„Perspektive Wiedereinstieg“ - Modellstandort Schwerin: Bedarfsgerechte Unterstützungs­angebote schaffen

Berufliche Ziele klären, die Qualifizierung komplettieren, eventuelle Hindernisse überwinden, den passenden Arbeitsplatz finden - dabei unterstützt Perspektive Wiedereinstieg am Modellstandort Schwerin Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer. Projektleiterin Marion Uhlig berichtet, wie sie mit Unternehmen und Institutionen aus dem Projektbeirat passgenaue Unterstützungsangebote für den beruflichen Wiedereinstieg entwickelt.

Foto: Projektmitarbeiterinnen

Wir freuen uns, dass es eine so große Resonanz auf unsere Angebote zur Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf nach einer längeren Familienphase gibt, berichtet Marion Uhlig vom Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung GmbH (IMBSE) in Schwerin. Das Unternehmen ist Träger des Modellprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms kommen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern und werden vielfach durch Zeitungsannoncen auf das Unterstützungsangebot aufmerksam. Besonders wichtig sind außerdem die zweimal jährlich stattfindenden Infotage zum Wiedereinstieg, die die Arbeitsagenturen und IMBSE gemeinsam veranstalten und auf denen wir ‚Perspektive Wiedereinstieg’ präsentieren, berichtet die Projektverantwortliche. Zwischen 300 und 400 Besucherinnen und Besuchern verzeichneten die Veranstaltungen jeweils. Manche Frauen kommen bereits gut informiert und möchten direkt mit der Jobsuche loslegen“, berichtet Marion Uhlig. „Da reicht es oft, dass jemand noch ein paar Tipps für die Bewerbungsmappe gibt oder bei der Gestaltung des Lebenslaufs unterstützt. Viele Menschen müssten sich beim Wiedereinstieg in den Beruf jedoch zunächst einmal darüber klar werden, welches berufliche Ziel sie anstreben wollen. 

Eigene Kompetenzen erkennen

In der ersten Woche der Teilnahme am Programm durchlaufen die Frauen und Männer daher ein sogenanntes Kompetenzfeststellungsverfahren. Gemeinsam ermitteln wir, welche Stärken eine Person hat und wie sie sie ausbauen und beruflich nutzen kann. Fachleute bezeichnen das als ressourcenorientierten Ansatz, berichtet Marion Uhlig. Neben fachlichen Kenntnissen spielen persönliche und menschlich-soziale Aspekte eine große Rolle. Die Teilnehmenden haben hier die Chance, ihre Kompetenzen und Talente mit professioneller Hilfe herauszuarbeiten und diese Fähigkeiten mit möglichen Berufen in Beziehung zu setzen, berichtet Marion Uhlig.

Zutrauen zu sich selbst gewinnen

Nach längeren Familienphasen müssten viele berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger jedoch das Vertrauen in ihre berufliche Fähigkeiten wieder aufbauen und die Kommunikation in diesen Zusammenhängen üben. Klassisches Bewerbungstrainings gehört daher ebenso zum Programm wie das Trainieren von Vorstellungsgesprächen. Eine Typ- und Stilberatung hilft, auch äußerlich die eigene Persönlichkeit neu sichtbar zu machen und sich vorteilhaft zu präsentieren. Wir unterstützen diesen Prozess mit Sportangeboten. Über die körperliche Betätigung gewinnen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Selbstbewusstsein, berichtet die Projektleiterin.

Projektbeirat unterstützt

IMBSE rief für den Modellstandort „Perspektive Widereinstieg“ in Schwerin einen Projektbeirat ins Leben. Der Beirat besteht aus Menschen, deren Unternehmen oder Organisationen Frauen und Männer auf dem Weg zurück in den Beruf in unterschiedlicher Weise unterstützen können. Inzwischen ist sogar die Verkehrswacht dabei und bietet Autofahrtrainings an. Die Projektverantwortliche machte nämlich die Erfahrung, dass vielen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern die nötige Fahrpraxis fehlte, um einen eventuellen Arbeitsplatz mit dem Auto ansteuern zu können. Gerade im ländlichen Umfeld mit schwach ausgebautem öffentlichen Nahverkehr gibt es zur Fahrt mit dem Auto jedoch vielfach keine Alternative.

Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für die eine fachliche Weiterbildung sinnvoll ist, ermitteln die Projektverantwortlichen gemeinsam mit der örtlichen Arbeitsagentur ein passendes Angebot. Akademikerinnen und Akademiker möchten teilweise universitäre Seminare besuchen. Wir arbeiten mit dem Baltic College in Schwerin und der Hochschule in Wismar zusammen, um dann jeweils zu schauen, ob es dort Studiengänge gibt, die für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sinnvoll sind.

Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverband

Wenn es um den Kontakt zu möglichen Arbeitsgeberinnen und Arbeitgebern sowie Informationen aus dem Arbeitsmarkt geht, hat sich neben dem engen Austausch mit der Arbeitsagentur die Zusammenarbeit mit dem Regionalgeschäftsführer des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft sehr bewährt. Wir setzen uns alle sechs Wochen zusammen, erzählt Marion Uhlig. Bei einem Treffen berichtete der Verbandsgeschäftsführer von einem zunehmenden Bedarf an Assistenz- und Vertretungskräften für Geschäftsführungen mittelständischer Unternehmen. Viele Menschen haben hier nach der Wende mit 35 bis 40 Jahren einen Betrieb aufgebaut und kommen jetzt in ein Alter, in dem sie gerne kürzer treten möchten. Es fehlt jedoch an Personen, die sie entlasten könnten, erläutert die Projektleiterin. Inzwischen bieten wir daher eine siebenmonatige Qualifizierung für diese Tätigkeit an. Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmern schließen sie Ende Juni 2013 ab. Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft unterstützt anschließend bei der Vergabe von Praktikumsplätzen und vermittelt gezielt an solche Unternehmen, die tatsächlichen Bedarf an unseren Kräften haben.

Berufsstart mit Praktikum sinnvoll

Auch in anderen Berufsfeldern starten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer oft mit einem Praktikum ins Berufsleben. Bei der Vermittlung schalten wir uns gerne ein, sagt Marion Uhlig. Da Praktika in der Regel nicht bezahlt sind, sollten sie jedoch eine Dauer von sechs Wochen nicht überschreiten. Bei einem längeren Praktikum und einer anschließenden Übernahme in eine reguläre Beschäftigung bestehe zudem die Gefahr, im Betrieb weiterhin als die Praktikantin oder der Praktikant zu gelten.

Vielfach sei es auch üblich, vor der Aufnahme einer Anstellung für drei bis fünf Tage Probearbeit zu vereinbaren. Diese Phase, die auch Arbeitserprobung genannt wird, bietet für beide Seiten die Gelegenheit zu schauen, ob das Arrangement passe. Wir sind ebenfalls einbezogen und werden als Mittler tätig, wenn es Unstimmigkeiten geben sollte, berichtet Marion Uhlig. Außerdem  profitieren wir vom Feedback der Beteiligten und können diese Erfahrungen für unsere weitere Arbeit nutzen.

Insgesamt sieht Marion Uhlig auch im eher strukturschwachen Nordosten Deutschlands ein zunehmend günstigeres Umfeld für Arbeitssuchende: Die offenen Stellen nehmen zu. Viele Unternehmen spüren den angehenden Fachkräftemangel und gehen stärker auf die Wünsche von Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmern ein. Wir nutzen diese Stimmung, um für eine familienfreundliche Personalpolitik zu werben, die auch für Menschen mit Familienaufgaben günstige Rahmenbedingungen bietet.

Links:

„Perspektive Wiedereinstieg“
Informationen zur Arbeit des Modellstandorts Schwerin auf der Website der GmbH

„Der Beirat“
Liste der Mitglieder des Projekt-Beirats „Perspektive Wiedereinstieg“ in Schwerin auf der Website der IMBSE GmbH

Foto: Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung GmbH (IMBSE)

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