Managerinnen-Barometer 2020

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte in Höhe von 30 Prozent greift: In der Gruppe der Unternehmen, die in Deutschland seit 2016 an diese Quote gebunden sind, hat sich der Frauenanteil bis Ende des Jahres 2019 auf 35 Prozent erhöht. Das sind gut zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. In den DAX-Unternehmen lag der Frauenanteil in Aufsichtsräten durchschnittlich bei rund 31 Prozent. Geschlechterparität ist aber noch lange nicht erreicht. Doch verdichten sich die Hinweise darauf, dass gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte auch mehr Frauen in Vorständen nach sich zieht, das zeigt das Managerinnen-Barometer 2020 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Foto: Geschäftsfrau vor einer Gruppe Geschäftsmänner

Das DIW Managerinnen-Barometer beobachtet die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen durch Männer und Frauen. Seit 2006 wird dazu einmal jährlich die Zahl der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen ausgewertet. Später kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Unternehmen mit Bundesbeteiligung hinzu. Zusätzlich wird die Entwicklung im Finanzsektor erfasst, also bei den größten 100 Banken und Sparkassen sowie rund 60 Versicherungen. Des Weiteren wertet das DIW Berlin separat die Gruppe jener gut 100 Unternehmen aus, die seit 2016 unter die verbindliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte fallen. Katharina Wrohlich vom DIW Berlin und Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin haben erneut über 500 Unternehmen betrachtet und ausgewertet, inwieweit Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vertreten sind. Die Zahlen wurden im Herbst 2019 erhoben.

Die Frauenanteile in den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland sind im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen sind inzwischen 94 von 907 Vorstandsposten (10,4 Prozent) mit Frauen besetzt. Auch in den größeren börsennotierten Unternehmen und Unternehmen mit Bundesbeteiligung war die Entwicklung im Vorstand etwas höher als in den Jahren zuvor. Banken und Versicherungen konnten ebenfalls einen Zuwachs verzeichnen. In den Aufsichtsräten ging es im Vergleich zu den Vorständen langsamer voran, als in den Jahren zuvor. In den Aufsichtsräten der Top-200 Unternehmen bekleideten Frauen 28,2 Prozent der Mandate. Bei Banken und Versicherungen sank der Frauenanteil sogar. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten von Unternehmen mit Quotenbindung ist konstant höher als in vergleichbaren Unternehmen, für die die Quote nicht gilt.

Infografik: Frauenanteile in Top-200-Unternehmen in Prozent

Foto: Grafik

Grafik: DIW Berlin
Weitere Grafiken und Tabellen finden Interessierte im DIW-Wochenbericht Nr. 4 - 2020

„Trotz der zuletzt positiven Entwicklung in den Vorständen kann noch keine Rede davon sein, dass in sämtlichen Chefetagen das Umdenken begonnen hätte. Bei genauerem Hinsehen vollzieht sich die Entwicklung in den Chefetagen nach wie vor auf einem extrem niedrigen Niveau, vor allem, wenn man mehrjährige Zeiträume betrachtet. Geschlechterparität in den Vorständen der größten Unternehmen in Deutschland ist nach wie vor in weiter Ferne“, so Dr. Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin in einer Pressemitteilung des DIW.

Positiv bewerten die Autorinnen, dass der Softwarekonzern SAP (DAX-30-Unternehmen) eine Frau (Jennifer Morgan) an seine Vorstandsspitze berufen hat. Außerhalb der Unternehmenswelt schafften es Ursula von der Leyen als neue EU-Kommissionspräsidentin und Christine Lagarde als neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank ganz nach oben.

Einfluss auf Personalentscheidungen ausschöpfen

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin wurden Interviews mit insgesamt 60 Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräten geführt und ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass Aufsichtsratsmitglieder in vielerlei Hinsicht die Besetzung von Vorstandsposten beeinflussen können, da sie an Personalentscheidungen beteiligt sind bzw. Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorständen festlegen. „Vielerorts schöpfen Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte ihre Möglichkeiten aber (noch) nicht vollends aus. Weiterer politischer und gesellschaftlicher Druck könnte ihnen den Rücken stärken und sie zu weitergehenden Maßnahmen ermuntern“, so Anja Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Personalpolitik an der Freien Universität Berlin.

Arbeitsorganisation für Führungskräfte neu gestalten

Nach Ansicht der Autorinnen sind neue Formen der Arbeitsorganisation, die eine bessere Vereinbarkeit von Führungspositionen mit anderen Verpflichtungen ermöglichen, notwendig, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen nachhaltig zu erhöhen. Unternehmen sollten hier ansetzen und Maßnahmen ergreifen, um den aktuellen und zukünftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu sichern. 

Links:

DIW - Managerinnen-Barometer 2020

DIW - Weg zur Geschlechterparität in Spitzenpositionen ist nach wie vor weit: Interview mit Dr. Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics

Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen
Website des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? – Abonnieren Sie den RSS-Feed und erhalten Sie eine Nachricht, wenn ein neuer Artikel auf perspektive-wiedereinstieg.de erscheint.

Foto: fotolia.de / Rido

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang