstützt dann dabei, das passende Angebot zu finden.

Aufgabe der Coaches ist es auch, Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Fortbildung zu motivieren. Zum Beispielgeht es darum, Prüfungsangst zu nehmen, geeignete Lernstrategien aufzuzeigen bzw. gemeinsam das Zeitmanagement in der Prüfungsvorbereitungsphase zu optimieren, erzählt Wiedereinstiegs-Coach Katja Körner.

Jobhunting-Service für den Einstieg in den Beruf

Mit einem Jobhunting-Service begleitet der "Perspektive Wiedereinstieg"-Modellstandort Augsburg  Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger beim Übergang in den Beruf. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten konstruktives Feedback sowie professionelle Empfehlungen für Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräche.

Jobhunterin Eva Klaiber berichtet: Ich bringe Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, und geeignete Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger gezielt zusammen. Unser Unternehmenspool ist über die Jahre hinweg stetig gewachsen. Die Unternehmen kommen inzwischen aktiv auf mich zu, wenn sie Stellen zu besetzen haben. Unsere Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger setzen sich immer häufiger gegen Bewerberinnen und Bewerber ohne Familien- oder Pflegepause durch. Das spricht doch für sich.

Ab 2014 wird „Perspektive Wiedereinstieg“ am Modellstandort Augsburg im Rahmen seines Unternehmensservices die Kooperation mit Unternehmen aus der Region weiter ausbauen. Ziel ist es dabei, das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ noch gezielter und effektiver als wechselseitigen „Türöffner“ für Unternehmen und Wiedereinsteigerinnen bzw. Wiedereinsteiger zu nutzen.

Etabliert und engagiert: Beratungsstelle für Kinderbetreuung

Das Angebot zur Kinderbetreuung ist für viele Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger ein zentrales Thema. Für (angehend) berufstätige Eltern ist es oftmals eine große Herausforderung, die Betreuung ihrer Kinder in ausreichendem Umfang und zuverlässig zu organisieren, die Ferienzeiten eingeschlossen. In Kooperation mit dem Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ entstand aus diesem Grund die Beratungsstelle für Kinderbetreuung in der Agentur für Arbeit Augsburg

Die Beratungsstelle hat seit September 2008 mehr als 1.200 Eltern bei Fragen rund um die Kinderbetreuung beraten und unterstützt. Sie arbeitet eng und vertrauensvoll mit sämtlichen regionalen Trägern der Kinderbetreuung zusammen. Bei uns erhalten Eltern einen Überblick über das bestehende Betreuungsangebot, wir gleichen ihren Betreuungsbedarf damit ab und stellen dann die Kontakte her. Wichtig ist uns, dass die Eltern ihre Erwartungen und Sorgen dabei offen ansprechen dürfen, berichten Ulrike Stautner und Stefan Wollburg-Claar als Ansprechpersonen des „Perspektive Wiedereinstieg“-Teams für die Beratungsstelle für Kinderbetreuung. 

Brücken bauen: Das Netzwerk von „Perspektive Wiedereinstieg“ Augsburg

Unterstützung erhält das Projekt von den Beauftragten für Chancengleichheit (BCA) und den Arbeitsvermittlerinnen und -vermittlern der Agentur für Arbeit und derJobcentersowie von Unternehmens- und Wirtschaftsverbänden. Diese Zusammenarbeit trägt dazu bei, dass sich in der Region schon sehr viel bewegt hat. Zentral ist, dass beide Seiten – Unternehmen und Wiedereinsteigerinnen bzw. Wiedereinsteiger – ihre Berührungsängste voreinander abbauen und einen Schritt aufeinander zugehen. Und dabei können wir helfen, betont Jobhunterin Eva Klaiber.

Das Team des Projektes „Perspektive Wiedereinstieg“ aus Augsburg ist sich einig: Perspektiven brauchen Menschen – und in Augsburg gibt es viele Menschen, die Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger auf unterschiedlichste Art und Weise konstruktiv auf ihrem Weg zurück in den Beruf begleiten und unterstützen!

Die vielfältigen Erfolgsgeschichten von Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern, die daraus entstanden sind, sind auf unserer neuen Homepage www.pwe-augsburg.de nachzulesen, schließt Dr. Sandra Struthmann.

Links:

„Perspektive Wiedereinstieg - Bereit für neue Wege“
Projektseite des Modellstandorts Augsburg

Foto: Berufsbildungszentrums Augsburg der Lehmbaugruppe gGmbH (BBZ)

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