Nachbericht: Fachtagung des Kompetenzzentrums zum Thema Haushaltsnahe Dienstleistungen

Mit einer großen Auftaktveranstaltung unter dem Titel „Cooking, Caring, Cleaning – Zukunftsperspektiven haushaltsnaher Dienstleistungen in Deutschland“ startete das Kompetenzzentrum Professionalisierung und Qualitätssicherung Haushaltsnaher Dienstleistungen (PQHD) an der Universität Gießen seine Vernetzungsarbeit. Eine Broschüre mit den Ergebnissen der Fachveranstaltung erschien im Dezember 2013.

Foto: Deckblatt der Dokumentation

Das Kompetenzzentrum Professionalisierung und Qualitätssicherung Haushaltsnaher Dienstleistungen (PQHD) an der Universität Gießen wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert und hat die Aufgabe, Wissen und Erfahrungen zur Professionalisierung „Haushaltsnaher Dienstleistungen“ zu bündeln, ausgesuchte Fragestellungen, etwa zur Qualifizierung und Weiterbildung, zu untersuchen, Dialoge anzustoßen und Veranstaltungen durchzuführen. Zur Tagung „Cooking, Caring, Cleaning – Zukunftsperspektiven haushaltsnaher Dienstleistungen in Deutschland“ erschien eine zirka 90-seitige Dokumentation, die Redebeiträge und Workshop-Ergebnisse zusammenfasst.

Ein großer Markt, der weiter wachsen kann

Professorin Uta Meier-Gräwe, die das PQHD leitet, befasste sich in ihrem Referat mit Wertschöpfungspotenzialen haushaltsnaher Dienstleistungen. Sie betonte unter anderem den großen Markt, den es dafür gibt. Der Begriff „Haushaltnahe Dienstleistungen“ fasst Leistungen für einen privaten Haushalt zusammen, die von Personen erbracht werden, die nicht zum Haushalt gehören. Sie können zum Beispiel mit Putzen, Kochen, Einkaufen sowie Hol- und Bringdiensten zum Beispiel für Kinder bzw. Ältere betraut sein. Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen könne weiter steigen, wenn die Angebote für interessierte Kundinnen und Kunden transparenter und die Dienstleistungen für sie bezahlbarer seien.

Das Image Haushaltsnaher Dienstleistungen muss sich wandeln

Thomas Fischer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend forderte in seinem Vortrag Von der Hausarbeit zur professionellen Dienstleistung einen Image-Wandel für Haushaltnahe Dienstleistungen. Weil diese Tätigkeiten sonst zumeist von Familienmitgliedern erbracht werden, die kein Geld dafür bekommen, gelten sie vielfach als vergleichsweise wertlos. Gleichzeitig stellen Kundinnen und Kunden hohe Ansprüche an die Dienstleisterin oder den Dienstleister. Leitbild sollte ein modernes Dienstleistungsverständnis sein und das Bild einer Dienstleistung verbreitet werden, die Ansprüche an soziale Kompetenzen und Verlässlichkeit stellt, sagte Thomas Fischer.

Qualifizierung trägt zur Professionalisierung der Tätigkeit bei

Martina Feulner von der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V. stellte in ihrem Vortrag Qualifizierung muss sein! den Lehrplan Qualifizierung für haushaltsbezogene Dienstleistungen vor. Er soll dazu beitragen, Qualitätsstandards für Haushaltsnahe Dienstleistungen zu formulieren und Menschen Anreize geben, sich in diesem Bereich weiterzubilden und tätig zu werden.

Sozialversicherungspflichte Beschäftigung schaffen

Heidi Holzhauser von der  Bundesagentur für Arbeit machte in ihrem Vortrag Haushaltsnahe Dienstleistungen – Motor für die Frauenerwerbstätigkeit deutlich, dass in diesem Sektor viele neue Arbeitsstellen entstehen könnten. Derzeit nutzen nämlich erst 16 Prozent aller Haushalte formale Haushaltnahe Dienstleistungen. Die Herausforderung bestehe darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dazu führen, dass sozialversicherungspflichte Beschäftigungsverhältnisse entstehen. Heidi Holzhauser sprach sich für die Einführung von staatlich oder von Unternehmen subventionierten Gutscheinen ein. Die Gutscheine könnten bestimmten Gruppen, zum Beispiel beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern, Alleinerziehenden oder Seniorinnen und Senioren vorbehalten sein. Außerdem sollten sie nur gelten, wenn damit Dienstleistungen von sozialversicherungs­pflichtigen Beschäftigten aus qualitätsgesicherten Dienstleistungsunternehmen in Anspruch genommen werden.

Gutscheinsystem in Belgien

Um ein solches Konzept ging es in einem der Tagungs-Workshops. Georg Wyrwoll von der Sodexo-Gruppe stellte beispielhaft das belgische Gutscheinmodell vor, mit dem es gelang, im Bereich der Haushaltsnahen Dienstleistungen ca. 80.000 sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen zu schaffen. Kundinnen und Kunden aus Privathaushalten in Belgien können sogenannten Service-Schecks bei zugelassenen Dienstleisterinnen und Dienstleistern gegen Haushaltnahe Dienstleistungen eintauschen. Der Wert eines Schecks beträgt 22,04 Euro. 13,54 Euro schießt der Staat zu, so dass der private Kunde bzw. die Kundin lediglich 8,50 Euro dafür zahlt. Darüber hinaus ist der Kaufpreis für Haushaltsnahe Dienstleistungen in Belgien zu 30 Prozent von der Steuer absetzbar. Würde dieses System auf Deutschland übertragen, ließen sich hierzulande ca. eine Million Beschäftigungsverhältnisse im Sektor der Haushaltsnahen Dienstleistungen schaffen, schätzte Georg Wyrwoll.

Qualität und Verlässlichkeit von familienunterstützenden Dienstleistungen seien jedoch wichtig für die Bereitschaft der potenziellen Kundinnen und Kunden, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und dafür einen angemessenen Preis zu zahlen, heißt es in der Tagungsdokumentation.

Links:

Kick-Off-Veranstaltung des Kompetenzzentrums „Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen (PQHD)“
Informationen und Tagungsdokumentation zum Download (s. rechte Spalte) auf der Website der Universität Gießen

Kompetenzzentrum Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen
Informationen auf der Website der Universität Gießen

Foto: PQHD

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