Best Practice: „Welcome Back“ – Netzwerktreffen für Berufswiedereinsteigerinnen in der Region Hannover – Erfolgreiches Netzwerken ist keine Zauberei

Seit Ende 2015 veranstaltet die Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ in Hannover vier Mal jährlich Netzwerktreffen für Berufswiedereinsteigerinnen. Über 70 Frauen kommen bei jedem Treffen zusammen, um sich von Impulsreferaten, kollegialer Beratung und persönlichem Austausch auf ihrem Weg zurück in die Arbeitswelt inspirieren zu lassen. Sich auf Augenhöhe zu begegnen und voneinander zu lernen, darauf beruht das Erfolgsrezept der Veranstaltung „Welcome Back“. Das Netzwerktreffen wird von der Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ Region Hannover durchgeführt und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Niedersachen in Trägerschaft der Region Hannover gefördert.

Foto: Netzwerktreffen "Welcome Back"

Die kostenlose und vertrauliche Einzelberatung von Frauen, die nach der Familienzeit ins Berufsleben zurückkehren oder sich beruflich neu orientieren möchten, gehört zum Tagesgeschäft von Christiane Finner. Wie oft habe ich  schon gedacht, diese Frau müsste ich unbedingt mit einer anderen, die ich beraten habe, zusammenbringen. Beide sind beispielsweise alleinerziehende Mütter, und die eine hat gerade die Lösung für ein Problem gefunden, das der anderen noch unüberwindbar erscheint, erzählt die Leiterin der Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ Region Hannover. Ich habe in der Beratung gelernt, dass der Funke nur bei einem Gespräch auf Augenhöhe überspringt. Deshalb bin ich froh, dass wir mit unseren Netzwerktreffen eine Plattform schaffen konnten, wo die Frauen miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen können.

Ein Miteinander in angenehmer Atmosphäre

Seit November 2015 treffen sich im Rahmen der „Welcome Back“-Veranstaltungen vier Mal jährlich über 70 Frauen im Alter zwischen 25 und 60 Jahren im Haus der Region in Hannover. Beim ersten Treffen wurden Wünsche und Vorschläge der Teilnehmerinnen für die Ausgestaltung der  Veranstaltungsreihe gesammelt. Seither standen Themen wie „Berufliche Perspektiven im Bereich Gesundheit & Pflege“, „Die ersten 100 Tage im neuen Job“, „Erfolgreich Netzwerken“ und „Mut zum beruflichen Quereinstieg“ auf dem Programm. Weibliche Fach- und Führungskräfte geben mit Vorträgen Impulse und diskutieren anschließend mit den Teilnehmerinnen in kleinen Gruppen. Daneben gibt es viel Raum für  persönliche Gespräche, da sich zahlreiche Frauen aus Seminaren der Beratungsstelle oder von vorherigen „Welcome Back“-Veranstaltungen kennen. Oft sorgen Beiträge wie der Auftritt einer Poetry Slammerin oder ein unterhaltsamer Kurzfilm für einen lockeren Auftakt der Veranstaltung. Fotostrecken von den Treffen auf der Homepage der Beratungsstelle dokumentieren ein angeregtes Miteinander in angenehmer Atmosphäre.

Fähigkeiten gezielt für den beruflichen Wiedereinstieg einsetzen

Wir wollen Frauen bewusst die Hemmschwelle nehmen, ein Netzwerktreffen zu besuchen. Ich weiß aus Gesprächen, dass einige Frauen anfangs verunsichert sind, weil sie keine Visitenkarte haben oder nicht wissen, was sie zum Small-Talk-Thema machen können, erzählt Christiane Finner. Bei den Referentinnen achten wir darauf, keine abgehobenen Vorzeigefrauen zu präsentieren. Am liebsten sind uns Expertinnen, die die Probleme unserer Teilnehmerinnen aus eigener Erfahrung kennen. Dreimal präsentierten sich sogar schon Frauen auf dem Podium, die den Einstieg in die Berufswelt durch unseren Support geschafft haben.

Zum Konzept der „Welcome Back“-Reihe gehöre, den Frauen einerseits einen geschützten Raum zu bieten, in dem jede „frei von der Leber weg“ sprechen könne, betont Christiane Finner. Andererseits sei ein professionelles Setting wichtig, damit die Teilnehmerinnen lernen, sich in den Strukturen der modernen Arbeitswelt zu bewegen. Oft sei es für Teilnehmerinnen ein erster Schritt, sich gegenseitig Empfehlungen für Weiterbildungen zu geben, sich über Vereinbarkeitsthemen auszutauschen oder sich nach der Veranstaltung mit der Referentin auf dem Business-Portal „Xing“ zu vernetzen und weitere Netzwerktreffen der eigenen Branche zu besuchen. Manchmal ergäben sich auch aus Gesprächen mit den Multiplikatorinnen von der Agentur für Arbeit oder der Handwerkskammer, die die „Welcome Back“-Treffen regelmäßig besuchen, neue Anregungen, erzählt Christiane Finner.

Die Rückkehr ins Berufsleben aktiv mitgestalten

Beim „Welcome Back“-Treffen Ende April zum Thema „Neue Arbeitswelten“ diskutierten die Teilnehmerinnen über neue Ansätze im Projektmanagement, Social Media Marketing sowie über das Thema Digitalisierung und die damit verbundenen  Chancen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei solchen Themen geht es zusätzlich darum, Frauen mit dem Vokabular der digitalen Arbeitswelt vertraut und dadurch sprechsicher zu machen, erläutert Christiane Finner. Bei der nächsten Veranstaltung am 21. August 2017 unter dem Motto „Equal Pay: Wir müssen reden – über Geld!“ möchten die Veranstalterinnen den  Teilnehmerinnen unter anderem das Rüstzeug für erfolgreiche Gehaltsverhandlungen vermitteln. Weiterhin planen die Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“, deren Projekt aus Mitteln des ESF und des Landes Niedersachsen in Trägerschaft der Region Hannover gefördert wird, Veranstaltungen zu den Themen „Work-Life-Balance“ und „Perspektiven zugewanderter Frauen“.

Ich freue mich darüber, dass zahlreiche Frauen unsere Netzwerktreffen häufiger besuchen. Dadurch kann ich miterleben, wie sie mit jedem Mal neugieriger, mutiger und selbstbewusster werden, sagt Christiane Finner. Hier können sie die Erfahrung machen, dass sie keine Bittstellerinnen sind, sondern den Prozess ihrer Rückkehr ins Berufsleben aktiv mitgestalten können.

Link:

WELCOME BACK Netzwerktreffen
Koordinierungsstelle Frau und Beruf Website

Link: Perspektive Wiedereinstieg

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Foto: Annemarie Bartoli

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