Tagungsbericht: "Erwerbsbe­teiligung von Frauen - Chancen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt"

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) veranstalteten im Juli 2012 in Nürnberg die Fachtagung Erwerbsbeteiligung von Frauen - Chancen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt. Über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Arbeitsverwaltung waren dabei. Eine Dokumentation der Veranstaltung ist jetzt im Internet verfügbar. Perspektive-wiedereinstieg.de fasst zentrale Aussagen zusammen.

Fot: Personen im Gespräch

Aktuell nicht erwerbstätige Mütter für den Arbeitsmarkt gewinnen oder es Frauen ermöglichen, ihre Teilzeitberufstätigkeit auszuweiten: Wenn das gelänge, ließen sich Modellrechnungen zufolge umgerechnet 1,5 Millionen Vollzeitstellen zusätzlich besetzen. Hier liege das größte, derzeit ungenutzte Arbeitskräftepotenzial für die deutsche Wirtschaft. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels nehmen die Anstrengungen zu, dieses Potenzial zu heben. Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der BA, betonte, wie komplex diese Zielsetzung sei. Das Themenfeld hätte familienpolitische, gleichstellungspolitische, steuerpolitische und kulturelle Dimensionen. Unter anderem mit dem Projekt „Beschäftigungschancen für Alleinerziehende“ gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sei die BA aktiv, um die sogenannte Stille Reserve nicht erwerbstätiger Menschen in einer Familienphase für den Arbeitsmarkt zu aktivieren.

Maßnahmen ausbauen, die Erwerbsanreize schaffen

Damit sich die Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen in Art und Umfang weiter anglichen, müssten sich gesellschaftliche Leitbilder wandeln und Erwerbsanreize gestärkt werden, sagte IAB-Vizedirektor Dr. Ulrich Walwei. Wichtig seien Maßnahmen, die es besonders Frauen mit Kindern erleichterten, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Rednerinnen und Redner forderten den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, ein Umdenken bei der Aufgabenverteilung in den Familien, flexiblere Arbeitszeitmodelle in den Unternehmen und einen Abbau der noch immer bestehenden Unterschiede im Verdienst von Frauen und Männern. Heidi Holzhauser, Expertin für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt aus der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit, machte sich für die steuerliche Subventionierung von Haushaltsnahen Dienstleistungen stark. Damit entstehe ein großer potenzieller Markt für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Gleichzeitig würden Mütter sowie Väter von Haushaltsaufgaben entlastet.

Gute Chancen für Wiedereinsteigerinnen im Einzelhandel oder als Erzieherin

Gute Beschäftigungschancen für Wiedereinsteigerinnen gäbe es im Einzelhandel, betonte Dr. Angelika Kümmerling vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Teilzeitmodelle seien weit verbreitet und trügen dazu bei, einen Wiedereinstieg zu erleichtern. Allerdings sind Frauen in dieser Branche häufig auch mit Karrierenachteilen konfrontiert und auch eine Rückkehr in Vollzeit gestaltet sich oft schwierig. Ein Beruf, für den dringend qualifizierte Beschäftigte gesucht würden, sagte Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, Ministerialdirektorin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, seien Erzieherinnen und Erzieher. Das Ministerium habe mit der BA ein Programm vereinbart, mit dem 5.000 Arbeitslose in diesem oder einem anderen Mangelberuf qualifiziert werden sollen. Diese Maßnahme müsse jedoch noch mit den Landesausbildungsverordnungen in Übereinstimmung gebracht werden.

Link:

„Erwerbsbeteiligung von Frauen – Chancen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt“
Tagungsbericht, Workshopberichte, Bericht zur Podiumsdiskussion, Bildergalerie, Videocast sowie Programm mit Präsentationsfolien auf der Website des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB)

Foto: IAB

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