Beruflicher Wiedereinstieg in die Gesundheitswirtschaft

Der Gesundheitssektor als Wachstumsmarkt bietet grundsätzlich ein aussichtsreiches Beschäftigungsfeld für Berufsrückkehrende. Seit einigen Jahren entstehen zunehmend neue Tätigkeitsfelder und Arbeitsplätze - auch für Branchenfremde mit niedrigschwelligen Assistenzqualifikationen. Die Ergebnisse des Projektes „WIEGE – Perspektiven für Wiedereinsteigerinnen in der Gesundheitswirtschaft“ machen deutlich, welche neuen Beschäftigungsperspektiven sich für die Zielgruppe in der Gesundheitswirtschaft eröffnen.

Foto: Krankenschwester und Patientin

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichnet das Gesundheitswesen seit dem Jahr 2001 eine stetige Zunahme der Beschäftigtenzahlen. Aufgrund des demografischen Wandels, der steigenden Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -diensten sowie des medizinisch-technischen Fortschritts gilt dieser Sektor als aussichtsreiches Beschäftigungsfeld der Zukunft. Prognosen gehen davon aus, dass sich bis zum Jahr 2020 die Zahl der Arbeitsplätze um ca. eine Million erhöhen könnte. Die Branche ist derzeit durch einen hohen Anteil (durchschnittlich 75 Prozent) an Frauenerwerbstätigkeit, Teilzeitbeschäftigung und in wachsendem Maße auch durch geringfügige Beschäftigung gekennzeichnet. Das bringt Chancen, aber auch Risiken für den beruflichen Wiedereinstieg in diesem Feld mit sich. Das Projekt  „WIEGE – Perspektiven für Wiedereinsteigerinnen in der Gesundheitswirtschaft“ im Auftrag der “Landesinitiative Netzwerk W” ermittelte Perspektiven für Wiedereinsteigerinnen in der Gesundheitswirtschaft in der Region mittleres Ruhrgebiet (hier: Stadt Bochum und Stadt Herne) und leitete daraus auch weiterführende Ergebnisse ab.

Neue Arbeits- und Tätigkeitsfelder entstehen

Das seit Juni 2008 in Kraft getretene Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes (PfWG) hat die gesetzliche Grundlage für die Beschäftigung zusätzlicher Betreuungskräfte oder auch Alltagsbegleiterinnen und -begleiter geschaffen. Mit dem Ziel der besseren Betreuung von Demenzkranken in Pflegeheimen übernehmen Pflegekassen hier zum Beispiel unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für eine zusätzliche Kraft. Diese Betreuungskräfte haben die Aufgabe, sich um die Alltagsbewältigung und Freizeitgestaltung insbesondere von an Demenz erkrankten Menschen in Altenhilfeeinrichtungen zu kümmern. Dies umfasst Betreuungs- und Aktivierungsmaßnahmen wie Malen und Basteln, Spaziergänge und Ausflüge, nicht aber Aufgaben der ausgebildeten Altenpflegekräfte.

Auch bei den Krankenhäusern und Kliniken entstehen zusätzliche Qualifizierungen, beispielsweise in den Bereichen logistische Dienstleistungen (Versorgungsassistenz), Küche und Service (Verpflegungsassistenz), medizinische und pflegerische Dokumentation (Dokumentationsassistenz) oder Sekretariatsaufgaben. Diese neuen Arbeitsfelder zielen darauf ab, die Pflegekräfte zu unterstützen und von Tätigkeiten zu entlasten, die auch mit geringerer bzw. anderer Qualifikation erledigt werden können.

Beschäftigungschancen für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger

Durch die Anforderungen an die Unternehmen der Gesundheitsbranche, zentrale Leistungsprozesse neu zu organisieren, ergeben sich Chancen für den beruflichen Wiedereinstieg. Laut Angaben des Instituts Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen (IAT), das das Projekt WIEGE wissenschaftlich begleitet hat, rekrutieren die Unternehmen gut 15 bis 20 Prozent ihres Personals aus Berufsrückkehrenden. Das sind in der Regel qualifizierte Fachkräfte. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels könne hier eine beachtliche Reserve mobilisiert werden, so die IAT-Wissenschaftlerinnen Michaela Evans und Sandra Dörpinghaus.

Erforderliche Qualifikationen sowie mittel- und langfristig Perspektiven

Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger ohne abgeschlossene Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf werden nach Erfahrungen aus dem Projekt WIEGE in der betrieblichen Praxis bisweilen noch nicht häufig nachgefragt. Auf der anderen Seite existieren bereits verschiedene, auch niedrigschwellige Angebote für Interessierte ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Zum Beispiel im Bereich der Altenhilfe gibt es vielfältige Ansätze zur Qualifizierung von zusätzlichen Pflegeassistenzkräften für die Betreuung und Begleitung von älteren Menschen neben den geregelten Ausbildungsgängen zur Altenpflegerin bzw. -pfleger sowie Altenpflegehelferin bzw. -helfer.

Rahmenbedingungen wie Einkommen, Karrierechancen, Fort- und Weiterbildungsangebote, Arbeitsbelastung in den neuen Tätigkeitsfeldern

Viele der zusätzlichen Arbeitsplätze im Bereich sozialer und personenbezogener Dienstleistungen entstanden in den vergangenen Jahren als Assistenz- und Zuverdienststellen. Sie zeichnen sich tendenziell durch niedrigschwellige Zugangsbedingungen, kurzfristige Qualifikationsmodelle sowie vergleichsweise schlechte Verdienstmöglichkeiten aus. Hier sehen die IAT-Wissenschaftlerinnen Michaela Evans und Sandra Dörpinghaus die Hauptrisiken für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger in der ansonsten so vielversprechenden Zukunftsbranche Gesundheitswirtschaft.

Förderung nachhaltiger Beschäftigungsoptionen in der Gesundheitswirtschaft

Im Rahmen der Interviews identifizierten die IAT-Wissenschaftlerinnen Ansatzpunkte für ein erfolgreiches einrichtungsinternes Wiedereinstiegsmanagement. Daraus entwickelten sie einen Handlungsleitfaden für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Eine Zukunftsaufgabe besteht darin, Transparenz hinsichtlich der Qualifizierungsanforderungen und der regional bzw. lokal verfügbaren Angebote herzustellen. Insbesondere, um die Beschäftigungsperspektiven für Wiedereinsteigerinnen ohne Vorqualifizierung in einem Gesundheitsberuf zu erhöhen, ist dies eine zentrale Voraussetzung, schreiben die Autorinnen der Studie.

Links:

WIEGE – Perspektiven für Wiedereinsteigerinnen in der Gesundheitswirtschaft

Foto: KKH

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