Alexa Ahmad: Quer- oder Wiedereinstieg in den Erzieherinnen- und Erzieherberuf

In vielen westlichen Großstädten und Ballungsgebieten herrscht eine Mangel an Erzieherinnen und Erziehern für Krippen, Kitas und Horte. Das bietet Chancen für Menschen, die nach einer Familienphase in diesen Beruf (wieder) einsteigen möchten. Alexa Ahmad, Geschäftsführerin der pme Familienservice Gruppe, unter anderem auch Träger von über 70 Kindertageseinrichtungen im gesamten Bundesgebiet, gibt im Interview mit perspektive-wiedereinstieg.de Hinweise, was Quer- bzw. Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger beachten sollten.

Alexa Ahmad, pme Familienservice

perspektive-wiedereinstieg.de: Manche Menschen möchten nach einer Familienphase nicht in ihren alten Beruf zurückkehren, sondern interessieren sich für den Erzieherinnen- bzw. Erzieherberuf. Ist ein solcher Quereinstieg möglich?

Alexa Ahmad: Ja, ein Quereinstieg in diesen Beruf ist grundsätzlich möglich. Wer als pädagogische Kraft in einer Kindertagesstätte arbeiten möchte, benötigt eine entsprechende Ausbildung. Wie diese Ausbildung abläuft, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Menschen, die bereits eine abgeschlossene Ausbildung mitbringen, sowie Personen, die selber Kinder großgezogen haben, profitieren zumeist von einer verkürzten Ausbildungsdauer. Statt in der Regel drei müssen sie vielfach nur zwei Schuljahre in einer Fachschule für Sozial­pädagogik absolvieren und starten danach ins praktische Jahr in einer Kita.

Da die Schulzeit vielfach unbezahlt ist, sind einige Kommunen, z.B. die Stadt Frankfurt am Main, dazu übergegangen, Stipendien zu vergeben. Auf diese Weise wird eine Erzieherinnen- bzw. Erzieherausbildung auch für viele Querein­steigerinnen und Quereinsteiger finanzierbar. Das Land Baden-Württemberg erprobt eine praxisintegrierte Ausbildung mit abwechselnden Phasen in der Fachschule und in der Kita. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher erhalten von Beginn an ein Ausbildungsgehalt. Darüber hinaus werden in vielen Regionen inzwischen auch Teilzeitausbildungen angeboten.

Es gibt also einen ganzen „Blumenstrauß“ an Möglichkeiten und die Chancen für berufliche Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, etwas Passendes zu finden, sind gut. Wer sich beraten lassen möchte, kann sich an eine der staatlichen Fachschulen wenden, die Erzieherinnen und Erzieher ausbilden. Dort gibt es jeweils Fachleute, die über das gesamte Spektrum der Ausbildungsmöglichkeiten in der Region informiert sind. 

Ich rate Interessierten, ein Praktikum in einer Kindertagesstätte zu machen. So erleben sie den Kitaalltag und können ausprobieren, ob die Entscheidung für den Erzieherinnen- bzw. Erzieherberuf die richtige ist.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Eigenschaften und Kompetenzen sollten Querein­steigerinnen bzw. Quereinsteiger aus Ihrer Sicht für den Erzieherinnen- und Erzieherberuf mitbringen?

Alexa Ahmad: Neben den bundeslandspezifischen formalen Voraussetzungen für die Ausbildung, wie zum Beispiel einem mittleren Bildungsabschluss,ist Empathie, also die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, eine ganz wesentliche Kompetenz für den Erzie­herinnen- und Erzieherberuf. Denn die Tätigkeit in der Kita ist von Arbeits- und Aushandlungs­prozessen mit den Kindern, den Eltern sowie im Kolleginnen- und Kollegenkreis geprägt. Es sollte die Bereitschaft da sein, das eigene Handeln kritisch zu betrachten und sich dessen Wirkung auf andere klarzumachen. Spaß an Teamarbeit sowie die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen, damit der Beruf der Erzieherin oder des Erziehers passt. Für die Arbeit mit den Kindern ist es eine gute Basis, offen und neugierig zu sein und gerne etwas Neues auszuprobieren. Spannend an der Arbeit in Kindertagestätten ist auch, dass jede Erzieherin bzw. jeder Erzieher seine eigenen besonderen Fähigkeiten, zum Beispiel Sport- oder Musikbegeisterung, Technikinteresse oder Kenntnisse über Pflanzen oder Tiere, einbringen und weitergeben kann.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Erfahrungen haben Sie mit Menschen gemacht, die als Quereinsteigerinnen bzw. Quereinsteiger in Ihre Kita-Teams kamen?

Alexa Ahmad: Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind eine Bereicherung für unsere Kita-Teams. Sie bringen zumeist viel Lebenserfahrung sowie Kennt­nisse aus anderen Berufsfeldern mit. Die meisten haben sich sehr bewusst für den Erzieherinnen- bzw. Erzieherberuf entschieden und können mit der großen Verantwortung, die sie bei dieser Arbeit tragen, vielfach souverän umgehen. Unsere Beobachtungen zeigen, dass sie auch in der Kommunikation mit den Eltern von ihrem meist fortgeschrittenen Alter und ihren Erfahrungen in anderen Arbeits­um­feldern profitieren. Da wir großteils sehr junge Teams haben, freuen wir uns auch, wenn wir durch lebenserfahrene Kräfte eine breitere Alters­mischung realisieren können. Aus diesen Gründen sind Menschen, die zum Beispiel nach Familienphasen in diesen Beruf neu oder wieder einsteigen möchten, bei den meisten Trägern sehr willkommen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was raten sie ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern, die nach längerer Erwerbspause in ihren Beruf zurückkehren wollen?

Alexa Ahmad: Berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger können selbstbewusst auf die Suche nach einer Arbeitsstelle gehen. Denn der Krippen- und Kitaausbau in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass viel zusätzliches Personal gebraucht wird. Daher suchen derzeit viele Träger fortlaufend nach qualifizierten Kräften. Dass berufliches Wissen nach einer längeren Er­werbs­pause eventuell nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand ist, ist kein Problem. Das lässt sich in der Regel durch eine gute Einarbeitung und ent­sprechende Fortbildung ausgleichen. In unseren Einrichtungen gibt es für alle neuen Kräfte zum Beispiel ein Einfüh­rungs­seminar und einen individuellen Einarbeitungsplan. Außerdem erarbeiten wir einen Schulungsplan, der so gestaltet wird, dass die Beschäftigten innerhalb von zwei Jahren alle wichtigen Grundlagen einmal wiederholt haben. Anschließend können sie die jährlichen fünf Fortbildungstage nach eigenen Vorstellungen nutzen und spezielle Gebiete vertiefen. Bei der Suche nach einem geeigneten Arbeit­geber bzw. einer Arbeitgeberin ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass eine gute Einarbeitung gewährleistet ist und dass der Träger seinen Fortbildungsverpflichtungen gut und gewissenhaft nachkommt.

Außerdem raten wir beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern einen Blick zurück zu werfen auf den früheren Berufsalltag und sich zu fragen, was sich daraus für die aktuelle Stellensuche ableiten lässt. Fragen könnten sein: Hat der Träger und sein pädagogisches Konzept gut zur eigenen Vorstellung einer gelun­genen Früh­pädagogik gepasst? Welche pädagogische Ausrichtung spiegelt ggf. die eigenen Ideen am besten wider? Mit welcher Altersgruppe machte früher die Arbeit besonders Spaß? Welche besonderen Fähigkeiten und Interessen möchte ich als Erzieherin bzw. Erzieher einbringen?

Wir freuen uns, wenn sich bei uns Menschen vorstellen, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie sie arbeiten und welche besonderen Kompetenzen sie dabei einsetzen möchten. Dann können wir Teams zusammenstellen, die sich in ihren Interessen und Fähigkeiten gut ergänzen.

Allen, die über einen Wiedereinstieg oder einen Quereinstieg in den spannenden und herausfordernden Beruf der Erzieherin oder des Erziehers nachdenken, möchte ich Mut machen, das Vorhaben anzugehen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Frau Ahmad, herzlichen Dank für das informative Gespräch.

Links:

pme familienservice

Alexa Ahmad
Informationen auf der Website der pme Familienservice Gruppe

Erzieher/in
Informationen auf dem Portal BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Mehr Männer in Kitas – Quereinstieg
Informationen der Koordinierungsstelle Männer in Kitas zu den Möglichkeiten für einen Quereinstieg in den verschiedenen Bundesländern

Foto: pme Familienservice

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