Personalberaterin Carmen Kraushaar: „Gut vorbereitet gelingt die Rückkehr in MINT-Berufe“

Wiedereinstiegsinteressierten Frauen, die über ein Studium bzw. eine Ausbildung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich verfügen, sich engagiert um ihre Rückkehr in den Beruf kümmern und den Mut mitbringen, neue Wege zu gehen, sagt Personalberaterin Carmen Kraushaar aus München gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt voraus. Vielfältig zusammengesetzte Teams, die unterschiedliche Sichtweisen einbeziehen, machen komplexe Projekte erfolgreicher. Das bietet Chancen für berufliche Wiedereinsteigerinnen.

Foto: Frau am Arbeitsplatz mit Computer

Wo sind eigentlich die Frauen geblieben, die technische und naturwissenschaftliche Fächer studiert haben? Das fragte ich mich 2006, als beruflicher Wiedereinstieg noch kein großes öffentliches Thema war, berichtet die Personalberaterin Carmen Kraushaar aus München. In Unternehmen waren die Technikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen kaum zu finden. Über Frauennetzwerke gelang es Carmen Kraushaar mit Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Mathematikerinnen und Informatikerinnen Kontakt aufzunehmen. Viele hatten ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Familie aufgegeben. Nach jahrelanger Berufspause sahen die meisten kaum Chancen, in einen technischen Beruf zurückzukehren.

Fortbildung für MINT-Wiedereinsteigerinnen

Die engagierte Personalberaterin, die selbst lange Zeit als Führungskraft im IT-Bereich tätig war, beschloss zu helfen und suchte Kooperationspartnerinnen und -partner für ein besonderes Projekt: Gemeinsam mit Universitäten und Technischen Hochschulen bietet ihre [bpw]akademie, die Abkürzung steht für: Beruf – Potenzial – Wiedereinstieg, in unterschiedlichen Städten eine einwöchige Summer School (Sommer-Schule) an, die Frauen mit theoretischem Unterricht an einer Uni und Praxistagen in Unternehmen neue berufliche Perspektiven eröffnen soll. Wann und wo die nächste Summer School stattfinden wird, ist noch offen: Das hängt davon ab, wann die nötigen Kooperationen und die Finanzierung stehen. Denn die Teilnehmerinnen zahlen ausschließlich für Reise, Verpflegung und Unterbringung. Wer interessiert ist, beim nächsten Mal eventuell dabei zu sein, kann seine E-Mail-Adresse bei mir auf den Verteiler setzen lassen und erhält, wenn es soweit ist, eine Information. (Kontakt: carmen.kraushaar@bpw-akademie.de)

Technik: Ein Arbeitsfeld wird interdisziplinärer

Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sowie in der Informationstechnologie (IT) tut sich gerade enorm viel, schwärmt die Personalvermittlerin. Ich denke dabei zum Beispiel an Umwelt- und Energietechnik, an Roboter, die immer menschenähnlicher werden, an Konzepte wie 3D-Drucker oder Autos, die selbstständig fahren. An solchen Themen arbeiten heute interdisziplinäre Teams. Berufliche Vielfalt in den Arbeitsgruppen wird zunehmend als Wert erkannt, denn die Aufgabenstellungen sind komplex und erstrecken sich auf viele verschiedene Arbeitsfelder. Das verbessert auch die Chancen für berufliche Wiedereinsteigerinnen. Wichtig ist aus Sicht der Expertin, dass die Wiedereinstiegsinteressierten solides Grundwissen aus einem MINT-Studium (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) mitbrächten. Das sei die Basis, auf der sie aufbauen und sich aktuelles Wissen aneignen könnten.

Angebote nutzen, die den beruflichen Wiedereinstieg unterstützen

Inzwischen berichten die Medien viel über Angebote für Frauen, die in den Beruf zurückkehren möchten. Es ist Gott sei Dank kein Geheimwissen mehr, dass man sich Unterstützung für diesen nicht ganz einfachen Prozess holen kann und ich empfehle das sehr, sagt Carmen Kraushaar. Ihr liegt das berufliche Fortkommen von Frauen am Herzen: Frauen aus dem MINT-Bereich können sich gerne für einen kostenlosen Bewerbungsunterlagencheck per E-Mail bei mir melden. Es gäbe zahlreiche gute Einstiegsmöglichkeiten in MINT-Berufe: Frauen, die früher programmiert haben, können sich zum Beispiel als Softwaretesterin zu bewerben. Dabei geht es darum, bereits entwickelte Programme auf ihre Funktionalität hin zu überprüfen. Auch im Bereich der Anwendungs- und Systemberatung sieht die Expertin gute Chancen für einen beruflichen Neustart. 

Wiedereinsteigerinnen – fast noch ein „Geheimtipp“ für die Personalakquise

Als Personalberaterin hat Carmen Kraushaar viele Kontakte zu Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Vor allem die großen Unternehmen haben inzwischen den Wert der vielen gut ausgebildeten Wiedereinsteigerinnen erkannt. Sie wissen, dass es nach mehrjährigen Familienphasen nötig ist, Wissen zu aktualisieren, und haben passende Programme entwickelt, damit der berufliche Wiedereinstieg zum Erfolg wird, erklärt sie. Im Mittelstand, der die größte Anzahl an Arbeitsplätzen stellt, sieht es allerdings etwas anders aus: Viele Unternehmen haben sich mit der Frage, ob berufliche Wiedereinsteigerinnen eine Zielgruppe für ihre Personalakquise sein könnten, noch gar nicht beschäftigt.

Wer fragt, gewinnt

Wiedereinstiegsinteressierten macht Carmen Kraushaar Mut, ihr Vorhaben offensiv anzugehen. Nur wer fragt, bekommt Antwort", sagt sie. Zum Beispiel ist es eine Idee, die eigenen Bewerbungsunterlagen bei einem Personalberatungsunternehmen vorzulegen. Bewerberinnen und Bewerber erhalten dort eine aussagekräftige Rückmeldung dazu, die wertvoll für weitere Bewerbungen sein kann.

Links:

Carmen Kraushaar
Informationen auf der Website der QRC Group in München

Foto: pixelio.de Manfred Jahreis

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