Fachkräfte gesucht – Engpassberufe bieten Perspektiven am Arbeitsmarkt

Im April 2015 gab es nach Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) insgesamt 155 Engpassberufe, in denen die Zahl der Arbeitslosen nicht ausreicht, um offene Stellen zu besetzen. Besonders betroffen sind männer- bzw. frauentypische Berufe. Perspektive-wiedereinstieg.de stellt die vom IW herausgegebene Liste mit den betroffenen Engpassberufen zur Verfügung und lädt dazu ein, sich von der Vielfalt der Möglichkeiten anregen zu lassen. Unter Umständen könnten sich daraus (neue) Perspektiven für den beruflichen Wiedereinstieg ergeben.

Foto: Kind steht vor Wand mit der Aufschrift "Fachkräfte gesucht"

Das Gutachten „Fachkräfteengpässe in Unternehmen: Geschlechterunterschiede in Engpassberufen“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, stellt fest, dass 2015 in fast jedem sechsten Beruf (96 aus 619) anhaltend - d.h. mehrere Jahre in Folge - Fachkräfte fehlen.

Die Analyse in Bezug auf Geschlechterunterschiede zeigt, dass vorwiegend Berufe von Fachkräfteengpässen betroffen sind, die als männer- bzw. frauentypisch gelten: Das sind 64 Berufe zum Beispiel im Maschinenbau, in der Informatik oder Elektrotechnik bzw. 17 Berufe aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung. Lediglich 15 der Engpassberufe weisen einen vergleichsweise ausgeglichenen Frauen- und Männeranteil auf.

Erwerbsbeteiligung in frauen- bzw. männertypischen Berufen und daraus folgende Strategien für die Fachkräftegewinnung

Besonders in den von Frauen geprägten Berufsfeldern ist der Anteil an Teilzeitbeschäftigten hoch. Im Bereich Gesundheit, Soziales und Bildung arbeiten 54 Prozent der Frauen mit reduziertem Stundenvolumen. Interessant ist, dass auch der Anteil an teilzeitbeschäftigten Männern in diesem Berufsfeld mit 28 Prozent verhältnismäßig ausgeprägt ist. Hier würden die Engpässe deutlich reduziert werden, wenn nur ein Teil der Teilzeitbeschäftigten ihre Arbeitszeit aufstocken wollten oder könnten. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinderbetreuung an Kindertagesstätten und Schulen weiter ausgebaut wird, um vor allem Müttern die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeitszeit auszuweiten, oder für Frauen und Männer nach einer Familien- bzw. Pflegephase den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern. Auch die Gewinnung von mehr Männern für diese Berufe bietet ein Potenzial zur Überwindung der Fachkräfteengpässe.

Betrachtet man die vor allem von Männern ausgeübten naturwissenschaftlich-technischen Berufe, ist festzustellen, dass die Beschäftigten fast ausschließlich in Vollzeit arbeiten. Es wird deutlich, dass eine Erhöhung der Arbeitszeitvolumen der Beschäftigten in diesen Berufen keine Strategie im Rahmen der Fachkräftesicherung darstellt. Unternehmen sollten hier verstärkt weibliche Fach- und Nachwuchskräfte anwerben, um offene Stellen zu besetzen, empfiehlt der Autor der Studie, Sebastian Bußmann. Durch flexible Arbeitszeitmodelle und andere familienbewusste Maßnahmen ließen sich Anreize für Frauen schaffen, diese eher männertypischen Berufsfelder zu wählen.

Attraktive Chancen für den beruflichen Wiedereinstieg

Für diejenigen, die gerade den beruflichen Wiedereinstieg planen, können die Ergebnisse der IW-Studie nützlich sein. In welchen Engpassberufen bieten sich aktuell gute Chancen für Arbeitssuchende?

Die folgende Tabelle ermöglicht einen Überblick über die Vielfalt der Engpassberufe mit Angaben zu den dafür notwendigen Qualifikationen, der Engpassrelation (Arbeitslose pro gemeldeter, offener Stelle) und dem Frauenanteil in Prozent. Mit einem Klick auf die Überschrift einer Spalte, lässt sich die Tabelle alphabetisch oder numerisch sortieren. So können sich am Wiedereinstieg Interessierte die Berufe in unterschiedlichen Rankings anzeigen lassen und auch neue, bisher vielleicht wenig beachtete Tätigkeitsoptionen in den Fokus nehmen, die ihnen größtmögliche Chancen für die Berufsrückkehr bieten. Wer mehr über die entsprechenden Berufsbilder erfahren möchte, findet Wissenswertes auf der Internetseite BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit, die über 3.000 Berufe präsentiert und Informationen zu den Themen Aus- und Weiterbildung, Studium sowie zur Tätigkeit umfassend zur Verfügung stellt.

Mögliche Wege zum (neuen) Wunschberuf

Je nach individueller Ausgangssituation kann zum Beispiel eine der folgenden Vorgehensweisen zielführend sein, in einen Engpassberuf (wieder-)einzusteigen:

  • Situation 1 Ich verfüge über eine Ausbildung bzw. Fortbildung in einem der Engpassberufe und möchte zeitnah nach einer geeigneten Stelle suchen:
    Folgendes Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit bietet Unterstützung bei der Stellensuche: „BEN – BerufsentwicklungsNavigator“ inklusive besonderen Informationen für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger
  • Situation 2 Einer der Engpassberufe stimmt teilweise mit meinen Qualifikationen überein:
    Zunächst kann es hilfreich sein, die eigenen Kompetenzen zu erfassen und mit den geforderten Qualifikationen des angestrebten Berufes abzugleichen. In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob Teilqualifizierungen in diesem Berufssegment möglich sind, und zu entscheiden, ob der Aufwand zeitlich und finanziell mit dem gewünschten Wiedereinstiegsprozess zu vereinbaren ist. Hier kann eine persönliche Beratung beispielsweise bei der örtlichen Arbeitsagentur bzw. dem Jobcenter hilfreich sein. Weitere Informationen: "Kompetenzprofil erstellen: Beratung kann helfen"
  • Situation 3 Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung und arbeite derzeit in einem Minijob. Wie kann ich von den Chancen in den Engpassberufen profitieren?:
    Es bestehen zwei Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln und unter Umständen den Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln. Entweder hat der aktuelle Arbeitgeber bzw. die derzeitige Arbeitgeberin das Interesse und die Möglichkeit, die Minijobberin bzw. den Minijobber zu qualifizieren. Hier kann der Betrieb unter Umständen Fördermöglichkeiten nutzen und sich darüber beim Arbeitgeberservice der örtlichen Arbeitsagentur informieren. Kommt eine Weiterqualifizierung im Betrieb nicht in Frage, kann überprüft werden, ob eine (Teilzeit-)Ausbildung in einem der Engpassberufe möglich und zielführend ist. Weitere Informationen sind zu finden unter: Erstausbildung für Erwachsene ab 25 Jahren

Individuelle Begleitung im Wiedereinstiegsprozess

Bundesweit unterstützen Expertinnen und Experten im Rahmen des aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit an 23 Standorten mit Aktivierungs-, Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Eine Übersicht der Standorte finden Interessierte hier und weiterer Beratungsstellen in der Beratungsstellendatenbank.

Links:

Fachkräfteengpässe in Unternehmen: Geschlechterunterschiede in Engpassberufen
Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e. V, 2015

Fachkräfteengpässe: „Männerberufe“ sind häufiger betroffen
Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Pressemitteilungen Nr. 39 vom 13. Juli 2015

BERUFENET
Internetportal der Bundesagentur für Arbeit

BEN – BerufsentwicklungsNavigator
Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit

JOBBÖRSE
Website der Bundesagentur für Arbeit

Erstausbildung für Erwachsene ab 25 Jahren
Informationen der Bundesagentur für Arbeit

perspektive-wiedereinstieg.de:

ESF-Standorte

Unterstützt beim Wiedereinstieg: der Online-Berufsentwicklungsnavigator BEN

JOBBÖRSE: Stellensuche und Bewerbungen selbst verwalten

Kompetenzprofil erstellen: Beratung kann helfen

Kompetenzen selbst ermitteln

Checkliste: Individuelle Rahmenbedingungen klären, die passende Weiterbildung wählen

Weiterbildung: Förderung für Beschäftigte

FAQ: Teilzeitausbildung

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