Teilnehmerinnen bewerten das ESF-Modellprogramm Perspektive Wiedereinstieg positiv

80 Prozent der beruflichen Wiedereinsteigerinnen, die an der zweiten Phase des ESF-Modellprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ von 2012 bis 2014 teilnahmen, sind mit dem Programm zufrieden oder sehr zufrieden. So lautet ein Ergebnis der Begleit-Studie Mütter und pflegende Frauen: Modellprogramm unterstützt die Berufsrückkehr nach langer Unterbrechung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zum Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit.

Foto: Frau schaut durch fröhlich die Finger ihrer Hand

Wer nimmt die Angebote des Modellprogramms Perspektive Wiedereinstieg in Anspruch? Wie bewerten die Teilnehmenden das Programm? Wie vielen gelingt der berufliche Wiedereinstieg? Wie kann eine Berufsrückkehr unterstützt werden? Diese Fragen beantworten Wissenschaftlerinnen des IAB im Rahmen der Begleitforschung zum Modellprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Es wird von Projektträgern wie zum Beispiel Beratungsstellen für Frauen oder Berufsbildungseinrichtungen bundesweit in verschiedenen Regionen umgesetzt und vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Im aktuellen Bericht steht die zweite Förderperiode von März 2012 bis Dezember 2014 im Mittelpunkt. Die Studie berücksichtigt Angaben von ca. 1.800 beruflichen Wiedereinsteigerinnen, davon knapp 1.000 Teilnehmerinnen des Modellprogramms. Zum Vergleich werden Nennungen von fast 800 Frauen herangezogen, die nicht am Programm teilnahmen, über ähnliche Merkmale wie die Programmteilnehmerinnen verfügen und als Berufsrückkehrerinnen bei den Agenturen für Arbeit oder bei den Jobcentern gemeldet waren (ähnliche Nicht-Teilnehmerinnen). Rund 30 Expertinnen und Experten der Projektträger befragte man darüber hinaus.

Potenzielle Wiedereinsteigerinnen

Das Programm unterstützte Frauen und Männer, die nach einer Familienphase von mindestens drei Jahren wieder erwerbstätig sein wollen und im Regelfall über einen beruflichen Abschluss oder ein Hochschulstudium verfügen. Das Programm steht auch Männern offen, wurde allerdings auch in der zweiten Förderphase fast ausschließlich von Frauen genutzt.

Mehr als zwei Drittel der Programmteilnehmerinnen sind älter als 40 Jahre. Die Hälfte der potenziellen Wiedereinsteigerinnen hat einen (Fach-)Hochschulabschluss, fast alle anderen Frauen verfügen über einen beruflichen Abschluss. Vor der Geburt ihrer Kinder bzw. vor der Pflege von Angehörigen waren die Programmteilnehmerinnen meist in Vollzeit tätig. Fast die Hälfte der Teilnehmenden hat ihre Erwerbstätigkeit mehr als zehn Jahre unterbrochen.

Berufliche Wiedereinsteigerinnen wünschen sich überwiegend eine Berufsrückkehr in Teilzeit. Das trifft auf die Teilnehmerinnen des Programms ebenso zu wie auf die Nicht-Teilnehmerinnen. Etwa die Hälfte würde gerne 20 bis 29 Stunden pro Woche arbeiten. Programmteilnehmerinnen können sich etwas häufiger als Nicht-Teilnehmerinnen vorstellen, sich selbstständig zu machen (14 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent).

Bei der Suche nach einem Job sind die potenziellen Wiedereinsteigerinnen zu deutlichen Zugeständnissen bereit: Fast 80 Prozent der Programmteilnehmerinnen und 70 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen würden eine Tätigkeit übernehmen, die nicht ihrem fachlichen Können entspricht. Ähnlich viele Wiedereinsteigerinnen zeigen die Bereitschaft, mehr als 30 Minuten zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln. Für etwa die Hälfte der Frauen käme auch ein zeitlich unflexibler Job in Frage.

Vollzeitnaher Wiedereinstieg: Erfahrungen und Empfehlungen der Projektträger

Befragt nach ihren Erfahrungen zum Thema vollzeitnaher Wiedereinstieg berichteten die Expertinnen und Experten der Projektträger das Folgende: Sehr gut qualifizierte Frauen mit vormals hohem Einkommen sind erfahrungsgemäß eher bereit, mit hoher Stundenzahl wieder einzusteigen – oft deshalb, weil es in ihrem Berufsfeld wie zum Beispiel im Marketing oder Controlling häufig keine adäquaten Teilzeitstellen gibt. Auch kann die familiäre und zumeist unmittelbar damit zusammenhängende, finanzielle Situation die Projektteilnehmerinnen zu einer vollzeitnahen Erwerbstätigkeit zwingen, etwa Alleinerziehende, Frauen nach einer Scheidung oder Frauen mit einem Partner, wenn dieser krank oder arbeitslos ist. Teilnehmerinnen, die vor der Familienphase in eher schlecht bezahlten Berufen tätig waren, sind ebenfalls eher bereit bzw. gezwungen, vollzeitnah wiedereinzusteigen.

Insgesamt ist es den Expertinnen und Experten wichtig, beim Ziel des vollzeitnahen Wiedereinstiegs die individuelle Situation der Programmteilnehmerin und ihrer Familie im Blick zu behalten. Manchmal ist eine direkter Wiedereinstieg in Vollzeit nicht möglich: Dann ist es ratsam, zunächst in Teilzeit zu beginnen und erst nach und nach die Arbeitszeit zu erhöhen.

Hohe Zufriedenheit mit dem Programm

80 Prozent der befragten Programmteilnehmerinnen waren mit der Beratung durch die Projektträger zufrieden oder sehr zufrieden. Die weitaus meisten Frauen bewerteten die Teilnahme an dem Programm als hilfreich bis sehr hilfreich. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie sich in ihrer Zuversicht bestärkt fühlten, den beruflichen Wiedereinstieg zu schaffen. Im Laufe des Wiedereinstiegsprozesses ist die Motivation für die Berufsrückkehr bei der Hälfte der Teilnehmerinnen sogar gestiegen.

Modellprogramm unterstützt mit Aktivierungs-, Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

Am häufigsten nahmen die Programmteilnehmerinnen Angebote zur Orientierung, beispielsweise zur Klärung von beruflichen Zielen sowie von Qualifizierungsbedarfen, in Anspruch. Sehr häufig nutzten sie Unterstützungsleistungen bei der Vorbereitung von Bewerbungen und bei der Stellensuche. Knapp zwei Drittel der Programmteilnehmerinnen nahm an Qualifizierungsmaßnahmen teil, teilweise finanziert durch die zuständigen Agenturen für Arbeit und Jobcenter.

Neues Angebot: Perspektive Wiedereinstieg-Online

Erstmals kamen im Rahmen der zweiten Programmphase teilweise tutoriell begleitete Online-Lernmodule, etwa zu aktueller Software, Social Media oder Projektmanagement, zum Einsatz. Programmteilnehmerinnen, die dieses Angebot zum Befragungszeitpunkt bereits nutzten, empfanden es als (sehr) hilfreich. Sie schätzten insbesondere die zeitliche und örtliche Flexibilität, die Inhalte der Kurse sowie den Erwerb von Medienkompetenz.

Beruflicher Wiedereinstieg gelungen

62 Prozent der Frauen, die das Programm abgeschlossen haben, sind zum Befragungszeitpunkt wieder erwerbstätig: Sechs Prozent arbeiten in Vollzeit, 40 Prozent in Teilzeit und 16 Prozent in geringfügiger Beschäftigung (Mini-Job). Fast die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen ist mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Mehr als 80 Prozent der geringfügig Beschäftigten würden gerne länger arbeiten.

In der Vergleichsgruppe der Nicht-Teilnehmerinnen liegt die Erwerbstätigenquote mit 52 Prozent zehn Prozentpunkte niedriger.

Entlastung durch Partner und Haushaltsnahe Dienstleistungen

Die Autorinnen der IAB-Studie betonen: Partner und haushaltsnahe Dienstleistungen können Rückkehrerinnen entlasten und ihren vollzeitnahen Wiedereinstieg unterstützen. Fast zwei Drittel der zum Befragungszeitpunkt noch nicht wieder erwerbstätigen Teilnehmerinnen berichteten von Absprachen über die Aufteilung der Familienarbeit, falls sie wieder erwerbstätig werden: Bei rund 80 Prozent will der Partner dann mehr Hausarbeit übernehmen, bei rund 60 Prozent mehr Zeit für die Betreuung der Kinder aufbringen. Gut 20 Prozent der Partner wollen ihre eigene Arbeitszeit reduzieren. Gleichzeitig wurden bereits wieder erwerbstätige Teilnehmerinnen gefragt, inwieweit sich die Aufteilung der Familienarbeit tatsächlich geändert hat. Ungefähr die Hälfte der Befragten sagte, dass ihr Partner jetzt mehr bei Hausarbeit und Betreuung der Kinder mitarbeite. Jede zwanzigste Frau gab an, dass der Partner nun seine Erwerbsarbeitszeit reduziert habe.

In der zweiten Programmphase war die Inanspruchnahme Haushaltsnaher Dienstleistungen ein wichtiges Thema. Mit 14 Prozent nahmen Programmteilnehmerinnen diese Dienstleistungen doppelt so häufig wie Nicht-Teilnehmerinnen in Anspruch. Dabei nutzten Paare diese Form der Entlastung weit mehr als Alleinerziehende (15 Prozent im Vergleich zu 8 Prozent). Haushalte mit relativ hohen Einkommen, mit Kindern unter drei Jahren sowie Haushalte mit mindestens vier Personen fragten Haushaltsnahe Dienstleistungen häufiger nach. Genutzt wurden vor allem Reinigungsleistungen sowie Wäschepflege, gefolgt von handwerklichen Leistungen für Renovierung und Kleinreparaturen.

Die Expertinnen und Experten der Projektträger empfehlen, Haushaltsnahe Dienstleistungen bereits vor dem eigentlichen Wiedereinstieg zu nutzen, was frühzeitig zu einer zeitlichen wie psychischen Entlastung beitragen könnte.

Link:

Mütter und pflegende Frauen: Modellprogramm unterstützt die Berufsrückkehr nach langer Unterbrechung
IAB Kurzbericht 14/2015 - Aktuelle Analysen aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Rückkehr ins Berufsleben nach familienbedingter Unterbrechung. Befunde der Evaluation der zweiten Förderperiode des ESF-Programms „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
IAB-Forschungsbericht 7/2015

Foto: fotolia.com / contrastwerkstatt

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