Das Wichtigste ist, sich zu trauen, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben

Die Wirtschaft hat kräftig angezogen, die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Die Chancen für Wiedereinsteigerinnen auf dem Arbeitsmarkt sind vielversprechend. Entscheidende Faktoren, damit der Wiedereinstieg gelingt, sind eine gute Vorbereitung und ein selbstbewusstes Auftreten. Dr. Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer, äußert sich dazu in unserem Interview.

Foto: Dr. Martin Wansleben

perspektive-wiedereinstieg.de: Die Wirtschaft läuft auf vollen Touren. Was bedeutet das für die Arbeitsmarktsituation?

Dr. Martin Wansleben: Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist so gut, wie seit vielen Jahren nicht. Derzeit haben wir weniger als 2,9 Mio. Arbeitslose. Im Vergleich zum Vorjahr sind rund eine halbe Million Menschen mehr in Beschäftigung. Vom Wirtschaftsaufschwung profitieren also auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Arbeitskräften ist ausgesprochen hoch. Bei bestimmten Berufen und Qualifikationen haben Unternehmen bereits Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Die Aussichten, einen Job zu finden, sind somit derzeit gut. Der DIHK geht davon aus, dass diese Entwicklung längerfristig anhält.

perspektive-wiedereinstieg.de:In welchen Branchen gibt es besonderen Bedarf an Arbeitskräften?

Dr. Martin Wansleben: Fast jedes vierte Unternehmen plant derzeit eine Ausweitung des Personals. Großen Bedarf haben neben Zeitarbeitsunternehmen Betriebe aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, IT, Maschinenbau und Medizintechnik. Naturwissenschaftliche und technische Qualifikationen werden also ganz besonders gesucht. Aber auch in Dienstleistungsberufen besteht Nachfrage – zum Beispiel im Handel und in der Gastronomie.  

perspektive-wiedereinstieg.de: Das Thema Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Dr. Martin Wansleben: Die gute Konjunktur und die demografische Entwicklung sorgen bereits heute dafür, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, Fachkräfte, aber auch Auszubildende zu finden. Gut jedes dritte Unternehmen sieht im Fachkräftemangel eines der größten Risiken für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Engpässe bestehen dabei nicht nur im Bereich der Hochqualifizierten und Akademikerinnen und Akademiker. Auch Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Ausbildung oder von Weiterbildungsabschlüssen sind zum Teil rar. Wichtig ist nun, heimische Potenziale besser in Beschäftigung einzubinden – zum Beispiel Frauen und Ältere. Gleichzeitig muss es aber beispielsweise auch Fachkräften und Absolventinnen und Absolventen aus dem Ausland, die hier studiert haben, einfacher gemacht werden, in Deutschland zu arbeiten.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Chancen haben Wiedereinsteigerinnen auf dem Arbeitsmarkt?

Dr. Martin Wansleben: Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels sehe ich auch für Frauen, die schon seit längerem aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, gute Chancen. Das gilt natürlich vor allem, wenn sie schon auf eine vorherige Berufsausbildung oder Berufstätigkeit zurückgreifen können. Etwas Flexibilität ist allerdings notwendig, weil sich Berufsbilder und damit Anforderungen über die Jahre natürlich auch verändern können. Technischer Fortschritt oder andere Entwicklungen machen es dann nicht leicht, nahtlos an die alte Tätigkeit anzuknüpfen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was raten Sie Wiedereinsteigerinnen, um fit für den Wiedereinstieg zu werden?

Dr. Martin Wansleben: Für den erfolgreichen Start in einem Unternehmen ist häufig entscheidende Voraussetzung, die gängigen Computerprogramme zu beherrschen. Fortbildungen in diesem Bereich sind also der erste Schritt. Zudem müssen Wiedereinsteigerinnen oft erst einmal lernen, dass auch Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie während ihrer Familienzeit erworben haben, zählen und mit in eine Bewerbung gehören. Wer einige Jahre eine Familie gemanagt hat, der kann im Allgemeinen gut koordinieren, organisieren und ist zudem belastbar – alles Eigenschaften, die für Arbeitgeber durchaus einen Mehrwert darstellen. Aber das Wichtigste ist eigentlich, sich zu trauen und aktiv auf die Unternehmen zuzugehen – weil es umgekehrt für Arbeitgeber schwierig ist, an Frauen heranzukommen, die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Unternehmen haben.

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