Beruflicher Wiedereinstieg: Langfristig denken – vollzeitnah arbeiten

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Equal Pay Day 2014 präsentierte Dr. Christina Boll vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) Berechnungen, wie sich Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen finanziell auswirken.

Foto: Dr. Christina Boll

Dr. Christina Boll vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) berechnete, wie hoch der Bruttolohnverlust einer Frau bzw. eines Mannes mit mittlerer Bildung je nach Länge der Erwerbsunterbrechung und anschließender Teilzeitphase ist. Den Berechnungen zu Folge liegt der Verlust zwischen rund 80.000 Euro (keine Auszeit, drei Jahre Teilzeit) und fast 200.000 Euro (drei Jahre Auszeit, drei Jahre Teilzeit). Auch wenn Menschen nach Auszeit- und Teilzeitphase wieder in Vollzeit arbeiten, verdienen sie in der Regel weniger als gleich qualifizierte Frauen oder Männer mit einer ununterbrochenen Vollzeit-Erwerbsbiografie. Die Differenz bleibt im weiteren Verlauf bestehen und ist in die Berechnungen eingeflossen.

Dr. Christina Boll stellte diese und weitere Ergebnisse ihrer Untersuchungen während der Auftaktveranstaltung zum Equal Pay Day (vom BPW Germany - Business and Professional Women e.V initiierter Aktionstag für Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern) im November 2013 in Berlin vor. Das Schwerpunktthema der 2014 laufenden Equal Pay Day-Kampagne lautet: … und raus bist Du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen.

Rat: Möglichst vollzeitnah arbeiten

Teilzeitarbeit käme besonders beim beruflichen Wiedereinstieg eine wichtige Scharnierfunktion für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu, sagte Christina Boll. Sie dürfe jedoch keine Sackgasse sein. Diese Gefahr bestehe vor allem bei geringfügiger Beschäftigung und „kleiner“ Teilzeit. Die Fachfrau riet beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern daher, eine möglichst vollzeitnahe Teilzeit anzustreben. Sie bedeute eine bessere soziale Absicherung und ein auskömmlicheres Einkommen. Zudem eröffnet eine höhere Wochenstundenzahl vielen Beschäftigten erst den Zugang zu Arbeiten, die ihrer Ausbildung und ihren Kompetenzen entsprechen, und erschließt ihnen Karriereperspektiven.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Damit vollzeitnahe Teilzeit eine realistische Möglichkeit für Menschen mit Familienaufgaben ist, müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Sie reichen von ausreichenden Kinderbetreuungsangeboten, einer passenden Infrastruktur zur Unterstützung bei Pflegeaufgaben und familienfreundlichen Rahmenbedingungen in Unternehmen bis hin zu einer Gestaltung der Besteuerung, die es in Ehen für beide Parteien lohnend macht, erwerbstätig zu sein.

Menschen, die nach einer Erwerbsunterbrechung wieder arbeiten möchten, forderte Christina Boll auf, ihre beruflichen Ziele in Partnerschaft und Arbeitswelt mutig zu vertreten. Den Aushandlungsergebnissen auf Paarebene sowie der Unterstützung durch den Partner bzw. der Partnerin komme eine Schlüsselrolle dabei zu, wie gut und in welchem Umfang ein Wiedereinstieg in den Beruf gelingt.

Links:

„Kurze Freude – lange Reue: warum der allein cash-orientierte Blick auf den Zuverdienst langfristig falsch ist“
Vortrag von Dr. Christina Boll im Equal Pay Day Newsletter vom 11. November 2013 - Video

Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI)
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Equal Pay Day
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Foto: BPW / Inga Haar

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