Fachtagung "Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit – von der Strategie zur Praxis" – Nachbericht

Am 21. Februar 2017 diskutierten Fachleute auf Einladung der „Agentur für Querschnittsziele im ESF (Europäischer Sozialfonds)“ im Rahmen einer Fachtagung, welche Bedingungen für eine gelungene Umsetzung der drei Querschnittsziele Gleichstellung von Frauen und Männern, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit erforderlich sind. Im Forum „Gleichstellung“ präsentierte ein Vertreter des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ des BMFSFJ und der Bundesagentur für Arbeit (BA). Expertinnen des ESF-Standorts München und ein Unternehmensvertreter boten Einblicke in die Erfolge des ESF-Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen“.

Foto: Fachtagung "Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit – von der Strategie zur Praxis"

Wie kann es gelingen, die Querschnittsziele Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit in die Kernthemen, Fachpolitiken und Verfahren des ESF zu integrieren? Welche Herausforderungen sind bei der praktischen Umsetzung zu meistern? Was lässt sich von den guten Beispielen aus der Praxis lernen? Rund 200 Akteurinnen und Akteure des ESF, der Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik, Antidiskriminierungs- sowie Umweltpolitik tauschten sich hierzu am 21. Februar 2017 in Berlin auf der Fachtagung "Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit - von der Strategie zur Praxis" aus. Veranstaltet wurde die Fachtagung von der Agentur für Querschnittsziele im ESF.

Interessante Vorträge regten die fachliche Diskussion am Vormittag an. Wolfgang Husemann, Leiter der Gruppe „Europäische Fonds für Beschäftigung“ im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Dr. Carsten Glietsch, Teamkoordinator für den ESF Deutschland, Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration, EU-Kommission, hoben in ihren Reden die historische Bedeutung, die politische Aktualität und den Beitrag der Querschnittsziele zur Bewältigung gegenwärtiger arbeitsmarktpolitischer und sozialer Herausforderungen auf europäischer Ebene hervor.

Die Foren am Nachmittag boten aus unterschiedlichen Perspektiven Einblicke in die Praxis. 

ESF-Bundesprogramm „Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen“

Im „Forum Gleichstellung: Organisations- und Personalentwicklung in Unternehmen“ stellte Björn Völkner (Referat „Faire Einkommensperspektiven“, BMFSFJ), das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ mit seinen verschiedenen Bausteinen vor und betonte das Hauptanliegen, Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrern den Wiedereinstieg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen.

Daniela Weidlich (Landeshauptstadt München, Verbund „power_m“) berichtete von den Erfolgen am ESF-Standort „Perspektive Wiedereinstieg“ – München. Nach ihrer Erfahrung arbeiten sie in der Regel mit Wiedereinsteigerinnen, die im Durchschnitt 43 Jahre, Mutter von zwei Kindern, sehr gut qualifiziert und ca. acht Jahre aufgrund einer Familienphase nicht berufstätig sind. Seit Beginn der Projektlaufzeit haben zwei Drittel der Teilnehmenden den beruflichen Wiedereinstieg geschafft, davon 75 Prozent in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Meist wird das Ziel erreicht, dass die Berufsrückkehr in eine ausbildungsadäquate Beschäftigung gelingt. Die Kooperation mit Unternehmen konzentriert sich auf Betriebe aus der Dienstleistungsbranche mit ca. 30-40 Beschäftigten. Für eine erfolgreiche Ansprache von potenziellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern werden den Unternehmen konkrete Angebote wie zum Beispiel Stellenbörse, Netzwerktreffen und unternehmensspezifische Informationen sowie eine kontinuierliche Ansprechperson angeboten.

Daniel Eymer von der LABAL GmbH, Marketing, Personal, Verwaltung, arbeitet erfolgreich mit dem ESF-Standort München zusammen. Rund 25 Prozent seiner Belegschaft besteht aus beruflichen Wiedereinsteigerinnen, wovon die Hälfte über den ESF-Standort München rekrutiert wurde. Daniel Eymer nimmt gerne den Vermittlungsservice des ESF-Standorts in Anspruch, da er so eine unrentable Schaltung von Stellenanzeigen vermeiden kann. Der regelmäßige Austausch mit der für sein Unternehmen zuständigen Ansprechperson erleichtert es sehr, eine für die jeweilige Stelle passende Mitarbeiterin zu finden. Er schätzt an den Bewerberinnen, die über den ESF-Standort vermittelt werden, nicht nur ihre Berufs- sondern auch ihre Lebenserfahrung. Dadurch, dass sie durch die zuständige Beraterin im Wiedereinstiegsprozess begleitet wurden, wissen die Bewerberinnen, was sie im neuen Job bzw. in der neuen Firma erwartet.

Anregungen zur Arbeitsmarktintegration aus dem „Forum Antidiskriminierung“

Fachleute aus der Agentur für Querschnittsziele im ESF, der Forschungs- und Transferstelle Gesellschaftliche Integration und Migration GIM an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sowie vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Servicestelle „Jugend stärken“ beschäftigten sich mit der Integration von Jugendlichen und Erwachsenen in Berufsbildung und Erwerbsarbeit. Im Forum stellte sich zunächst die Frage, was Diskriminierung überhaupt bedeute und auf welche Bereiche sie sich erstreckt. Wie steht es um strukturelle und mittelbare Diskriminierung oder steht die Einzelfallbetrachtung im Vordergrund? Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es für eine nachhaltige Veränderung von großer Bedeutung sei, nicht nur individuelle Maßnahmen durchzuführen, sondern gleichzeitig die strukturelle Ebene zu stärken. Ziel sollte es sein, Antidiskriminierungskompetenzen durch Bildung beständig auf allen Ebenen zu etablieren.

Gestaltungskompetenz als Schlüssel zu gesellschaftlicher Veränderung

Julia Seim (BMUB) stellte im „Forum Ökologische Nachhaltigkeit“ das Programm „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf" vor. Martina Bergk, LIFE e. V., Projektleiterin, präsentierte das Projekt „mach Grün! Berufe entdecken und gestalten“. Das Projekt bietet jungen Menschen Erlebnisräume und Praxiskontakte, um das „Greening der Berufe“ zu erkunden und eine zeitgemäße Berufsperspektive zu entwickeln.

Die Vorträge machten deutlich, dass es bei dem Thema ökologische Nachhaltigkeit nicht nur um den Umweltschutz geht, sondern darum, die Gestaltungskompetenz von Menschen so zu stärken, dass sie die Prozesse selbst gestalten und so zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Dadurch werden gesellschaftliche Veränderungsprozesse vorangetrieben.

Positives Fazit

Die Tagung fand großen Zuspruch und stimmt für die zukünftigen Aktivitäten zur Umsetzung der Querschnittsziele optimistisch. Zwar bestehe nach wie vor die Anfälligkeit, dass die drei Querschnittsziele als politisch eher marginal betrachtet werden, doch ihre Aktualität und Brisanz seien gestiegen. Erfolgsfaktoren für die Integration der drei Querschnittsziele im ESF seien vor allem der notwendige (politische) Wille, die Verbindlichkeit und Präzision in der Umsetzung und Evaluation sowie die Expertise für die fachliche Auseinandersetzung oder für Qualifizierungen.

Hintergrund

In der ESF-Förderperiode 2014-2020 sind die Querschnittsziele Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit verbindlicher Bestandteil der ESF-Umsetzung. Die Agentur für Querschnittsziele im ESF wurde durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beauftragt, die Umsetzung der Querschnittsziele im ESF durch Beratung, Vernetzung und Informationsmanagement zu unterstützen.

Links:

Resümee zur Fachtagung der Agentur für Querschnittsziele im ESF am 21. Februar 2017.
Informationen sowie Redemanuskripte und Präsentationsdateien auf der Website der Agentur für Querschnittsziele im ESF

Präsentation Björn Völkner
Referat „Faire Einkommensperspektiven“, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

perspektive-wiedereinstieg.de:

Aktionsprogramm Perspektive Wiedereinstieg im Überblick

ESF-Bundesprogramm "Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen"

ESF-Standorte

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Foto: © Andreas Schöttke

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