Managerinnen-Barometer 2019

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte in Höhe von 30 Prozent greift: In den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland ist der Frauenanteil in den Kontrollgremien im Jahr 2018 auf knapp 27 Prozent gestiegen, in den 100 größten Unternehmen ging es rund drei Prozentpunkte auf gut 28 Prozent nach oben. In den Vorständen ist der Frauenanteil allerdings weiter gering. DIW Managerinnen-Barometer analysiert jährlich die Frauenanteile in Vorständen und Aufsichtsräten von über 500 großen Unternehmen in Deutschland.

Foto: Geschäftsfrau vor einer Gruppe Geschäftsmänner

Das DIW Managerinnen-Barometer beobachtet die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen durch Männer und Frauen. Seit 2006 wird dazu einmal jährlich die Zahl der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen ausgewertet. Später kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Unternehmen mit Bundesbeteiligung hinzu. Zusätzlich wird die Entwicklung im Finanzsektor erfasst, also bei den größten 100 Banken und Sparkassen sowie rund 60 Versicherungen. Des Weiteren wertet das DIW Berlin separat die Gruppe jener gut 100 Unternehmen aus, die seit 2016 unter die verbindliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte fallen.

"Viele Unternehmen sind auf einem guten Weg, wenn es um mehr Frauen in Aufsichtsräten geht – andererseits tun die meisten jedoch nicht mehr als nötig", so Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies. Katharina Wrohlich, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Studies am DIW Berlin, ergänzt: "Auffällig ist, dass die verbindliche Geschlechterquote zumindest kurzfristig keine Strahlkraft auf die Vorstandsebene ausübt – diese bleiben Männerdomänen." Der Frauenanteil in den Vorständen der Unternehmen, die an die Quote gebunden sind, lag Ende 2018 laut Managerinnenbarometer bei gerade einmal 8,5 Prozent, die Top-100-Unternehmen haben im vergangenen Jahr zwar erstmals die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Besonderen Aufholbedarf besteht laut den Autorinnen nach wie vor bei Banken und Versicherungen. In den Vorständen blieb und der Frauenanteil unterhalb von zehn Prozent, auch der Frauenanteil in den Aufsichtsräten sei bei 23 Prozent ins Stocken geraten.

Unternehmen sollten sich ambitionierte Ziele für mehr Frauen in Führungspositionen setzen

"Die Wirtschaft hat es selbst in der Hand", so Holst. "Solange sich jedoch viele große Unternehmen bewusst eine Zielgröße von null Frauen im Vorstand setzen, erscheint der Wille und die Kraft zu ambitionierten, nachhaltigen und freiwilligen Fortschritten mehr als fraglich."  Eine wichtige Voraussetzung wäre nach Ansicht der Autorinnen, konsequent alle Hierarchieebenen, gerade auch unterhalb des Vorstands, stärker mit Frauen zu besetzen und die Arbeitsstrukturen für Führungskräfte zu flexibilisieren. So könne der Pool potentieller Vorständinnen vergrößert werden.

Das Managerinnen-Barometer im DIW Wochenbericht 3/2019 und das Interview mit Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin, können als PDF unter dem folgenden Link heruntergeladen werden.

Links:

DIW Wochenbericht 3/2019 und Interview mit Elke Holst

Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen
Website des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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