Work-Life-Balance im Homeoffice: Klare Regelungen fördern das Gleichgewicht

Das Home-Office ist für viele Beschäftigte in den vergangenen Monaten plötzlich zur Normalität geworden. In vielen Unternehmen könnte es auch in Zukunft vermehrt als Option eingesetzt werden. Das Arbeiten von Zuhause aus kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Pflege deutlich erleichtern, es birgt aber auch Konfliktpotenzial. Entscheidend für das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit sind die vom Unternehmen gesetzten Rahmenbedingungen. Stimmen die Voraussetzungen, können beide Seiten von der Möglichkeit des Arbeitens im Home-Office profitieren, das zeigt eine aktuelle Studie von Yvonne Lott, Forscherin am Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Foto: Videokonferenz auf dem Handy

Laut bisheriger Untersuchungen reicht allein die Möglichkeit im Home-Office arbeiten zu können, damit Beschäftigte einsatzbereiter, zufriedener, engagierter und produktiver sind. Durch dieses Angebot wird das Vertrauen zwischen Arbeitgeberinnen, Arbeitgebern und Beschäftigten gestärkt. In der Studie des WSI gaben knapp 52 Prozent der Beschäftigten an, mit Home-Office die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Privatleben zu verbessern. Dabei macht ein gutes Drittel (knapp 34 Prozent) der Beschäftigten ausschließlich positive Vereinbarkeitserfahrungen. Knapp 50 Prozent der Beschäftigten erleben dagegen, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit durch Home-Office verschwimmt.

Betriebliche Vereinbarkeitskultur stärkt positive Home-Office-Erfahrungen

Ein wesentlicher Faktor dafür, dass positive Erfahrungen mit Home-Office-Modellen gesammelt werden, sind vor allem betriebliche Vereinbarkeitsmaßnahmen für Beschäftigte und Führungskräfte, Fairness von Vorgesetzten und klare Rahmenbedingungen.

Bieten Unternehmen beispielsweise Aufstiegsmöglichkeiten in Teilzeit, lagen die positiven Erfahrungen bei 49 Prozent. In Unternehmen ohne entsprechende Vereinbarungen lag sie bei 30,6 Prozent. Wird der Frauenanteil im Unternehmen durch flexible Arbeitsarrangements gefördert, steigt die Wahrscheinlichkeit für positive Erfahrungen von durchschnittlich 30 Prozent auf 42 Prozent. Nach Ansicht der Studienautorin tragen diese Maßnahmen dazu bei, die betriebliche Vereinbarkeitskultur zu verbessern und die Präsenzkultur in Unternehmen zu schwächen. Entscheidend sei, dass diese Instrumente auch auf der Führungsebene umgesetzt werden, da Führungskräfte Vorbilder für die Beschäftigten sind und die Betriebskultur prägen.

Fair, sicher und berechenbar: Home-Office braucht einen zuverlässigen Rahmen

Ebenfalls eine wichtige Rolle für die Erfahrungen im Home-Office spielt, ob sich Beschäftigte von Vorgesetzten fair wahrgenommen fühlen. Fühlen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihren Vorgesetzten überhaupt nicht gerecht behandelt, liegt die Wahrscheinlichkeit für positive Erfahrungen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durchschnittlich bei knapp vier Prozent. Empfinden sie sich dagegen in allen Aspekten gerecht beurteilt, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 53 Prozent. Fairness vermittle den Beschäftigten ein Gefühl von Sicherheit und Berechenbarkeit, was beim Arbeiten im Home-Office eine hohe Bedeutung habe.

Zudem sollten Personalverantwortliche für eine gelingende Vereinbarkeit darauf achten, dass der zeitliche Rahmen und der geforderte Arbeitsumfang im Home-Office passend sind. Arbeiten Beschäftigte innerhalb der normalen Arbeitszeiten zu Hause, liegt die Wahrscheinlichkeit für ausschließlich positive Vereinbarkeitserfahrungen bei 58 Prozent. Verlagert sich das Home-Office dagegen in die Freizeit, sind positive Erfahrungen lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 21 Prozent verbunden. Als förderlich für die Work-Life-Balance empfinden es 53 Prozent der Befragten darüber hinaus, wenn sie ganze Tage im Home-Office verbringen können. Stundenweises Home-Office sehen nur 29 Prozent als positiv an. Wichtig sind für die Beschäftigten außerdem vertragliche Regelungen für das Arbeiten im Home-Office. Wer einen vertraglich festgelegten Anspruch auf Home-Office hat, sammelt laut der Studie mit einer Wahrscheinlichkeit von 46 Prozent gute Erfahrungen. Ohne vertragliche Regelungen sind es 32 Prozent. Tatsächlich haben bisher jedoch erst 17 Prozent der im Home-Office Arbeitenden eine vertragliche Regelung.

Basis für die Untersuchung des WSI sind Daten des Linked Personnel Panels (LPP) aus den Jahren 2014 und 2015. Mit dieser Datenerhebung erforscht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Digitalisierung und Arbeitsqualität. Seit 2012 werden dafür in regelmäßigen Abständen Beschäftigte und Unternehmen zu Veränderungen in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung befragt. Das Arbeiten im Home-Office ist dabei einer der Schwerpunkte.

Links:

Studie: Work-Life Balance im Homeoffice: Was kann der Betrieb tun?

IAB - Linked Personnel Panel 

perspektive-wiedereinstieg.de

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