„Perspektive Wiedereinstieg“- Modellstandort Hamburg: Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiten eigene Profile für professionelles Bewerbungs­manage­ment

„Comeback“: So lautet der Name des Coaching- und Seminarprogramms, das Menschen in Hamburg nach einer mindestens dreijährigen Familienphase auf dem Weg zurück in den Beruf unterstützt. Die KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e.V. setzt es als Modellstandort im Rahmen des bundesweiten Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“, einer Kooperation des Bundesfamilienministeriums und der Bundesagentur für Arbeit, um. Unterschiedliche Familien-Angebote sollen Partnerinnen und Partner sowie ggf. ältere Kinder einbinden und helfen, einen beruflichen Wiedereinstieg im Familienverbund gemeinsam gut zu managen. Eine Datenbank mit Profilen von Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern unterstützt die Stellenvermittlung. Rund 110 kleine und mittlere Betriebe nutzen den KWB-Service und melden ihre offenen Stellen.

Foto: Dr. Susanne A. Dreas und Ines Voss

Seit 2009 begleiten wir jährlich rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit individuellem Coaching und Wiedereinstiegstraining auf dem Weg zurück in den Beruf. ‚Comeback’ heißt dieses Programm, das sich in Hamburg bereits einen Namen gemacht hat, berichtet Projektleiterin Dr. Susanne Dreas von der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e.V.. Der Träger führt „Comeback“ gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Hamburg als Modellprojekt im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ durch. „Perspektive Wiedereinstieg“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesagentur für Arbeit und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

’Comeback’ ist gut etabliert und erfolgreich

Comeback, sagt die Projektleiterin, sei in Hamburg gut etabliert und arbeitet sehr erfolgreich. 50 Prozent der Programm-Teilnehmerinnen und -teilnehmer fänden bereits im Verlauf des Jahres, in dem sie mit dem Programm starteten, einen Arbeitsplatz.

„Comeback“ eröffnet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedliche Wege zurück in den Beruf. Zunächst starten alle mit einem Orientierungsgespräch in dem sie mit ihrer persönlichen KWB-Beraterin eine Bestandsaufnahme ihrer Fähigkeiten, Qualifizierungen und Kompetenzen vornehmen, ihre Berufswünsche formulieren und mit der Situation am Arbeitsmarkt abgleichen. Je nachdem was dieses Gespräch ergibt, starten die Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer direkt in die Bewerbungsphase, schließen eine spezifische fachliche Qualifizierung bei einem anderen Träger an oder nehmen an unserem Training Wiedereinstieg teil. Auf allen diesen Wegen werden sie durch persönliches Coaching begleitet. Rund 30 der insgesamt 70 beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger im Programm nehmen jährlich am Training Wiedereinstieg teil. Es dauert vier Monate und findet immer vormittags statt. Neben Inhalten wie Projektmanagement, Betriebswirtschaftslehre und MS Office steht die Erarbeitung persönlicher Schlüsselqualifikationen auf dem Lernplan. „Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer analysieren, wo sie stehen, was sie können und was sie beruflich erreichen möchten. Sie lernen, wie ein gutes Selbstmarketing funktioniert und absolvieren ein Bewerbungstraining“, berichtet Susanne Dreas. Ein abschießendes Praktikum in einem Betrieb gehört ebenfalls zum Training Wiedereinstieg. Von denjenigen, die das Training Wiedereinstieg besucht haben, sind es sogar 70 bis 80 Prozent, die innerhalb des ersten Jahres auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Im Angebot: Coaching zusammen mit dem Partner bzw. der Partnerin

Wenn sich Personen nach einer längeren Familienphase auf eine erneute Berufstätigkeit vorbereiten, ist das ein Prozess, der die ganze Familie betrifft. Es hat sich als zielführend erwiesen, wenn Familien diesen Weg gemeinsam gehen und passende Lösungen für eine veränderte familiäre Aufgabenteilung erarbeiten. Im Rahmen von Comeback können Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer daher ein sogenanntes Familiencoaching nutzen. KWB arbeitet für dieses Angebot mit dem Väter e.V. zusammen. Die Coaches dort haben viel Erfahrung in der Väterarbeit und wissen, wie sich ein beruflicher Wiedereinstieg auf die Gesamtkonstellation einer Familie auswirken kann, sagt Susanne Dreas. Bislang machten rund 20 Prozent der Partnerinnen und Partner oder auch ältere Kinder von diesem speziellen Angebot Gebrauch und kamen zum Familiencoaching mit. Zahlreiche Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer ließen sich alleine von den Väter e.V.-Coaches beraten, wie sie den beruflichen Wiedereinstieg in der Familie kommunizieren und managen können. Paare, die das Thema noch intensiver bzw. im Austausch mit anderen Paaren bearbeiten möchten, haben darüber hinaus die Möglichkeit, an einem jährlich stattfindenden Paarseminar teilzunehmen. Gemeinsam mit dem Modellstandort „Perspektive Wiedereinstieg“ in Kiel erprobt KWB eine weitere Angebotsvariante: Klettertrainings im Hochseilgarten. Paare bzw. Familien durchlaufen dort Teamübungen und übertragen ihre Erfahrungen in einer anschließenden Reflexionsphase auf die Situation des beruflichen Wiedereinstiegs und dessen Auswirkungen auf die Familie. Als Paar oder Familie solche Beratungs- oder Trainingsangebote zu nutzen, um den familiären Veränderungsprozess durch einen beruflichen Wiedereinstieg gut zu bewältigen, ist heute noch eher 'exotisch'. Da die Menschen, die das Angebot nutzen, die Unterstützung jedoch zumeist als hilfreich empfinden, wird die Teilnahme hoffentlich bald ganz selbstverständlich dazu gehören, sagt Susanne Dreas.

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Broschüre mit Anbieterdaten und Internetbörse

Berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger und ihre Familien profitieren auch davon, selbst Haushaltnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Es trägt dazu bei, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, sagt die Expertin. Haushaltsnahen Dienstleistungen umfassen Aufgaben, die von Familienmitgliedern prinzipiell selbst erbracht werden könnten, die sie jedoch zur Entlastung im familiären Alltag gegen Entgelt an Nicht-Haushaltmitglieder delegieren.  Um eine Nutzung solcher Angebote zu erleichtern, erarbeitet KWB gerade eine Broschüre, die Anbieter und Anbieterinnen Haushaltsnaher Dienstleistungen in Hamburg auflistet. Auch eine Börse bzw. Messe, auf der sich entsprechende Firmen präsentieren, ist in Planung.

Kooperation mit dem Deutschen Hausfrauenbund

Im Bereich der Haushaltsnahen Dienstleistungen kooperiert KWB mit dem Deutschen Hausfrauenbund, der eine Umschulung bzw. Fortbildung zur Hauswirtschafterin bzw. zum Hauswirtschafter durchführt. Wir informieren unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmern über diese Berufs- und Fortbildungsmöglichkeit. Angehende Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter nutzen auf Wunsch umgekehrt individuelles sowie Familiencoaching von ‚Comeback’. Die Unterstützung hilft ihnen, den passenden beruflichen Rahmen für sich zu ermitteln, eventuelle familiäre Hürden zu meistern und eine Stelle zu finden, die ihnen entspricht, berichtet Susanne Dreas.

Vermittlungsservice und Bewerberinnen- bzw. Bewerberdatenbank

Den teilnehmenden Frauen und Männern kommt die gute Vernetzung der KWB mit Unternehmen bei der Stellensuche zu Gute. Neben „Comeback“ setzt KWB nämlich auch  „Worklife“ um, ein von der Freien und Hansestadt Hamburg sowie aus den Europäischen Sozialfonds finanziertes Projekt. „Worklife“ unterstützt Menschen nach unter-dreijähriger Familienphase bei der Rückkehr ins Erwerbsleben und betreibt zudem einen Personal-Vermittlungsservice, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Personalgewinnung zu unterstützen. 113 Betriebe sind aktuell dabei und melden uns ihre freien Stellen. Wir senden ihnen - jeweils nach Rücksprache mit unseren Programmteilnehmerinnen und -teilnehmern – Profile von Bewerberinnen und Bewerbern, erläutert Susanne Dreas. KWB greift dafür auf eine eigens eingerichtete Datenbank zu, in die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einloggen können, um ihre Datensätze selbst zu pflegen und ihre Profile aktuell zu halten. Auch ein Bild können die Bewerberinnen und Bewerber hochladen. Interessierte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber finden einige der Profile auch online zum Download direkt auf der „Comeback“-Homepage.

Links:

KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e.V.
Website

„Comeback“
Projektwebsite

„Worklife“
Projektwebsite

Foto: KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e.V.

Themenlotse

Themen-Schnellzugang