Managerinnen-Barometer 2017: Geschlechterquote zeigt erste Wirkung in den Aufsichtsräten großer Unternehmen

Eine gleichberechtigte Verteilung der Verantwortung zwischen Frauen und Männern in den Spitzengremien der deutschen Wirtschaft ist zwar noch nicht erreicht, allerdings zeigt die seit Januar 2016 verbindliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte in Deutschland eine erste Wirkung. In den Unternehmen, die unter die Quotenregelung fallen, beträgt der Anteil von Frauen in den Kontrollgremien inzwischen mehr als 27 Prozent, das sind gut vier Prozentpunkte mehr als 2015. Auch in den anderen Unternehmensgruppen stieg der Anteil der Frauen in Aufsichtsräten. Dagegen ist die Dynamik bei der Vergabe von Vorstandsposten an Frauen nach wie vor sehr schwach. Das zeigt das aktuelle Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Foto: Geschäftsfrau vor einer Gruppe Geschäftsmänner

Seit 2006 wertet das DIW Berlin einmal jährlich den Anteil von Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen aus. Später kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen des Bundes hinzu. Außerdem wird auch die Entwicklung des Frauenanteils in den Spitzengremien bei den 100 größten Banken sowie Sparkassen und den knapp 60 größten Versicherungen erfasst. Zusammengenommen handelt es sich um die Leitungs- und Überwachungsorgane von über 500 börsennotierten, privaten, öffentlichen und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland.

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte zeigt eine erste Wirkung, sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin. Dass Frauen und Männer gleich stark in Spitzengremien vertreten sind, ist aber nach wie vor in weiter Ferne. Vor allem die Vorstände bleiben eine Männerdomäne. Ginge es so weiter wie in den vergangenen Jahren, würde es in den Top-200-Unternehmen den DIW-Berechnungen zufolge noch mehr als 60 Jahre dauern, bis genauso viele Frauen wie Männer eine Vorstandsposition inne haben. In den Aufsichtsräten wäre eine Gleichverteilung der Posten immerhin in 18 Jahren geschafft. Das ist eine gefühlte Ewigkeit und dürfte trotzdem noch viel zu optimistisch sein, erklärt Katharina Wrohlich, die gemeinsam mit Elke Holst die Studie verfasst hat.

Auf dem Weg zur geforderten 30-Prozent-Geschlechterquote in den Aufsichtsräten

Ende des Jahres 2016 lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen im Durchschnitt bei gut acht Prozent. In den Aufsichtsräten der insgesamt 500 berücksichtigten Unternehmen stieg der Frauenanteil um knapp drei Prozentpunkte auf fast 23 Prozent. In der Vergangenheit waren Frauen in Aufsichtsräten überwiegend auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tätig. Mittlerweile entsendet auch die Kapitalseite zunehmend Frauen in diese Kontrollgremien. Auch wenn viele der insgesamt über 500 betrachteten Unternehmen noch weit von einer paritätischen Besetzung in den Spitzengremien entfernt sind, hat in allen Unternehmensgruppen ein nicht unerheblicher Teil bereits 30 Prozent Frauen oder mehr im Aufsichtsrat. Etwa die Hälfte (rund 47 Prozent) der einer verbindlichen Geschlechterquote unterliegenden Unternehmen verzeichneten 2016 mindestens 30 Prozent Frauenanteil in ihren Aufsichtsräten. Am besten sieht es diesbezüglich in der Gruppe der DAX-30-Unternehmen aus, in denen ca. 60 Prozent der Unternehmen diese Schwelle bereits heute erreicht haben.

Finanzsektor: Versicherungen überholen Banken

In den Aufsichts- und Verwaltungsräten der Banken blieb der Frauenanteil im Jahr 2016 unverändert bei gut 21 Prozent. Bei den Versicherungen stieg der Anteil um immerhin drei Prozentpunkte auf etwas mehr als 22 Prozent. Damit konnten die Versicherungen die Banken erstmals überholen. Bei der Besetzung von Vorständen konnte keine der untersuchten Unternehmensgruppen die Zehn-Prozent-Marke erreichen: Die Banken kommen auf einen Frauenanteil von gut acht Prozent. Die Versicherungen verfehlen die Zehn-Prozent-Marke knapp.

Ansatzpunkte für mehr Frauen in Spitzengremien

Der Handlungsbedarf bleibt aus Sicht der Autorinnen unverändert hoch. Die seit dem 1. Januar 2016 geltende Quotenregelung, nach der insgesamt ca. 3.500 Unternehmen verpflichtet sind, sich Zielgrößen für einen höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und den obersten Managementebenen zu setzen, reiche allein nicht aus.

Flankierende Maßnahmen, etwa in der Familienpolitik, sollten die Karrierechancen von Frauen weiter verbessern, erklären die Autorinnen. So könnten eine Ausweitung der sogenannten Partnermonate beim Elterngeld oder neue Leistungen im Rahmen einer Familienarbeitszeit Anreize schaffen, so dass sich Männer noch stärker an der Kindererziehung oder Pflege Angehöriger beteiligen. Solche Maßnahmen würden erstens gegen vorherrschende Geschlechterstereotype wirken und zweitens Frauen während der Vorbereitung auf den Sprung in Spitzenpositionen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, so Katharina Wrohlich.

Eine moderne Unternehmenskultur verschafft im steigenden Wettbewerb um hochqualifizierte Talente wichtige Vorteile. Ein Nicht-Ausschöpfen des Potentials der Beschäftigten, etwa aufgrund von Vorurteilen und Geschlechterstereotypen, führt zu höheren Kosten und einer geringeren Produktivität und schwächt letztlich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Maßnahmen, die den Frauenanteil erhöhen, sollten somit im ureigenen Interesse der Unternehmen sein, erklärt Elke Holst.

Links:

DIW Managerinnen-Barometer 2017: Geschlechterquote zeigt erste Wirkung in Aufsichtsräten, Vorstände bleiben Männerdomänen
Pressemitteilung vom 11.01.2017

Managerinnen- Barometer 2017
DIW Wochenbericht 1+2/2017

Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen
Website des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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