Interview: "Aktuelle Computer-Kenntnisse sind für den Wieder­einstieg unverzichtbar", sagt Duscha Rosen

Kompetenzen und aktuelles Wissen im Bereich Computer und Medien sind im Berufsleben inzwischen unverzichtbar. Wie kann es nach einer beruflichen Pause gelingen, eventuelle Wissenslücken zu füllen bzw. neues Terrain zu erobern? Perspektive-wiedereinstieg.de sprach mit Duscha Rosen vom FrauenComputerZentrumBerlin e.V.

Foto: Frauenhände auf einer Computertastatur

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie hoch schätzen Sie die Notwendigkeit von IT- und Medienkompetenz für den Wiedereinstieg von Frauen ins Berufsleben ein?

Duscha Rosen: Wir bieten seit über 25 Jahren eine Fortbildung für Wiedereinsteigerinnen aus Büro- und Verwaltungsberufen an. Erst kürzlich haben wir eine Arbeitsmarkt- und Bedarfsanalyse zu Tätigkeitsprofilen und Anforderungen in jenen Berufen durchgeführt und ausgewertet. Mit dem Ergebnis, dass aktuelle IT-Kenntnisse, insbesondere der Office-Programme, in Büro und Verwaltung für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt unverzichtbar sind. Aber auch in anderen Branchen sind Medien-, Computer- und Internet-Kompetenzen eine elementare Grundlage für Wiedereinsteigerinnen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wo besteht der höchste Schulungsbedarf?

Duscha Rosen: Ganz klar bei den Office-Programmen und beim Internet. Die meisten Frauen kommen mit wenigen oder gar keinen Computerkenntnissen in unsere Fortbildungen. Hier müssen zunächst die Grundlagen vermittelt werden: Computerbedienung, Betriebssystem und Programme. Anschließend geht es um fortgeschrittenere Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten, die im professionellen Office Management verlangt werden. Das geht Schritt für Schritt – am Ende der Fortbildung sind die Frauen top-fit und mit aktuellen Kenntnissen für den Bürobereich ausgestattet.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wo liegen die größten Herausforderungen für Wiedereinsteigerinnen? Und wie können diese überwunden werden?

Duscha Rosen: Das größte Thema ist die Organisation der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um den Übergang in die neue Lebensphase und Arbeitssituation zu erleichtern, wird die Fortbildung daher am Bedarf der Zielgruppe orientiert im Teilzeitformat angeboten. Wichtig ist außerdem der Raum, den die Fortbildung bietet – als Probelauf und Austauschforum. Die Familien der Frauen müssen mit neuen Herausforderungen und auch Konfliktsituationen umgehen, weil eben nicht mehr alles so wie früher im „Hotel Mama“ läuft. Bei den Fortbildungen tauschen sich die Frauen über Lösungsmodelle und Kommunikationsstrategien aus. Für einige Frauen ist außerdem das Arbeiten im Team eine Herausforderung: Zu Hause managen sie die Arbeit meist allein, das Trainieren der Zusammenarbeit etwa über ein produktbezogenes Abschlussprojekt ist daher sehr wertvoll.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie können die Frauen auch nach einer Fortbildung ihr Wissen und ihre Kompetenz weiter erhalten und ausbauen?

Duscha Rosen: Das A und O ist, die Frauen schon während der Fortbildung darauf vorzubereiten, dass und wie sie sich auch außerhalb eines formalen Weiterbildungskontextes selbstständig relevantes Wissen aneignen können. Zentrale Elemente sind hier regelmäßige Selbstlernzeiten und spezielle Übungen sowie das Erlernen des Umgangs mit einer Online-Lernplattform mit Selbstlernmaterialien und Gruppenlernforen. Wichtig ist darüber hinaus die Vermittlung von systematischen Programm-Funktionskenntnissen statt bloßer Detailinformation zu Einzelfunktionen. Darüber hinaus können die Frauen bei uns aber natürlich auch weiterführende Kurs-Angebote belegen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Inwieweit steigern sich die Chancen für Wiedereinsteigerinnen auf dem Arbeitsmarkt durch solche fachbezogenen Fortbildungen?

Duscha Rosen: Wenn sie zielgruppengerecht durchgeführt wird, sind die Chancen nach der Teilnahme an einer fachbezogenen Qualifizierung sehr gut. 60 bis 70 Prozent unserer Absolventinnen haben regelmäßig in den ersten sechs Monaten nach Fortbildungsende einen Arbeitsplatz gefunden, andere machen sich selbstständig, wieder andere studieren. Mindestens genauso wichtig wie der Erwerb aktueller Fachkenntnisse ist aber die Vorbereitung auf die neue Arbeitssituation. Wiedereinsteigerinnen haben zum Teil ein geringes Selbstbewusstsein in Hinblick auf ihre Fähigkeiten, mit den neuen Jobanforderungen umzugehen. Dabei haben sie erfolgreich ein komplexes Familienleben gemanagt, waren vielleicht ehrenamtlich tätig o.Ä. Wir müssen den Frauen ihre eigenen Fähigkeiten bewusst machen, ihr Selbstvertrauen stärken und ihnen Strategien an die Hand geben, sich mit ihrem Profil beruflich zu präsentieren. Ein berufsbiografischer Fortbildungsansatz, Know-how-Vermittlung zur Internet-Jobrecherche, Präsentationstraining und individuelles Coaching durch eine professionelle Karriereberaterin sind hier die Mittel der Wahl.

Weitere Beratungsstellen in ihrer Nähe finden interessierte Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger darüber hinaus in der Beratungsstellendatenbank.

Link:

FrauenComputerZentrumBerlin e.V.

Foto: stockfreeimages.com / Melis82

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