Studie: Frauen im Minijob

Der Minijob als Sprungbrett in eine existenzsichernde sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Darauf setzen insbesondere viele berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. Eine Studie zu Frauen im Minijob zeigt jedoch, dass diese Rechnung häufig nicht aufgeht. Während einer Tagung in Berlin diskutierten Fachleute daher mögliche Alternativen zum Minijob-Modell.

Foto: Deckblatt der Publikation

Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beim Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung in Auftrag gegebene Studien zu Frauen im Minijob war Anlass zu einer Tagung unter der Überschrift Frauen verdienen mehr! - Politik für faire Einkommensperspektiven im Oktober 2012 in Berlin. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Unternehmen diskutierten über Chancen und Risiken von Minijobs im beruflichen Verlauf sowie über Möglichkeiten, Erwerbshürden für Frauen zu verringern. Ziel müsse es sein, Brücken in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bauen, betonte Ministerin Kristina Schröder.

Einmal Minijob – immer Minijob?

Eigentlich ist den Minijobs, die bis zu einer Verdienstgrenze von bislang 400,00 Euro bzw. seit Anfang 2013 von 450,00 Euro im Monat für die Beschäftigten einkommensteuer- und sozialversicherungsfrei sind, diese Aufgabe zugedacht. Das Modell spreche vor allem verheiratete Frauen an, fand Professor Carsten Wippermann heraus, der die Studie mit dem Titel „Frauen im Minijob. Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebensverlauf“ verfasste. Den Minijobberinnen den Weg in eine existenzsichernde, reguläre Beschäftigung zu ebnen, erfüllten die Minijobs jedoch nur sehr unzureichend. Stattdessen wiesen sie einen schnell wirkenden „Klebeeffekt“ auf, der sich negativ auf Karrierechancen auswirke, weil Minijobberinnen bereits nach kurzer Zeit nicht mehr als qualifizierte Fachkräfte gälten. Für einen großen Teil der häufig gut ausgebildeten Minijobberinnen werde daher die geringfügige Beschäftigung zur Dauererwerbsform. Die Mehrheit der Frauen, die ausschließlich im Minijob beschäftigt sind, ist im Anschluss an den Minijob in geringfügiger Beschäftigung, arbeitslos, in Umschulungen oder steigt aus dem Arbeitsmarkt aus. Minijobs haben insofern nicht die Wirkung einer Brücke in ein reguläres und existenzsicherndes Beschäftigungsverhältnis, fasst der Autor zusammen.

Wichtiges Minijob-Motiv: gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Allerdings gibt auch nur die Hälfte der für die Studie befragten verheirateten Frauen mit Familienpflichten an, einen Minijob mit dem Ziel aufgenommen zu haben, dadurch besser in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis wechseln zu können. Ein Minijob mit geringer Wochenarbeitszeit und oft hoher Flexibilität scheint gute Bedingungen zu bieten, um Beruf und Familienaufgaben - für die drei Viertel der Frauen alleine zuständig sind - vereinbaren zu können. Die steuer- und sozialrechtlichen Anreize des Modells spielen beim Einstieg in den Minijob eine nachgeordnete Rolle, wirken sich aber auf die Entscheidung aus, bei dieser Erwerbsform zu bleiben. Die Anreizmechanismen überzeugen jedoch nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Partner, die sie in der Ausübung eines Minijobs bestärken.

Problematisch: Alterssicherung

Frauen, deren Erwerbstätigkeit ausschließlich aus einem Minijob besteht, nehmen gleichzeitig die negativen Folgen für ihre Altersabsicherung wahr und sehen es mehrheitlich kritisch, dass die Familienexistenz hauptsächlich vom Einkommen des Partners abhängt.

Es gibt Diskussionsbedarf

Es bestehe Bedarf zu diskutieren, ob Minijobs in dieser Form bestehen bleiben sollten, ist daher ein Fazit der Studie. Auch Christina Klenner und Tanja Schmidt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin empfehlen in einem Beitrag vom März 2012 zu überprüfen, ob die Anreizstrukturen von Minijobs für Frauen sinnvoll sind. Die Tagung in Berlin hat dazu beigetragen, die aktuellen teilweise negativen Effekte geringfügiger Beschäftigung genauer wahrzunehmen und mögliche Alternativen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

Links:

„Frauen im Minijob. Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebensverlauf“
Studie zum Download auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

„Minijobs - eine riskante Beschäftigungsform beim normativen Übergang zum 'Adult-Worker-Model'“
SOEP-Paper von Christina Klenner und Tanja Schmidt zum Download auf der Website des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

„Aktuelle Informationen rund um die Minijobs“
Website der Minijob-Zentrale

Foto: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

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