Studien: Haushalts­nahe Dienst­leistungen – ein Markt mit Möglichkeiten

Welche Haushaltsnahen Dienstleistungen wünschen sich Familien? Unter welchen Umständen würden sie sie nutzen? Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit Menschen, die beruflich wieder einsteigen wollen, von haushaltsnahen Dienstleistungen profitieren können? Wer Haushaltsnahe Dienstleitungen nutzen oder sich in diesem Markt beruflich engagieren möchte, findet interessante Fakten zu diesen Fragen in den beiden Studien „Haushaltsnahe Dienstleistungen – Bedarfe und Motive beim beruflichen Wiedereinstieg“ und Machbarkeitsstudie: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen vom Mai 2011.

Foto: Frau mit Lappen und Reinigungsmittel in den Händen

Wer den beruflichen Wiedereinstieg plant oder schon berufstätig ist und Haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nimmt, setzt einen Impuls, von dem alle profitieren, die diese unterstützenden Leistungen nutzen, anbieten oder vermitteln. Im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ sind Haushaltsnahe Dienstleistungen daher in zweierlei Hinsicht ein Schwerpunktthema: als Entlastungsmöglichkeit während des beruflichen Wiedereinstiegsprozesses und als Chance für Menschen, die im Bereich familienunterstützender Angebote tätig werden möchten. Diese Potenziale macht die Machbarkeitsstudie: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen der Rambøll Management Consulting im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend deutlich.

Nutzen Haushaltsnaher Dienstleistungen für den beruflichen Wiedereinstieg

Wer Haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nimmt, gewinnt Zeit - für den beruflichen Wiedereinstieg, für berufliche Weiterentwicklung, für die Familie und für sich selbst. Der Verweis auf die Inanspruchnahme externer Unterstützungsmöglichkeiten gegenüber (potentiellen) Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern kann in Bewerbungsgesprächen die Chancen auf eine Einstellung erhöhen und unterstreichen, dass die gleichzeitige Vereinbarkeit von Beruf und Familie zuverlässig gewährleistet ist. Eine Entlastung im Haushalt ermöglicht es Menschen, die derzeit in Teilzeit oder auf Minijob-Basis arbeiten, ihre Arbeitszeiten auszuweiten und damit ihr Einkommen und die Chancen einer beruflichen Weiterentwicklung mit Blick auf (mehr) finanzielle Unabhängigkeit und bessere Absicherung im Alter zu verbessern.

Derzeit machen rund 16 Prozent der Familien von Haushaltsnahen Dienstleistungen Gebrauch. Von diesen Haushalten haben ca. sieben Prozent ein höheres, 8,5 Prozent ein mittleres und 1,5 Prozent ein niedriges Einkommen. Das sind Ergebnisse aus der Befragung von mehr als 1.800 Müttern und Vätern im Alter von 25 bis 60 Jahren, die das DELTA-Institut im Sommer 2010 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchführte.  

Welche Haushaltsnahen Dienstleistungen werden bzw. würden in Anspruch genommen?

Die Befragung der Frauen und Männer zur derzeitigen oder potenziellen Inanspruchnahme Haushaltsnaher Dienstleistungen macht deutlich: Dienste rund um Kinder und zu pflegende Angehörige wie Unterbringung der Kinder in Schulferien (44 Prozent), Babysitterin bzw. Babysitter am Abend, über Nacht (41 Prozent), Bring- und Holdienste für Kinder (36 Prozent), Unterstützung bei der Pflege bzw. Betreuung hilfsbedürftiger Familienmitglieder (36 Prozent), Unterbringungsdienste für kranke Kinder (34 Prozent) rangieren in weiten Teilen deutlich vor „reinen“ Aufgaben im Haushalt wie Renovierungsarbeiten (36 Prozent), Putzdienste (35 Prozent), Wäschedienst inkl. Bügeln (25 Prozent), Winterdienst/Schneeräumen (20 Prozent), Gartenarbeit (19 Prozent), Einkäufe erledigen (15 Prozent) und Kochdienste (13 Prozent). Die Befragung zeigt, dass die Arrangements für Auswahl und Häufigkeit in hohem Maße individuell sind, sich zum Teil an äußeren Umständen (z. B. Umfang der Arbeitszeiten, Haushaltseinkommen, Zahl und Alter der Kinder, Pflegefall in der Familie) und zum anderen an subjektiven Vorlieben orientieren.

Unter welchen Umständen würden Familien vermehrt Haushaltsnahe Dienstleistungen nutzen?

Sowohl die aktuellen Nutzerinnen und Nutzer als auch die potentiellen Nachfragerinnen und Nachfrager von Haushaltsnahen Dienstleistungen nennen in der Befragung zuerst finanzielle Entlastungen, die dazu beitragen würden, dass sie in Zukunft vermehrt Haushaltsnahe Dienstleistungen nutzen. Das sind in erster Linie Steuerentlastungen in der Einkommensteuer, Befreiung von der Mehrwertsteuer oder ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Mehr als die Hälfte der befragten Mütter und Väter im Erwerbsalter könnten sich vorstellen, dass Gutscheine des Staates, die ein Teil der Kosten abdecken, sie anregen würden, Haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Wichtig sind den Befragten aber auch Unterstützung bei der Suche und Organisation Haushaltsnaher Dienstleistungen durch zum Beispiel eine feste Ansprechperson und eine Professionalität des ausführenden Fachpersonals.

Unter der Voraussetzung, dass diese Förderinstrumente eingesetzt werden, würden nach eigener Auskunft 35 Prozent der Frauen und Männer im Alter zwischen 25 und 60 Jahren Haushaltsnahe Dienstleistungen künftig überhaupt oder vermehrt in Anspruch nehmen. Das wäre auf der Grundlage des aktuellen Nutzungsanteils von 16 Prozent mehr als eine Verdoppelung.

Den Markt für Haushaltsnahe Dienstleistungen fördern

Die Autorinnen und Autoren der Machbarkeitsstudie: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen schlagen als Strategie Maßnahmen vor, die Hindernisse abbauen. Die Maßnahme sollen:

  • unbürokratische Verfahren einrichten,
  • leichte Zugänge zu den Angeboten schaffen (Marktransparenz),
  • Angebote weiterentwickeln,
  • den Aufwand bei der Suche verringern,
  • Vertrauen aufbauen,
  • Verlässlichkeit herstellen,
  • und Qualitätsstandards sichern.

Anhand guter Beispiel beschreibt die Machbarkeitsstudie verschiedene Ansätze dafür:

Transparenz des Marktes steigern:

Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Steigerung der Transparenz des Marktes sind virtuelle oder reale Vermittlungsstellen. Vermittlungsstellen vor Ort sollen sich im Rahmen des „Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend etablieren. Seit 2012 ist die Schaffung eines lokalen Marktes für Haushaltsnahe Dienstleistungen einer von vier zentralen Schwerpunkten der 450 Mehrgenerationenhäuser. Bereits jetzt verfügt im Durchschnitt jedes Haus über mehr als fünf Dienstleistungsangebote, die von Kinderbetreuung bis hin zur Haus- und Gartenarbeit reichen. Weitere Informationen sind hier zu finden.

Ein Beispiel für eine virtuelle Vermittlungsstelle ist die Online-Börse der Verbraucherschutzzentrale NRW e.V., die 2010 im Rahmen des Projekts „Haushaltsnahe Dienstleistungen für ältere Menschen in NRW“ entstanden ist. Anbieterinnen und Anbieter von Haushaltsnahen Dienstleistungen können sich in die Datenbank eintragen, wenn sie die Selbstverpflichtungserklärung zu den im Projekt entwickelten Qualitätskriterien unterzeichnen. Im Falle von Verstößen eines Anbieters oder einer Anbieterin gegen die Selbstverpflichtung können sich die Kundinnen und Kunden an eine Beschwerdestelle wenden. Die Datenbank ist zu finden unter: Datenbank Haushaltsnahe Dienstleistungen und Checkliste

Angebote Haushaltsnaher Dienstleistungen schaffen:

Mit dem Ziel, Haushaltsnahe Dienstleistungen auf lokaler Ebene zu etablieren und damit Arbeitsplätze im privaten Dienstleistungssektor zu schaffen, förderte die Robert-Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium durch ihr Projekt „Unternehmen Familie – Innovationen durch familienunterstützende Dienstleistungen“ Anbieterinnen und Anbieter bei der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle im gesamten Bundesgebiet. Informationen zu den Projekten unter: Unternehmen Familie - Innovationen durch familienunterstützende Dienstleistungen

Die Machbarkeitsstudie kommt zu dem Schluss, dass ein gut entwickelter Markt für Haushaltsnahe Dienstleistungen arbeitsmarkt- und familienpolitisch sinnvoll und volkswirtschaftlich nützlich ist. Sowohl Menschen, die durch die Entlastung erwerbstätig werden oder ihre Erwerbstätigkeit ausweiten, als auch Personen, die eine Beschäftigung in Privathaushalten aufnehmen, erwirtschaften zusätzliche Einkommen und tragen damit zur ökonomischen Entwicklung des Landes bei.

Haushaltnahe Dienstleistungen fördern Gleichstellung der Geschlechter

Beide Studien weisen darauf hin, dass eine staatliche Förderung Haushaltsnaher Dienstleistungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten würde, die Teilhabechancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. In einer weiteren Bevölkerungsbefragung vom DELTA-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von April 2011 sagen 83 Prozent aller Frauen und 75 Prozent aller Männer, dass Haushaltsnahe Dienstleistungen ihrer Ansicht nach ein wichtiges Instrument sind für Geschlechtergerechtigkeit und faire Chancen für Frauen und Männer.

Links:

Studie: Haushaltsnahe Dienstleistungen – Bedarfe und Motive beim beruflichen Wiedereinstieg
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2011

„Machbarkeitsstudie: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen“
Publikation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2011

Datenbank Haushaltsnahe Dienstleistungen und Checkliste
Verbraucherzentrale NRW

Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser

Unternehmen Familie - Innovationen durch familienunterstützende Dienstleistungen
Robert-Bosch Stiftung:

Foto: stockfreeimages.com / Velkol

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