Tagung und Broschüre: "Karriere-K(n)ick Kind? Beruflicher Wiedereinstieg - Aber wie?"

Erfolgreich wieder einsteigen im öffentlichen Dienst: Die dbb bundesfrauenvertretung, die gewerkschaftliche Spitzenorganisation für Frauen im öffentlichen Dienst, veranstaltete ihre 9. Frauenpolitische Fachtagung zum Thema Karrierek(n)ick Kind? Beruflicher Wiedereinstieg - Aber wie?. Ausgewählte Inhalte und positive Beispiele sind in einer gleichnamigen Broschüre vom Juni 2012 nachzulesen, die im Internet zum Download zur Verfügung steht.

Foto: Deckblatt der Broschüre

Auch wer lange Zeit aus dem Erwerbsleben ausgestiegen ist, hat Chancen auf dem Arbeitsmarkt, betont Eva-Maria Welskop-Deffaa. Als Leiterin der Abteilung Gleichstellung/Chancengleichheit im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellte sie auf der dbb-Tagung das Aktionsprogramm Perspektive Wiedereinstieg des Ministeriums vor. Es vermittelt: Egal welche Lebensentscheidung du in der Vergangenheit getroffen hast, hier und heute ist deine Chance! Wir helfen dir dabei, dass der Wiedereinstieg gelingen kann. Im Rahmen der zweiten Phase des Programms werden Trägerinnen und Träger an zehn Modellstandorten mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) dabei unterstützt, Frauen Wege zurück ins Berufsleben zu ebnen.

Die erste Projektphase (2009 bis 2012) zeigte, dass Frauen noch zu selten ein Wiedereinstieg mit Perspektive gelingt. Vielfach sind sie in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen tätig, die nicht existenzsichernd sind und keine ausreichenden Rentenansprüche begründen. Studien zufolge unterschätzen berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger die Entlastungsmöglichkeiten, die sie durch eine Neuverteilung der Familien- und Haushalts-Aufgaben in der Partnerschaft sowie durch die Nutzung haushaltsnaher Dienstleistungen im Wiedereinstiegsprozess erfahren könnten. Unter dem Motto „Zeit für Wiedereinstieg“ sollen daher Unterstützungspotenziale – besonders durch den Partner, die Partnerin und haushaltsnahe Dienstleistungen - so aktiviert werden, dass der Wiedereinstieg in eine der Qualifikation entsprechende und vollzeitnahe Tätigkeit auch nach mehreren Jahren familienbedingter Erwerbsunterbrechung nachhaltig gelingt.

Öffentlicher Dienst: Lange Beurlaubungen erschweren Wiedereinstieg

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe die Brisanz des Themas beruflicher Wiedereinstieg und die oft damit verbundenen Schwierigkeiten erkannt, sagt Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung. Mit Perspektive Wiedereinstieg und dem begleitenden Lotsenportal im Internet habe sie ein Projekt initiiert, das Wirkung zeige. So etwas brauchen wir auch für den öffentlichen Dienst, betont sie. Denn eine Familienphase bedeute für Beamtinnen und Beamte ebenfalls einen Bruch in der beruflichen Entwicklung. Den Wiedereinstieg in den Beruf positiv zu gestalten, sei für Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrer sowie für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber trotz guter gesetzlicher Regelungen eine Herausforderung. Für Beamtinnen und Beamte ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Beurlaubung aus familiären Gründen für bis zu 15 Jahre möglich, erklärt Helene Wildfeuer.

Doch die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist nach einer langen Auszeit häufig besonders schwierig. Zwar arbeiteten die Beamtinnen und Beamten in der gleichen Besoldungsgruppe, die sie vor der Familienphase bekleideten, doch das bedeute nicht, dass sie automatisch auch dieselbe Tätigkeit wieder aufnehmen könnten. Besonders Teilzeitkräfte würden vielfach deutlich unter ihrer Qualifikation eingesetzt. Die Aussicht auf einen besser bezahlten Posten rücke oft in weite Ferne, denn Führungspositionen seien auch im öffentlichen Dienst nur in Ausnahmefällen in Teilzeit zu haben. Öffentliche Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten ihre Beschäftigten daher zu einer schnellen Rückkehr ins Arbeitsleben motivieren, fordert die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die eine Auszeit planen, rät Helene Wildfeuer, sich bei ihren Vorgesetzten nach Weiterbildungsmöglichkeiten während der Elternzeit und Wiederein­gliederungsprogrammen zu erkundigen.

Inhalte der Broschüre zur Tagung

Die Broschüre Karrierek(n)ick Kind? Beruflicher Wiedereinstieg - Aber wie? dokumentiert neben der thematischen Einführung von Helene Wildfeuer und einem Referat von Eva-Maria Welskop-Deffaa auch die folgenden Vorträge:

  • Grußwort von Peter Heesen, Bundesvorsitzender des dbb beamtenbund und tarifunion
  • Mütterliche Berufstätigkeit, Fremdbetreuung und kindliches Sozialverhalten, Dr. Stefanie Jaursch , Institut für Psychologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Beruflicher Wiedereinstieg im öffentlichen Dienst – Strategien zum Erfolg, Stefan Becker, berufundfamilie gGmbH der Hertie-Stiftung
  • Beruflicher Wiedereinstieg – Aber wie! Wiedereinstieg für Führungskräfte nach der Elternzeit,  Dr. Helga Lukoschat, Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF)
  • Das Vier-Phasen-Konzept: Förderung eines früheren und erfolgreichen beruflichen Wiedereinstiegs in der Finanzverwaltung Rheinland-Pfalz, Werner Nägle, Oberfinanzdirektion Koblenz

Zusätzlich enthält die Broschüre einen Beitrag zum Thema „Beruflicher Wiedereinstieg aus rechtlicher Sicht“, den Sibylle Scholz, Geschäftsführerin der dbb bundesfrauenvertretung verfasste.

Links:

Karrierek(n)ick Kind? Beruflicher Wiedereinstieg - Aber wie?

Tagungsdokumentation zum Download auf der Publikationen-Seite der dbb bundesfrauenvertretung

Foto: Deutscher Beamtinnenbund (dbb)

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