Modellprojekt: „Neue Wege NRW– Beruflicher (Wieder-)Einstieg mit System“

Neben dem bundesweiten Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ mit seinen zehn Modellstandorten gibt es auch auf Landesebene Modellprojekte zur Unterstützung beruflicher Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. In sechs Städten und Regionen Nordrhein-Westfalens erprobten Akteurinnen und Akteure aus Jugendämtern, Familienzentren, Arbeitsagenturen und Jobcentern sehr erfolgreich neue Formen der Zusammenarbeit. In Familienzentren fanden Infoveranstaltungen und Kurse statt, die interessierten Müttern und Vätern den Weg zurück in den Arbeitsmarkt erleichtern. Ein Video bietet Einblicke in die Projektarbeit.

Grafik: Logo des Modellprojekts

Familienzentren sind Kindertagesstätten mit erweitertem Beratungs- und Bildungsangebot. Ziel der Familienzentren ist es, die Erziehungskompetenz von Eltern zu stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Bei unserer wissenschaftlichen Begleitung dieser Institutionen stellten wir fest, dass Eltern vielfach auch mit beruflichen Fragen auf ihre Ansprechpersonen im Familienzentrum zukommen. Das liegt vor allem deshalb nahe, weil Kinderbetreuung und beruflicher Wiedereinstieg vielfach zu gleicher Zeit zu regeln und organisatorisch aufeinander abzustimmen sind, berichtet Dr. Sybille Stöbe-Blossey, Projektverantwortliche beim IAQ - Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Das Institut für Innovation & Bildung - innovaBest - aus Frechen stellte etwa zeitgleich Überlegungen dazu an, mit welchen Angeboten am beruflichen Wiedereinstieg Interessierte am besten anzusprechen sind. Gemeinsam entwickelten wir die Projektidee für ‚Neue Wege NRW’. Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Europäische Sozialfonds förderten die Umsetzung.

Akteurinnen und Akteure lernen sich gegenseitig kennen

An dem zweijährigen Modellprojekt beteiligten sich Verantwortliche aus den Städten Düsseldorf, Gelsenkirchen und Hamm sowie aus der StädteRegion Aachen, dem Kreis Borken und dem Rhein-Erft-Kreis. Die dortigen Arbeitsagenturen und Jobcenter boten zusammen mit Jugendämtern und Familienzentren unterschiedliche Veranstaltungsformate für Eltern an, die sich zu Themen rund um die Rückkehr ins Berufsleben informieren wollten. Gemeinsame Fortbildungen der Projektbeteiligten aus den Institutionen der Jugendhilfe und der Arbeitsvermittlung waren dem vorausgegangen. Die beteiligten Fachkräfte erhielten Einblicke in die Arbeitsabläufe in der jeweils anderen Organisation. Das hat viel zum gegenseitigen Verständnis beigetragen, berichtet die Projektkoordinatorin.

Kommt gut an: Infoveranstaltungen und Kurse in vertrauter Umgebung

Dass Veranstaltungen wie das „Elterncafé Wiedereinstieg“ oder Kurse unter dem Titel „Ich habe Vorfahrt“ sehr gut angenommen wurden, habe mit der für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertrauten Umgebung des Familienzentrums zu tun und damit, dass die Fachkräfte in den Einrichtungen in vielen informellen Gesprächen potenziell Interessierte auf die Veranstaltungen hinwiesen, sagt Sybille Stöbe-Blossey. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders für Menschen in schwierigen Lebensumständen diese Begleitung durch Vertrauenspersonen in einer bekannten Institution eine große Hilfe war, um Angebote nutzen und ihren beruflichen Wiedereinstieg konkret planen und angehen zu können.

Wie geht es weiter?

Auch die beteiligten Institutionen werteten die Kooperation als Gewinn: Die Familienzentren konnten sich mit dem Angebot zusätzlich profilieren, die Arbeitsagenturen und Jobcenter Zielgruppen ansprechen, die sonst eventuell nicht auf den Gedanken gekommen wären, Unterstützung bei ihnen nachzufragen. In den Modellregionen entstanden daher Kooperationsverträge, die über den Projektzeitraum, der im Dezember 2012 endete, hinaus fortbestehen.

Info-Materialien machen Ergebnisse zugänglich

Die Projektverantwortlichen beim IAQ und bei innovaBest arbeiten zurzeit an einer Lotsenbroschüre für Familienzentren, die die Vielfalt der Beratungs- und Unterstützungsangebote im Zusammenhang mit dem beruflichen Wiedereinstieg in Nordrhein-Westfalen sowie auch bundesweit auflistet und den Fachkräften damit die nötigen Informationen an die Hand gibt, um nachfragende Eltern an passende Stellen weiter verweisen zu können. Die Broschüre soll in Kürze im Internet zum Download zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist ein Transferhandbuch in Arbeit, das Durchführung und Ergebnisse des Projekts ausführlich beschreibt.

Wer sich einen ersten Eindruck von dem Projekt Neue Wege in NRW und den in diesem Rahmen angebotenen Kursen für Wiedereinstiegsinteressierte in Familienzentren verschaffen möchte, kann sich das Video ansehen, das dazu entstanden ist. Angebote vor Ort zum Beispiel im Rahmen des Aktionsprogramms Perspektive Wiedereinstieg können Interessierte im Veranstaltungskalender von www.perspektive-wiedereinstieg.de finden.

Links:

„Neue Wege NRW – die Reportage“
Film auf Youtube

IAQ - Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen
Website

innovaBest Institut für Innovation und Bildung
Website

Foto: IAQ - Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen

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