Interview: "Gute Vorbereitung erleichtert den Wiedereinstieg", sagt Monica Kotte

Monica Kotte von der Koordinierungs- und Beratungsstelle Frau und Beruf im Bremer Arbeitsförderungszentrum über den richtigen Zeitpunkt für einen beruflichen Wiedereinstieg.

Foto: Monika Kotte

perspektive-wiedereinstieg.de: Woran erkennt eine Frau, wann für sie der richtige Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg ins Berufsleben ist?

Monica Kotte: "Mir fällt die Decke auf den Kopf": Das ist so ein typischer Satz, den wir oft von Frauen hören, die nach ein paar Jahren Auszeit wieder arbeiten wollen. Das heißt, das innere Bedürfnis, nicht immer nur waschen, putzen und einkaufen zu müssen, wird so groß, dass sie den Schritt ins Berufsleben wieder wagen wollen. Dazu kommen natürlich auch noch äußere Faktoren, wenn beispielsweise der Arbeitsplatz des Partners gefährdet ist, eine Scheidung bevorsteht oder die Kinder zunehmend ihre eigenen Wege gehen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Allgemein wird ja empfohlen, nach der Geburt eines Kindes so schnell wie möglich wieder in den Beruf einzusteigen. Ist es denn wirklich so schwierig, wenn Frauen mehrere Jahre ausgesetzt haben?

Monica Kotte: Die Arbeitswelt entwickelt sich so rasant, dass es letztendlich keinen Unterschied macht, ob Frauen fünf oder zehn Jahre pausieren – eine Fortbildung ist oft notwendig und hilfreich. Wichtig ist, dass die Frauen sich klar machen, was sie können und was sie wollen. Eine Beratung kann helfen, bestimmte Fragen zu klären, vor allem was die Erwartungen an den Beruf betrifft. So ist es beispielsweise unrealistisch zu hoffen, nach zehn Jahren an den alten Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Das Gehalt wird möglicherweise auch anders ausfallen, als sich das manche Frau wünscht. Viele Berufsrückkehrerinnen müssen lernen, sich hier neu einzuschätzen. Gut ist, wenn sie in der Auszeit den Kontakt zu ihrer alten Arbeitsstelle gehalten haben.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Punkte sollten Frauen auf jeden Fall geklärt haben, bevor sie sich eine Stelle suchen?

Monica Kotte: Das Wichtigste ist, dass die Bewerbungsunterlagen tiptop in Ordnung und auf dem neuesten Stand sind. Die Frauen sollten sie auf jeden Fall von einer kompetenten Person prüfen lassen, bevor sie sie verschicken. Nichts ist frustrierender, als eine Absage nach der anderen zu kassieren und nicht zu wissen, dass das möglicherweise nur an dem zu alten Passbild oder an einem unüblich formulierten Lebenslauf liegt.

Frauen sollten außerdem unbedingt vorab mit ihren Familien sprechen und sie auf Veränderungen vorbereiten. Ein beruflicher Wiedereinstieg ist nicht zu schaffen, wenn in puncto Haushalt und Kinderversorgung alles weiterhin so laufen soll wie gewohnt.

perspektive-wiedereinstieg.de: Sind Frauen, die größere Kinder haben nicht entspannter als Mütter kleiner Kinder, die ständig Angst haben müssen, dass der Nachwuchs krank wird und sie dann eine Betreuung organisieren müssen?

Monica Kotte: Je früher Frauen wieder in den Beruf einsteigen, desto wichtiger ist, dass der Mann die Berufstätigkeit der Frau mit trägt. Wenn der Partner sich nicht bewegt und vielleicht auch versucht, ein paar Stunden weniger zu arbeiten, dann ist es für Frauen schwer, den Wiedereinstieg zu schaffen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Kann es eigentlich auch passieren, dass Frauen vor lauter Planung den Wiedereinstieg nicht schaffen?

Monica Kotte: Ich denke, wenn zu viel geplant wird, dann ist die innere Bereitschaft, wieder ins Berufsleben einzusteigen, nicht wirklich gegeben. Nach einer langen Auszeit wieder zu arbeiten, ist sowieso ein Sprung ins kalte Wasser. Die Zeit muss anders eingeteilt werden und die Frauen müssen sich mit Gefühlen auseinandersetzen, die dann plötzlich auftauchen, zum Beispiel die Sorge, in der Entwicklung der Kinder Entscheidendes zu verpassen. Eine gute Planung kann manches abfedern, aber sie kann nicht alle Schwierigkeiten, die möglicherweise auftauchen, abdecken.

Monica Kotte arbeitet für afz-ZiB - Zukunft im Beruf, Koordinierungs- und Beratungsstelle Frau und Beruf.

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afz-ZiB - Zukunft im Beruf, Koordinierungs- und Beratungsstelle Frau und Beruf
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Foto: Martina Buchholz

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