Wie der Wiedereinstieg zum Erfolg wird

Professor Carsten Wippermann, Soziologe und Experte für Gleichstellung von Frauen und Männern, gibt in einem Interview mit Valerie Henschel von heute.de Tipps, wie Frauen den Wiedereinstieg meistern können.

Foto: Carsten Wippermann

Carsten Wippermann ist Gründer des Sozialforschungsinstituts DELTA, das im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verschiedene Studien zum Thema beruflicher Wiedereinstieg von Frauen mit Kindern verfasst hat. Im Interview auf heute.de berichtet er von den Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen mit Wiedereinsteigerinnen.

Frauen möchten arbeiten, um ihre vielfach hohen beruflichen Qualifikationen einzubringen, sagt er. Außerdem sprächen finanzielle Gründe für die Erwerbstätigkeit: Frauen leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zum Familieneinkommen und bauen sich zumeist eine eigene Alterssicherung auf. Angesichts einer dynamischer werdenden Arbeitswelt sei es ein Risiko für Familien, wenn nur ein Familienmitglied Erwerbseinkommen erwirtschaftet. Das zweite Einkommen sichert die Familie ab.

Schlüsselfaktor Zeit

Der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben bedeutet gleichzeitig, dass Frauen bei der Kindererziehung und im Haushalt Aufgaben abgeben. Ich glaube es ist wichtig, dass sich Frauen frühzeitig klar machen, dass sie keine Einzelkämpferinnen sind, sagt Carsten Wippermann. Sie gehen vielfach davon aus, dass sie auch nach dem beruflichen Wiedereinstieg alles alleine managen müssten. Sie verzichten auf Schlaf, machen abends noch den Haushalt und geben eigene Freizeitinteressen auf. Dieses Modell funktioniere erfahrungsgemäß auf die Dauer nicht. Der Rat von Carsten Wippermann lautet: frühzeitig Aufgaben im Haushalt und in der Familie neu verteilen und alle Familienmitglieder in die Pflicht nehmen. Auch die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen bringe Entlastung für alle Beteiligten. Der Experte weiß aus seinen Interviews mit Wiedereinsteigerinnen und ihren Partnern, dass insbesondere das Entlastungspotenzial, das der Partner zu bieten hat, häufig unterschätzt wird. Es sei ratsam, den Partner bereits während der Familienphase in die Organisation des Haushalts und der Familie einzubinden.

Mit „Power“ zurück in den Beruf

Der Wiedereinstieg in den Beruf sei gerade für Frauen nach einer längeren Familienphase ein zeitintensiver Prozess. Dass Frauen vielfach versuchten, über einen Mini-Job wieder einzusteigen, hält Carsten Wippermann für einen Fehler. Mini-Jobs führten in der Regel in eine berufliche Sackgasse. Deshalb rät er Frauen, die im Angestelltenverhältnis arbeiten möchten, direkt mit einem höheren Stundenkontingent in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis einzusteigen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber weist der Experte auf die „Power“ und den Ehrgeiz hin, den er in seinen Gesprächen bei den beruflichen Wiedereinsteigerinnen erlebt hat. Die Leistungsfähigkeit dieser Frauen ist enorm, sagt er.

Links:

"Interview bei ZDF.de: Frauen in der Perfektionismus-Falle"
Interview mit Carsten Wippermann auf heute.de, Interview in Schriftform als pdf zum Download auf der Website des DELTA-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung GmbH

Studie: Haushaltsnahe Dienstleistungen – Bedarfe und Motive beim beruflichen Wiedereinstieg
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2011

Studie: „Zeit für den Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven“ im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2011.

Foto: Carsten Wippermann

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