Frauen in Führungspositionen

Top-Managerinnen sind in Deutschland nach wie vor in der Minderheit. Gerade einmal drei Prozent der Vorstände in den Top-200-Unternehmen waren 2011 weiblich. Perspektive-wiedereinstieg.de fasst Informationen aus unterschiedlichen Studien zusammen, die für Unternehmen eine Handlungsgrundlage bieten, um notwendige Veränderungen in diesem Bereich einzuleiten.

Foto: Frau im Seminarraum vor einer Personengruppe

Frauen in Deutschland sind sehr gut qualifiziert. Sie stellen mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Jeder zweite betriebswirtschaftliche Abschluss wird von einer Frau gemacht. Trotzdem ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen nach wie vor relativ gering: In hohen Positionen sind sie noch seltener vertreten als auf Abteilungs- und Teamleitungsebene. Mit wachsender Betriebsgröße nimmt der Anteil weiblicher Führungskräfte ab, konstatiert etwa der Beitrag zur Arbeitsmarktberichterstattung des Statistischen Bundesamtes „Frauen in Führungspositionen“ vom Mai 2011.

Um die Situation der Frauen in börsennotierten Konzernen zu erfassen, fragten Mitglieder des Deutschen Juristinnenbunds (djb) 2011 auf 75 Hauptversammlungen nach und dokumentierten ihre Ergebnisse in der Broschüre „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2011“, herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es zeigt sich: Der Frauenanteil der Gesamtbelegschaft bildet sich in den 30 DAX-Unternehmen und den 45 befragten TecDAX- und MDAX-Unternehmen nicht ab. Das bestätigt auch das DIW-Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin: Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Vorständen großer Unternehmen und Banken in Deutschland 2011 kaum verändert. Nach dieser Studie haben von den 100 größten Unternehmen knapp 90 Prozent nicht eine einzige Frau im Vorstand. In den DAX30-Unternehmen nahm der Frauenanteil 2011 gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Punkte auf 3,7 Prozent zu. In den Aufsichtsräten der Top-200-Unternehmen stieg der Frauenanteil leicht von 10,6 Prozent im Vorjahr auf 11,9 Prozent. Für die Zukunft haben sich die vom djb befragten Unternehmen aber einiges vorgenommen: Die Mehrheit der Unternehmen formuliert Ziele für den Anteil von Frauen im Aufsichtsrat – bis 30 Prozent und überwiegend innerhalb der nächsten beiden Wahlperioden. Allerdings werden für den Vorstand - auch auf Nachfrage - mündlich kaum derartige Ziele geäußert.

In der Studie „Frauen in Führungspositionen – Barrieren und Brücken“ hatte das Sinus-Institut bereits im Jahr 2010 die Lebensumstände männlicher und weiblicher Führungskräfte in den Blick genommen. Demnach sind Dreiviertel der Männer mit Führungsverantwortung verheiratete Väter. Frauen in Führungspositionen lebten viel häufiger andere Modelle – nur gut die Hälfte sei verheiratet, knapp ein Drittel lebe nicht in einer festen Partnerschaft. Allerdings haben immerhin 56 Prozent der befragten Führungsfrauen Kinder. Das heißt: Kinder haben und eine berufliche Führungsposition einnehmen, sind keine sich ausschließenden Alternativen, aber eine deutliche Herausforderung. Um die Vereinbarkeit von Führungsaufgaben und Familie zu ermöglichen, fordern die Autorinnen der Broschüre „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2011“ ein radikales Umdenken.

Mitautorin Helga Lukoschat, Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF), macht etwa folgenden Vorschlag: Führungskräfte könnten zwischendurch eine Expertenfunktion wahrnehmen und Personalverantwortung zeitlich begrenzt aufgeben oder reduzieren, wenn damit eine höhere Flexibilität in Arbeitszeit und -ort und/oder eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit erreicht werden kann. Dadurch ließe sich das Risiko verringern, dass Phasen intensiver Kinderbetreuung oder Pflege dauerhaft Karrierenachteile nach sich ziehen, heißt es in der Studie.

Auch die vom Bundesfamilienministerium geförderte Initiative „Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden“ der Fraunhofer-Gesellschaft kommt zu dem Ergebnis, dass für mehr Frauen in Führungspositionen ein Wandel der Unternehmenskultur notwendig ist. Die Initiative zeigt etwa, dass alle am Projekt beteiligten Unternehmen eine Leistungskultur leben, die durch starke Präsenz- und Erreichbarkeitserwartungen geprägt ist. Familiär begründete Unterbrechungen, zum Beispiel eine Schwangerschaft, können für Frauen dann zu Karrierehemmnissen werden. Ziel ist es deshalb, in den Unternehmen passende Rahmenbedingungen für Frauen in Führungspositionen zu schaffen.

Dass sich die Anstrengungen von Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, auch wirtschaftlich lohnen können, zeigt die Studie „Frauen in Führungspositionen – Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg“,  die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums vom Karlsruher Institut für Technologie durchgeführt wurde. Sie belegt einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und der wirtschaftlichen Unternehmensentwicklung  deutscher großer Aktiengesellschaften. Zwar ließ sich für Deutschland ein statistisch signifikanter positiver Effekt des Anteils von Frauen in Aufsichtsräten auf den Unternehmenserfolg nicht für alle Unternehmen nachweisen. Allerdings konnte der Effekt konkret für Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil unter den Gesamtbeschäftigten und für Unternehmen, die ihre Produkte und Leistungen vorwiegend an private Kundinnen und Kunden verkaufen, nachgewiesen werden.

Links:

Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2011
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

DIW-Managerinnen-Barometer
DIW Wochenbericht Nr. 3.2012

Frauen in Führungspositionen - Barrieren und Brücken
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010

Frauen in Führungspositionen - Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg bei deutschen Unternehmen
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Foto: stockfreeimages.com / Duey

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