Erfahrungsbericht: Für unsere Familie die beste Lösung

Der Zufall spielte auch eine Rolle: Als ihre Tochter gerade in der Kindertagesstätte eingewöhnt war, meldete sich eine Agentur, die für zwei Tage in der Woche eine Redakteurin suchte. Katharina Rabe* arbeitet inzwischen dreißig Stunden an fünf Tagen. Hier berichtet die 43-Jährige von ihrem Modell des Wiedereinstiegs.

Foto: Frauenhand mit Stift auf Papier

In meinen alten Job zurück, das war für mich keine Option: Ich habe für eine internationale Hilfsorganisation in einem Krisengebiet gearbeitet. Da hätte ich sechs Wochen nach der Geburt meiner Tochter wieder eine ganze Stelle antreten müssen – das wollte ich nicht. Also beschlossen mein Mann und ich, dass er erst mal voll arbeiten würde. Ich wollte mich dann später umschauen.

Die ersten Monate mit meinem Baby habe ich sehr genossen, aber manchmal beschlich mich ein seltsames Gefühl: In meiner alten Position hatte ich manchmal fünf Meetings am Tag – als Mutter hatte ich fünf Stilltermine... Nach einem halben Jahr habe ich damit begonnen, alte Kontakte aufzufrischen. Ohne Erfolg – alle schüttelten bedauernd den Kopf. Das war schon sehr frustrierend. Trotzdem haben wir uns um einen Kindergartenplatz für unsere Tochter bemüht. Allerdings fünf Tage, das konnte ich mir nicht vorstellen. Wir fanden einen Kindergarten, der die Option der Zwei-, Drei- und Fünf-Tage-Woche anbot und der einen hohen Betreuungsschlüssel hatte.

Die Eingewöhnung fand im Januar statt, als meine Tochter ein Jahr alt war – ein Alptraum. Nie wieder würde ich ein Kind im Winter eingewöhnen, die Kleine war ständig krank. Aber im März hatten wir es endlich geschafft und zufällig genau in dieser Zeit riefen ehemalige Kollegen an, die tageweise redaktionelle Unterstützung suchten. Vor meinem Auslandseinsatz hatte ich diese Kollegen kennen gelernt und im Sommer zuvor ohne Erfolg wegen Arbeit angefragt. Als sie sich in einem Engpass befanden, haben sie sich gemeldet.

Das war das Beste, was uns passieren konnte. Ich habe die beiden Tage im Büro sehr genossen – endlich wieder unter Kolleginnen und Kollegen sein, andere Gespräche führen als den Mama-Talk auf dem Spielplatz und sich mal wieder länger ohne Unterbrechung mit einer Sache beschäftigen – herrlich. Und wenn ich die Kleine nachmittags abgeholt habe, war ich bestens gelaunt und konnte die Zeit mit ihr sehr genießen.

Zudem hatte ich das Glück, dass bei der Agentur, in der ich tätig bin, ein extrem familienfreundliches Klima herrscht. Wenn die Kleine krank war, konnte ich ohne schlechtes Gewissen zu Hause bleiben und die Stunden nachholen – abends, nachts, am Wochenende. Das war nie ein Thema. Nie gab man mir offen oder unterschwellig das Gefühl, als Mama eine Arbeitskraft zweiter Wahl zu sein.

Ich habe, glaube ich, immer schon motiviert gearbeitet. Aber als stundenweise arbeitende Kraft habe ich mich noch besser organisiert, habe unglaublich effizient gearbeitet. Der Rest ist schnell erzählt: Als unsere Tochter zwei wurde, ging sie für drei Tage zum Kindergarten und ich drei Tage ins Büro. Nach ihrem dritten Geburtstag wagen wir die Vier-Tage-Woche. An diese Zeit denke ich eigentlich am liebsten zurück – der Freitag war für uns schon immer wie ein Festtag: Wir haben gebummelt und es sehr genossen, nicht so getaktet zu sein.

Auf Wunsch der Firma arbeite ich nun fünf Tage und unsere Tochter geht natürlich auch fünf Tage in den Kindergarten. Aber jetzt merke ich, dass es mir reicht. Ich möchte keinesfalls mehr arbeiten, eher weniger, um auch mal ein paar Stunden für mich allein zu haben – ohne Job, ohne Kind, einfach mal für mich.

*Name von der Redaktion geändert

Foto: pixelio.de / Alexandra Bucurescu

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