Zukunftsreport Familie 2030

Damit sich die Politik der Zukunft an den Wünschen und Bedarfen der Familien orientieren kann, ist es wichtig, die Lebenswirklichkeiten von Familien heute zu kennen. Das „Kompetenzbüro Wirksame Familienpolitik“ hat im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) den „Zukunftsreport Familie 2030“ veröffentlicht. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, partnerschaftliche Aufgabenteilung – die Publikation zeigt auf, wie sich die heutigen Trends mit Unterstützung von modernen familienpolitischen Maßnahmen entwickeln können.

Foto: Zukunftsreport Familie 2030

Was vor ein paar Jahren noch als Trend bezeichnet wurde, ist heute ein zunehmend wichtiger Bestandteil in den Lebenswirklichkeiten vieler Familien: gestiegene Erwerbsbeteiligung von Müttern, mehr Väter in Elternzeit und familienbewusste Personalpolitik in Unternehmen. Zu dieser positiven Entwicklung haben zum Beispiel der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung sowie die familienpolitischen Geldleistungen wie Elterngeld und Elterngeld Plus nachweislich beigetragen.

Der „Zukunftsreport Familie 2030“, erstellt durch das „Kompetenzbüro Wirksame Familienpolitik“ der Prognos AG in Kooperation mit dem Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des BMFSFJ, zeichnet erstmals ein Bild der Lebenswirklichkeiten von Familien im Jahr 2030. Auf Grundlage verschiedener Datenquellen und unter Berücksichtigung aktueller Trends untersucht das Forschungsteam, welche familien- bzw. sozialpolitischen Maßnahmen Familien heute und in Zukunft bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen.

Perspektiven für Familie und Gesellschaft im Jahr 2030

Das Chancen-Szenario geht davon aus, dass sich die aktuellen Trends fortsetzen. Wirkungsorientierte familienpolitische Impulse können dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für eine gelingende Vereinbarkeit so zu verbessern, dass sich das Erwerbsverhalten der Mütter und Väter signifikant ändert. Für die Bereiche „Familienleben“, „Partnerschaftlichkeit“, „Beschäftigung“ und „Arbeitswelt“ ergeben sich für das Jahr 2030 die folgenden Perspektiven:

  • Familienleben

Die Solidarität in der Familie wird voraussichtlich auch im Jahr 2030 stark ausgeprägt sein. Kinder wachsen wie heute mehrheitlich mit beiden Elternteilen auf.

Der Anteil Alleinerziehender bleibt voraussichtlich konstant. Erweiterte familienpolitische Maßnahmen könnten gerade bei dieser Zielgruppe dazu beitragen, das Armutsrisiko zu mindern.

  • Partnerschaftlichkeit

Bis zum Jahr 2030 kann das partnerschaftliche Modell familiäre Normalität sein, heißt es in der Studie. Im Chancen-Szenario wächst der Anteil der Zweiverdiener-Haushalte deutlich um 11,7 Prozentpunkte auf 75,6 Prozent. Die Erwerbstätigkeit von Müttern wird sich stark ausweiten. Die Erwerbstätigenquote der Mütter steigt um 11,6 Prozentpunkte auf 78,2 Prozent, ihre Arbeitszeit erhöht sich deutlich um 5,2 Wochenstunden auf durchschnittlich 31,1 Wochenstunden.

Väter würden ihre Arbeitszeit reduzieren können und im Durchschnitt statt derzeit 41,2 Stunden pro Woche 38,9 Wochenstunden erwerbstätig sein. Sie hätten so mehr Zeit für die Familie und könnten die Berufstätigkeit ihrer Partnerinnen unterstützen. Voraussichtlich jeder zweite Vater würde Elternzeit in Anspruch nehmen und sich auch im Anschluss daran im Alltag mehr um die Kinder kümmern.

  • Beschäftigung

Der prognostizierte Fachkräftemangel wird dazu beitragen, dass sich bis zum Jahr 2030 die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Arbeitsplatzsicherheit für Eltern sowie Paare vor der Familiengründung verbessern. Eltern und insbesondere Mütter werden noch häufiger höhere Bildungsabschlüsse erreichen und von dem Fachkräftebedarf am Arbeitsmarkt profitieren. Berufseinstiege sowie Wiedereinstiege nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung können reibungsloser als bisher verlaufen. So würde es Müttern ermöglicht, ihre Arbeitsmarktchancen wahrzunehmen und Erwerbswünsche umzusetzen.

  • Arbeitswelt

Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um Fachkräfte wird der Anteil der Unternehmen, die mit familienfreundlichen Maßnahmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen, bis 2030 voraussichtlich weiter steigen. Unternehmen müssen sich neu ausrichten und dynamisch weiterentwickeln, da sich der Kreis der Personengruppen, die betriebliche Unterstützungsleistungen für eine bessere Vereinbarkeit einfordern, um Väter sowie (angehende) Führungskräfte, Alleinerziehende und Beschäftigte mit Pflegeaufgaben erweitern wird. Die Digitalisierung kann Chancen für eine bessere Vereinbarkeit schaffen, z.B. durch eine stärkere Etablierung von Home-Office-Lösungen.

Fazit

Der „Zukunftsreport Familie 2030“ macht deutlich, dass Familien ihre Wünsche nach mehr partnerschaftlicher Vereinbarkeit, einer stabilen wirtschaftlichen Situation und guten Rahmenbedingungen für ihr Wohlergehen verwirklichen können, wenn sie von einer zukunftsorientierten Familienpolitik unterstützt werden. Laut Studie bieten sich folgende Handlungsoptionen an:

  • Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten insbesondere in den Randzeiten oder in den Ferien,
  • Rechtsanspruch auf Schulkindbetreuung einschließlich qualifizierter Hausaufgabenhilfe,
  • gezielte Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen für erwerbstätige Eltern,
  • ein stärker an dem Vorhandensein von Kindern als an dem Ehestatus der Eltern orientiertes Steuersystem,
  • Einführung einer Familienarbeitszeit bzw. eines Familiengeldes,
  • stärkere Unterstützung durch vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen in Unternehmen, zum Beispiel durch eine Weiterentwicklung der Regelungen des Elternzeitrechts sowie des Teilzeit- und Befristungsgesetzes.

Die Beziehung zu den eigenen Eltern, den Partnern, den Kindern und anderen Familienmitgliedern gibt emotionale Sicherheit und erfüllt eine wichtige Unterstützungs- und Versorgungsfunktion. Gleichzeitig ist die Familie auch die soziale Keimzelle der Gesellschaft. Eine aktive Familienpolitik unterstützt damit nicht nur Familien, sondern nutzt der gesamten Gesellschaft, heißt es in der Studie. Das Forschungsteam weist zudem darauf hin, dass sich eine wirkungsorientierte Familienpolitik gesamtwirtschaftlich rechnet und eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zur Folge hat.

Links:

Zukunftsreport Familie 2030 – Kurzfassung:

Publikation des Kompetenzbüros Wirksame Familienpolitik im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016

Zukunftsreport Familie 2030 – Langfassung:

Publikation des Kompetenzbüros Wirksame Familienpolitik im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016, auf der Website der Prognos AG

Zukunftstag Familie 2030:

Aktuelle Meldung des BMFSFJ vom 15.09.2016

perspektive-wiedereinstieg.de:

Memorandum: Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsam für eine NEUE Vereinbarkeit von Familie und Beruf

 

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? – Abonnieren Sie den RSS-Feed und erhalten Sie eine Nachricht, wenn ein neuer Artikel auf perspektve-wiedereinstieg.de erscheint.

Geben Sie sich oder anderen einen Motivationsschub für den beruflichen Wiedereinstieg! Versenden Sie hier Ihre persönliche perspektive-wiedereinstieg.de-E-Card.

 

Foto: Prognos AG/BMFSFJ - Zukunftsreport Familie 2030

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang