Verschiedene Wege zum Erfolg

Gleich mit beiden Beinen in die volle Berufstätigkeit springen? Oder den Einstieg mit ein paar Stunden pro Tag oder Woche beginnen? Je nach ihrer persönlichen Situation, nach Wunsch und Willen entscheiden sich Frauen für verschiedene (Wieder)-Einstiege ins Arbeitsleben. Welche finanziellen Auswirkungen ein beruflicher Wiedereinstieg für das Einkommen und die Alterssicherung hat, lässt sich über den Wiedereinstiegsrechner in wenigen Schritten errechnen.

Foto: Vier berufstätige Frauen

Für die Architektin Claudia Wetzel war klar, dass sie auf jeden Fall wieder in ihren Beruf zurück wollte. Auch als sich nach der Geburt ihres Sohnes vor elf Jahren herausstellte, dass er schwer herzkrank war und mehrfach operiert werden musste, ließ sie sich nicht dauerhaft von diesem Wunsch abbringen. Sie begann bald, zwei Stunden täglich für ein Architekturbüro zu arbeiten und setzte sich auch abends, wenn das Kind schlief, noch an den Computer.

Evelyn Stettin aus Friedberg in Hessen hatte gar keine Wahl: Sie stieg drei Jahre nach der Geburt ihres zweiten Sohnes mit einer halben Stelle in ihren früheren Beruf als Krankenschwester wieder ein. Weil sie finanziell so nicht über die Runden kam, entschied sie sich für den Nachtdienst. Jetzt arbeitet sie neun Nächte pro Monat. An Tagen ohne Dienst hilft sie nachmittags außerdem noch Grundschulkindern ihres Heimatortes bei den Hausaufgaben. Trotz der hohen Belastung ist sie zufrieden: Ich brauche das Gewusel einfach, sagt sie. Und: In Sachen Geld kann ich jetzt mitreden.

Carla Lauter* aus Berlin hat sich für einen gemächlicheren Weg entschieden: Nach einer siebenjährigen Familienphase arbeitet sie jetzt etwa anderthalb Tage pro Woche als Bildredakteurin für einen großen Verlag. „Mehr würde ich gar nicht schaffen“, sagt sie. Ebenso wie die anderen Frauen ist sie stolz auf ihre Leistung: „Wir können uns jetzt immerhin eine kleine Urlaubsreise leisten.“

Karin Schwarze, Journalistin und Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit, sagt: Wenn man nur zuhause ist und aus Kostengründen weder an Fortbildungen noch anderen Veranstaltungen teilnehmen kann, dann verliert man irgendwann die Gesprächsfähigkeit. Sie hat nach einer Ausbildung an einer Werbefachschule und drei Jahren Familienpause angefangen, als freie Journalistin zu arbeiten – zunächst für sehr geringes Honorar, dann auf einer halben Stelle. Einige Zeit später übernahm sie die Pressearbeit für eine evangelische Tagungsstätte, es folgten die Arbeit für eine Kultur- und andere Fachzeitschriften und schließlich eine Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit eines Trägers von Altenheimen und einem Krankenhaus. Weil ihr Mann gut verdiente, war der Druck, zum Familieneinkommen beizutragen, anfangs nicht hoch. Später änderte sich das: Ohne das Geld wäre es nicht mehr gegangen.

Seit 2006 ist die heute 63-Jährige in Altersteilzeit und engagiert sich ehrenamtlich im Kasseler Kulturnetz, das sich zur Aufgabe gestellt hat, Künstler, Vereine und Verbände bei ihrer kulturellen Arbeit zu unterstützen. „Heute bin ich sehr froh, dass ich wieder eingestiegen bin“, sagt Kerstin Schwarze. So konnte ich auch noch etwas für die Altersvorsorge zurücklegen und habe mich weiter entwickelt.

Je schneller eine Frau nach der Geburt ihrer Kinder wieder anfängt zu arbeiten, desto besser und einfacher – darin sind sich die Experten und Expertinnen zunächst einmal einig. Das heißt aber nicht, dass andere Wege nicht auch gut funktionieren können. Die Arbeitswelt entwickelt sich so rasant, dass es letztendlich keinen Unterschied macht, ob Frauen fünf oder zehn Jahre pausieren. Wichtig ist, dass sie sich klar machen, was sie können und was sie wollen, sagt Monica Kotte, die in Bremen Frauen berät, die den Wiedereinstieg anstreben. Sie empfiehlt Frauen, die nach einer Teilzeitstelle suchen, flexibel zu sein. Oft sei es mit Unternehmen leichter zu vereinbaren, zwei volle Tage als fünf halbe zu arbeiten.

Wichtig, so Kotte, ist auch, die ganze Familie auf die Veränderungen vorzubereiten. Ein beruflicher Wiedereinstieg ist nicht zu schaffen, wenn in puncto Haushalt und Kinderversorgung alles weiterhin so laufen soll wie gewohnt. Wenn sich alle umstellen, ist der Einstieg in den Beruf leichter. Und wer dann den Erfolg spürt, traut sich schneller mehr zu.

*Name geändert

Foto: stockfreeimages.com / Invictus999

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