Drei spannende Geschichten über den Quereinstieg in den Erzieherinnen- bzw. Erzieherberuf

Perspektive-wiedereinstieg.de stellt zwei Frauen und einen Mann vor, die zunächst in anderen Bereichen beruflich tätig waren und jetzt eine praxis­integrierte Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher absolvieren.

Kita-Kinder

Die Ausbildung zur Erzieherin zu beginnen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, sagt die 46-jährige Dorothea Glauber (Name von der Redaktion geändert). Sie lernt im zweiten Ausbildungsjahr an der Freien Dualen Fachschule für Pädagogik in Karlsruhe und absolviert ihre Praxisphasen in einer Kita in der Nähe ihres Wohnorts. Dorothea Glauber macht eine vergütete, sogenannte praxisinte­grierte Ausbildung. Während der dreijährigen Ausbildungszeit wechseln sich Theoriephasen in der Schule mit Praxisphasen in der Kita ab. Durch die neue Form der Ausbildung hier im Südwesten gibt es von Anfang an ein Ausbildungsgehalt. Das hat mir die Entscheidung, in meinem Alter beruflich noch einmal neu durchzustarten und meinen lang gehegten beruflichen Traum zu verwirklichen, erleichtert, berichtet Dorothea Glauber.

Ich bin meinem Berufstraum treu geblieben

Dorothea Glauber wusste schon immer, dass sie beruflich mit Kindern arbeiten wollte. Doch ihr Lebensweg nahm zunächst andere Wendungen: Sie stammt aus Polen, heiratete jung und kam zusammen mit ihrem Mann nach Deutschland. Das Paar bekam zwei Kinder und Dorothea Glauber stellte ihre beruflichen Pläne zunächst zurück. Als die Kinder im Kindergarten waren, habe ich mich an einer Fachschule beworben, um Erzieherin zu werden. Leider bin ich damals nicht angenommen worden, erinnert sie sich. Sie probierte unterschiedliche Arbeits­felder aus und war schließlich insgesamt elf Jahre als Bürokraft tätig. Den Gedanken an eine Ausbildung zur Erzieherin hatte ich aber immer im Hinterkopf. Durch die neue vergütete Ausbildungsform taten sich unerwartete Möglichkeiten auf, und meine Familie hat mir zugeraten, das Projekt anzugehen. Zunächst habe ich mich über die Voraussetzung informiert und ein Praktikum gemacht. Danach war ich mir sicher: Erzieherin ist mein Beruf! Dorothea Glauber bestand das Gruppenaus­wahlverfahren an der Fachschule und startete ihre Bildungsreise, wie sie sagt. Ihre erste Besorgnis, wie sie sich nach so langer Zeit wieder in eine Lernsituation sowie in ein Kita-Team mit sehr viel jüngeren Menschen einfinden würde, verflog schnell. Sowohl in der Fachschule als auch in der Kita klappt es wunderbar. Ich fühle mich so akzeptiert, wie ich bin, sagt sie. Meine Lebenserfahrung kommt mir in vielen Kita-Situationen zugute. Ich bin inzwischen viel gelassener als ich es früher war. Ich kann mich gut auf die Kinder einlassen und ihnen den nötigen Raum geben, Dinge auszuprobieren und die Welt zu erkunden.

Ich kann als Erzieherin auch das Wissen aus meinen ersten Beruf einbringen

Auch ihre Mit-Fachschülerin Ursula Fuchs kann langjährige Erfahrungen in ihren neuen Beruf als Erzieherin einbringen. Die 52-jährige Mutter von drei Kindern berichtet: Ich habe Industriekauffrau gelernt, weil es sich so ergeben hat. Mein Traumberuf war das nie. Trotzdem war ich all die Jahre über in diesem Bereich tätig und fragte mich, ob ich nun, da die Kinder erwachsen sind, eventuell noch eine Weiterbildung zur Finanzbuchhalterin machen sollte. Doch mein Herz schlägt eigentlich für die pädagogische Arbeit. Jahrelang habe ich mich als Jugendbegleiterin in Schulen – zumeist ehrenamtlich – engagiert. Außerdem war ich in unserem Betrieb als Ausbilderin für den Nachwuchs zuständig, sagt Ursula Fuchs. Ich beriet mich mit meiner Familie, die mich ermutigte, mich beruflich neu zu orientieren. Bei meiner Recherche im Internet stieß ich auf das pädagogische Konzept element-i. Das hat mich sehr angesprochen, und ich habe mich auf eine Stellenausschreibung des Trägers beworben. Ich wurde zwar nicht genommen, weil ich keinen Abschluss als Erzieherin vorweisen konnte, aber auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, mich an der Freien Dualen Fachschule für Pädagogik ausbilden zu lassen, berichtet sie. Ich habe diese Chance ergriffen und die Entscheidung bislang noch keinen Moment bereut. Als Erzieherin kann ich meine Fähigkeiten im Umgang mit Menschen einbringen. Aber auch mein logisch-mathematisches Wissen ist gefragt, wenn es darum geht, Kinder an diese Themen heranzuführen.

Mein Ziel: eine eigene Waldkita

Michael Johann Bauer (35) ist Diplom-Forstwirt und ebenfalls Schüler an der Freien Dualen Fachschule für Pädagogik. Für ihn ist die Ausbildung ein logischer Schritt auf dem Weg zu seinem langfristigen Ziel: Er möchte eine eigene Waldkita eröffnen und leiten. Ursprünglich wollte ich mal ganz klassisch Revierförster werden. Als ich dann allerdings Vegetarier wurde und keine Tiere schießen mochte, passte das nicht mehr, berichtet er. Nach dem Studium arbeitete er in einer Umweltbildungsstätte und betreute Schulklassen bei Exkursionen in die Natur. Das ist zwar eine schöne Tätigkeit. Auf die Dauer hatte ich jedoch den Wunsch, Kinder nachhaltig in ihrer Entwicklung zu fördern. Während eines Volontariats in einem Kinderhospiz in Guatemala merkte er, wie sehr es im liegt, mit jüngeren Kindern zu arbeiten. Zuhause bewarb er sich daher bei einer Kita mit Waldgruppe in Karlsruhe und erhielt das Angebot, dort als Zweitkraft zu arbeiten. Das bot mir jedoch keine längerfristige Perspektive. Ich machte mich daher zunächst als Wald- und Erlebnispädagoge selbstständig und arbeitete mit Erwachsenen. Erst die Möglichkeit, eine vergütete praxisintegrierte Ausbildung zu machen, versetzte mich in die Lage, an meine Idee, Erzieher zu werden, anzuknüpfen. Natürlich absolviere ich meinen Praxisteil in der Karlsruher Kita mit Waldgruppe. Wald ist einfach mein Thema.

Das Lernen in der Fachschule fällt ihm leicht. Ein sehr freies Lernkonzept, das Präsenzveranstaltungen, Projekt- und Gruppenarbeit sowie Selbststudium ver­bindet und das Internet als Lernplattform einbezieht, kommt ihm entgegen. Die Arbeit mit den Kindern genießt Michael Johann Bauer: Ich habe mich zum Beispiel um einen Jungen, der in der Gruppe kaum Anschluss finden konnte, besonders intensiv gekümmert und ihn erfolgreich dabei unterstützt, seine Schwierigkeiten zu überwinden. Solche Prozesse begleiten zu können, war immer mein Wunsch. Hier spüre ich, wie wirkungsvoll meine Arbeit ist.

Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind eine Bereicherung für Kitas

Eva Lang, Leiterin der Freien Dualen Fachschule für Pädagogik, betont, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit ihren Erfahrungen aus anderweitiger Berufstätigkeit und ihrer Lebenserfahrung neues Wissen in den Kita-Alltag einbringen, denn Kindertagesstätten hätten einen umfassenden Bildungsauftrag: Er beinhaltet ein breites Themenspektrum: Sprache, Musik, Kunst, Naturwissenschaft und Technik bis hin zu Bewegung und Ernährung. Bislang dominieren in diesem Beruf jedoch Fachkräfte, deren besondere Begabung im musisch-kreativen Bereich liegt. Wenn wir die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher mit anderen Themenvorlieben erhöhen, tragen wir dazu bei, dass die Mädchen und Jungen vielfältigere Anregungen bekommen und damit die Bildungsqualität in den Einrichtungen steigt. Außerdem steigt so die Vielfalt an Vorbildern durch ganz unterschiedliche Menschen.

Links:

Freie Duale Fachschule für Pädagogik

Foto: Konzept-e / Perper

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang