Haushaltsnahe Dienstleistungen: Zeit für den beruflichen Wieder­einstieg, für Familie und persön­liche Interessen

Der berufliche Wiedereinstieg erfordert eine Neuverteilung der Aufgaben in der Familie. Das sagen Frauen, die nach mehrjähriger Unterbrechung wieder erwerbstätig sind, in der Studie „Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“ von Mai 2011. Neben der Entlastung durch den Partner spielen haushaltsnahe Dienstleistungen eine große Rolle, um während und nach dem beruflichen Wiedereinstieg eine Balance zwischen Familie, Beruf und persönlichen Interessen herzustellen.

Foto: Ceckblatt der Publikation

Im Rahmen der repräsentativen Studie „Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“, die Professor Carsten Wippermann vom DELTA-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchführte, wurden in Deutschland lebende Mütter und Väter im Alter von 25 bis 60 Jahren zu Themen rund um den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen befragt: Drei Viertel der interviewten Frauen mit Kindern hatten Wiedereinstiegserfahrung oder konkrete Wiedereinstiegsperspektiven. 14 Prozent der Interviewten waren erwerbstätige Mütter, die ihre Berufstätigkeit nicht länger als 14 Wochen (Mutterschutz) unterbrochen hatten. Die verbleibende Gruppe (elf Prozent) war zum Befragungszeitpunkt nicht erwerbstätig und strebte dieses (auf unbestimmte Zeit) auch nicht an.

Gefragt nach ihrem Selbstverständnis und Lebensentwurf betonen Wiedereinsteigerinnen – mehr noch als die interviewten Väter – in verschiedenen Lebensbereichen gleichzeitig Verantwortung übernehmen zu wollen. Wiedereinstieg in den Beruf bedeutet für Frauen vielfach, sich neben der familiären Verantwortung auch beruflich zu engagieren und Verantwortung für die eigene Karriere zu übernehmen

Verteilung familiärer Aufgaben während der Familienphase

Die Befragung der Wiedereinsteigerinnen macht deutlich, dass die Aufgaben in Haushalt und Familie während der Erwerbsunterbrechung von den Frauen meist vollständig alleine verantwortet, organisiert und überwiegend auch alleine durchgeführt wurden und das Haushaltsmanagement häufig Teil ihres Selbstbildes auch während und nach dem Wiedereinstieg ist. Es gibt jedoch typische Arbeiten, wie zum Beispiel Reparatur- und Renovierungstätigkeiten, die den Männern zugeschrieben werden. Analysen zeigen aber, dass Frauen in der Phase der familienbedingten Erwerbsunterbrechung häufig auch Arbeiten, die vorher vom Partner übernommen wurden, mit erledigen, damit der Vater Zeit für die Kinder hat.

Beruflicher Wiedereinstieg: Arbeiten in der Familie neu verteilen

Unmittelbar vor, besonders während und teilweise dauerhaft nach dem Wiedereinstieg sehen viele Frauen jedoch einen großen Bedarf, Tätigkeiten zu delegieren. Das können sie innerhalb der Familie bzw. der nahen Verwandtschaft tun oder externe Dienstleiterinnen bzw. Dienstleister gegen Bezahlung damit beauftragen. Haushaltsnahe Dienstleistungen sind ein Mittel der Wahl, wenn bei der Neuverteilung der Aufgaben in Haushalt und Familie zusätzliche Zeitressourcen geschaffen werden müssen und die Aufgaben nicht von Familienmitgliedern übernommen werden können. Zum Beispiel folgende Tätigkeiten eignen sich dafür: Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen, ggf. Gartenarbeit, Winterdienst sowie Reparatur- und Renovierungsarbeiten. Im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Regelbetreuung punktuell weitere Kinderbetreuungsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Entlastung durch den Partner in der Phase des Wiedereinstiegs

Die befragten Wiedereinsteigerinnen betonen, dass ihrer Erfahrung nach der Partner eine zentrale Rolle beim beruflichen Wiedereinstieg hat bzw. haben sollte. Dabei sind nicht nur partnerschaftliche Solidarität und kommunikative, emotionale sowie motivierende Unterstützung gefordert, sondern auch ganz konkret die praktische Entlastung bei der Kinderbetreuung und bei Haushaltsarbeiten. So glauben Frauen, die in der Phase vor dem Wiedereinstieg und noch nicht wieder erwerbstätig sind, zu 49 Prozent, dass ihr anstehender Wiedereinstieg leichter wird, wenn sich ihr Partner zum Beispiel stärker bei der regelmäßigen Versorgung und Betreuung der Kinder engagiert. Bei jenen, die bereits wieder berufstätig sind und den Wiedereinstieg erfolgreich bewältigt haben, sind fast zwei Drittel der Frauen dieser Überzeugung.
Die Studie „Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“ zeigt, dass die befragten Männer in aller Regel die Mehrfachbelastungen für ihre Partnerinnen im Prozess des beruflichen Wiedereinstiegs erkennen. Um für Entlastung zu sorgen, ergreifen sie meist zwei Strategien: Ein Ansatz besteht darin, dass der Partner sein Engagement im Haushalt in der Rolle eines Zuarbeiters verstärkt. Im anderen Modell setzen Männer stärker auf die Strategie, Entlastung im Haushalt von außen durch externe Dienstleisterinnen und Dienstleister zum Beispiel Babysitter oder Haushaltshilfen einzukaufen und so für neue zeitliche Ressourcen zu sorgen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Balance von Familie, Beruf und persönlichen Interessen

Die Studie „Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“ macht deutlich, dass gerade mit Hilfe haushaltsnaher Dienstleistungen neue Zeitmuster für die Wiedereinsteigerinnen möglich werden. Gefragt nach der Nutzung der durch haushaltsnahe Dienstleistungen gewonnenen Zeit antworten 56 Prozent der Frauen mit Kindern, dass sie die Zeit für die Familie nutzen. 42 Prozent der Befragten nehmen sich mehr Freizeit für sich selbst. Für 39 Prozent bietet der Zeitgewinn eine Erleichterung für den beruflichen Wiedereinstieg. 36 Prozent der befragten Frauen gehen verstärkt ihren sozialen und kulturellen Interessen nach. „Mehr Zeit für die Pflege von Angehörigen“ steht bei 31 Prozent der Frauen im Mittelpunkt. Damit kann die Nutzung haushaltsnaher Dienstleistungen nicht nur ein wichtiger Schlüssel zum erfolgreichen beruflichen Wiedereinstieg, sondern auch für eine Balance von Beruf, Familie und persönlichen Interessen sein.

Links:

„Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“
Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2011, als pdf zum Download

Neue Wege – gleiche Chancen – Erster Gleichstellungsbericht der Bundesregierung
Januar 2011 (s. Kapitel Erwerbsleben), als pdf zum Download

Foto: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang