Studie: Mitten im Leben – Wünsche und Lebens­wirklich­keiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren

Frauen unterbrechen häufiger als Männer aufgrund von Familien- bzw. Pflegeaufgaben ihre Erwerbstätigkeit und stehen damit vor der Herausforderung, diese biografischen Übergänge zu gestalten. Was das für das Leben und das Selbstverständnis von Frauen bedeutet und inwieweit der berufliche Wiedereinstieg als kritischer Moment im Lebenslauf gelten kann, zeigt die Studie "Mitten im Leben – Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren" des Delta-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Foto: Deckblatt der Studie

Berufstätig sein, Entgeltgerechtigkeit, existenzsichernde Altersvorsorge, Gleichstellung in der Partnerschaft, mehr Zeit für eine gelingende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für Freundschaften, aber auch für persönliche Bedürfnisse – das wünschen sich viele Frauen zwischen 30 und 50 Jahren. Im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Repräsentativbefragung hat das Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des BMFSFJ jüngst die persönlichen Perspektiven von Frauen hinsichtlich ihres bevorzugten und tatsächlich realisierten Lebensmodells in Bezug auf Partnerschaft, Familie und Erwerbstätigkeit untersucht.

Über welche Potenziale und Ressourcen verfügen Frauen in der Lebensmitte? In welchen Lebensbereichen weichen die tatsächlichen Verhältnisse von ihren Wünschen ab? Welche Faktoren erschweren es, die eigenen Wünsche in die Tat umzusetzen? Durch die Studie „Mitten im Leben – Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren“ wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist, an den biografischen Lebensübergängen wie dem beruflichen Wiedereinstieg und dem nächsten Karriereschritt inne zu halten, um die Weichen in ihrem Sinne richtig zu stellen. Hilfreich in diesem Moment sind die Fragen: Sind die in der Familienphase getroffenen Vereinbarungen noch passend oder bedarf es einer Neuausrichtung? Erfülle ich mit meiner anstehenden Entscheidung optimal meine Wünsche in Bezug auf Partnerschaft, Familie, Erwerbstätigkeit und Alterssicherung?

Frauen in der Lebensmitte: Gut qualifiziert und beruflich hoch motiviert

In der Generation der heute 30- bis 50-Jährigen verfügen 95 Prozent der Frauen über einen Schulabschluss, fast 40 Prozent von ihnen über Abitur bzw. Fachhochschulreife. 82 Prozent der Frauen in der Lebensmitte haben einen beruflichen Bildungsabschluss.

Der Berufstätigkeit messen Frauen dieser Generation einen sehr hohen Stellenwert bei. Erwerbstätig zu sein, ist ihrer Meinung nach besonders wichtig für die persönliche Zufriedenheit (89 %), das Selbstwertgefühl (88 %), die eigene Alterssicherung (86 %) und die finanzielle Unabhängigkeit durch ein eigenes Einkommen (85 %). Mehr als zwei Drittel der Frauen zwischen 30 und 50 Jahren haben die Vision, in gleichem Maße wie ihr Partner das Haushaltseinkommen zu erwirtschaften. Für Mütter dieser Generation spielt zudem die Existenzsicherung der Familie (79 %) eine bedeutende Rolle.

Trotz der beruflichen Qualifikationen und des subjektiven Bewusstseins für die Vorteile, die es mit sich bringt, die eigenen beruflichen Potenziale zu erschließen, scheinen gesellschaftliche Geschlechterrollenbilder, tradierte Verhaltensmuster und finanzielle Fehlanreize immer noch die größere Wirkung zu entfalten. So bleiben Frauen heute objektiv häufig hinter ihren Möglichkeiten und Wünschen zurück.

Realität betrachten, die richtigen Schlüsse ziehen, Ziele weiter verfolgen

Wo stehen 30- bis 50-jährige Frauen heute in Bezug auf eine eigenständige Existenz- und Alterssicherung, die berufliche Karriere sowie partnerschaftliche Aufgabenteilung in Familie und Haushalt:

  • Arbeitszeitvolumen: Aktuell arbeiten lediglich 68 Prozent der Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren (jedoch 91 Prozent der Männer dieser Generation) mehr als 20 Stunden pro Woche und haben dadurch die Chance, durch eigene Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.
  • Einkommenshöhe: Auch bei vergleichbar hohem Arbeitszeitvolumen führen Faktoren wie die Entgeltungleichheit sowie finanzielle Fehlanreize durch unterschiedliche Steuerklassen und Veranlagung bei Verheirateten, Freibeträge etc. dazu, dass Frauen ein geringeres Nettoeinkommen zur Verfügung steht als Männern. Nur zehn Prozent der 30- bis 50-jährigen Frauen erwirtschaften ein eigenes Nettoeinkommen über 2.000 Euro (im Vergleich dazu 42 Prozent der Männer). 39 Prozent der Frauen verfügen über ein eigenes Nettoeinkommen unter 1.000 Euro (elf Prozent der Männer). Weitere 14 Prozent haben zum Zeitpunkt der Befragung – teilweise dauerhaft, teilweise vorübergehend – gar kein eigenes Einkommen (0,2 Prozent der Männer).
  • Karriere: Insbesondere nach einer längeren Familienphase oder bei häufigen Ortswechseln bedingt durch den Beruf des Partners sind Frauen oft nicht mehr in jenen Tätigkeitsfeldern und Positionen erwerbstätig, für die sie qualifiziert sind. Oft nehmen sie eine Stelle an, die unter ihrem eigentlichen Ausbildungsniveau liegt, und zeigen sich bezüglich Gehaltsforderungen sowie beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten eher zurückhaltend.
  • Gleichstellung in der Partnerschaft: Nur 14 Prozent der Frauen leben derzeit in einer Partnerschaft, in der sich Frau und Mann in gleichem Maße die Aufgaben für Haushalt und Kinder teilen und beide ein existenzsicherndes Einkommen erwirtschaften.
  • Alterssicherung: Aktuell vertrauen lediglich 46 Prozent der Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren darauf, durch eigene Erwerbstätigkeit ausreichend Rentenansprüche bzw. private Altersabsicherung erwirtschaftet zu haben, um den Lebensunterhalt im Alter sichern zu können. Mehr als die Hälfte der Frauen hat die Sorge, dass sie trotz Berufstätigkeit von der Rente ihres Partners existenziell abhängig sein werden beziehungsweise im Fall einer Scheidung oder dem frühem Tod ihres Partners ihren Lebensstandard erheblich reduzieren müssen.

„Geschlechtergerechtigkeit ist erreicht, wenn…“

Gefragt nach den dringendsten Handlungsbedarfen zur Erreichung der Gleichstellung von Frauen und Männern stehen aus Sicht der Frauen in der Lebensphase zwischen 30 und 50 Jahren an vorderster Stelle diese Themen:

  • 96 Prozent der Frauen fordern, dass Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Qualifikation und Tätigkeit denselben Stundenlohn erhalten.
  • 94 Prozent haben die Vorstellung, dass es keine Rentenlücke zwischen Frauen und Männern mehr geben darf.
  • 92 Prozent fordern, dass typische Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie typische Männerberufe.
  • 92 Prozent der Frauen sind der Auffassung, dass gemeinsam getroffene Entscheidungen für keinen Partner höhere Risiken oder Nachteile zur Folge haben (z. B. für Erwerbstätigkeit, eigene Rente).

Beruflicher Wiedereinstieg als Wendepunkt für eine eigenständige Existenz- und Alterssicherung

Offen, spannend und riskant – so wird in der Studie die Lebensphase zwischen 30 und 50 Jahren beschrieben. Die Befragungsergebnisse zeigen, welch entscheidende Rolle dem beruflichen Wiedereinstieg als kritischer Moment in der Erwerbsbiografie zukommt. Angesichts der Tatsache, dass Frauen im Alter von 50 Jahren noch gut 15, im Alter von 30 Jahren fast 40 Jahre möglicher Erwerbstätigkeit vor sich haben, lohnt es sich für Frauen, „selbstbestimmte Autorinnen ihrer Partnerschafts- und Erwerbsbiografie zu sein“. Mit Mut und Engagement lassen sich in diesem Zusammenhang Lebensmodelle finden, die zu den (ursprünglich) gewünschten Zielvorstellungen passen.

Tipp: Damit es gelingt, die Weichen in Richtung einer existenzsichernden Erwerbs- und Alterssicherung zu stellen, können berufliche Wiedereinsteigerinnen (und Wiedereinsteiger) auf ein breites Unterstützungsangebot zugreifen. Zum Beispiel bieten im Rahmen des mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Bundesprogramms Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen des BMFSFJ und der Bundesagentur für Arbeit Träger und Trägerverbünde an bundesweit 22 Standorten vielfältige Aktivierungs-, Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, um die Rückkehr in das Berufsleben zu erleichtern. Das Lotsenportal www.perspektive-wiedereinstieg.de stellt umfassende Informationen rund um das Thema beruflicher Wiedereinstieg zur Verfügung, zum Beispiel Fachbeiträge, Tipps und FAQ zu wiedereinstiegsrelevanten Themen, einen Wiedereinstiegscheck für ein persönliches Infopaket und die Wiedereinstiegskarte mit Kontaktadressen von Beratungsstellen im gesamten Bundesgebiet. Die XING-Gruppe „Perspektive Wiedereinstieg: Klick Dich rein - für neue Wege“ ermöglicht Interessierten, den Austausch mit anderen beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern sowie Personalerinnen und Personalern, die Fachkräfte suchen.

Links:

Mitten im Leben – Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren
Langfassung der Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016

Mitten im Leben – Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren
Kurzfassung der Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016

www.perspektive-wiedereinstieg.de:

Studie: „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“

Studie: Transparenz für mehr Entgeltgleichheit

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Foto: BMFSFJ

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