Zeitsouveränität – Zeit flexibel und selbstbestimmt gestalten

Zeit ist ein höchst kostbares Gut, sie lässt sich nicht vermehren. Durch bereits bestehendelebensphasenorientierte Angebote sowie fortschreitende Digitalisierung, die Beruf und Alltag verändert, lassen sich immer mehr Lösungen für einen flexiblen und selbstbestimmteren Umgang mit Zeit finden. www.perspektive-wiedereinstieg.de möchte mit diesem Beitrag anregen, schon heute Möglichkeiten für mehr Zeitsouveränität zu nutzen und sich über zukünftige Entwicklungen zu informieren.

Foto: Familie beim Einkauf an einem Gemüsestand

Zeit für Familie, Zeit für Beruf bzw. beruflichen Wiedereinstieg, Zeit für Partnerschaft, Zeit für sich selbst, partnerschaftliche Aufgabenteilung, flexible Arbeitszeiten, Zeitsouveränität – das wünschen sich viele Mütter und Väter in Deutschland. Im Zuge der Digitalisierung, „Arbeiten 4.0“1 und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“2 ergeben sich innovative Gestaltungsansätze. Gerade in der Rush-Hour des Lebens, wenn Familienaufgaben und Karriereschritte gleichzeitig zu bewältigen sind, ist Flexibilität besonders wichtig.

Digitalisierung, „Arbeiten 4.0“ und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ – individuell kombinieren

Wie können Sie bereits heute Zeitsouveränität gewinnen? Vielleicht regen Sie die folgenden Beispiele der Familie M. an, für Ihre individuelle Lebenssituation neue Gestaltungsspielräume zu erschließen:

Lebensphase „Beruflicher Wiedereinstieg nach einer Familienphase“


Ausgangssituation: Vater, Mutter, ein Kind (6 Jahre) – Für das Familienmanagement ist derzeit die Mutter zuständig (Haushalt/Garten, Hausaufgabenbetreuung, Bring- und Holdienste bezüglich Freizeitaktivitäten des Kindes, Ehrenamt im Sportverein, etc.). Sie plant, zeitnah beruflich wieder einzusteigen. Der Vater ist in Vollzeit erwerbstätig, engagiert sich gerne in der Familie, ist aber wegen langer Wegezeiten zur Arbeitsstätte zeitlich extrem eingeschränkt.

Wie lässt sich mit Hilfe von Digitalisierung, „Arbeiten 4.0“ und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ mehr Zeit für den beruflichen Wiedereinstieg bzw. für eine aktive Vaterschaft gewinnen?

  • Um seine Frau zeitlich zu entlasten, hat der Vater mit seiner Arbeitgeberin ein flexibles Arbeitszeitmodell entwickelt und einen Tag pro Woche Arbeiten im Home-Office vereinbart. Für staufreie Wege zu und von der Arbeitsstätte informiert er sich ab sofort mit einer App zur verkehrsabhängigen Routenplanung (fast) in Echtzeit.
  • Für den beruflichen Wiedereinstieg nimmt die Mutter professionelle Informations- und Beratungsangebote an einem ESF-Standort3 in Anspruch, um den Wiedereinstiegsprozess zeiteffektiv zu gestalten. Mit Hilfe von „Perspektive Wiedereinstieg-Online“ erweitert sie ihr Qualifikationsprofil und bereitet sich auf die Bewerbungsphase vor.
  • Vater und Mutter lassen sich am ESF-Standort zu den Themen partnerschaftliche Aufgabenteilung in Familie und Haushalt sowie Personen- und Haushaltsnahe Dienstleistungen beraten. Das Paar einigt sich auf folgende Maßnahmen: Haushaltsplan für die ganze Familie, Haushaltsroboter für Staubsaugen, Wischen und Rasenmähen, digitaler Einkaufszettel und Online-Bestelldienste, Familienmanagement mit Messenger-Tool und digitalem Terminplaner, Nutzung des Betreuungsangebots der Schule, Vernetzung mit anderen Eltern für Fahrgemeinschaften bezüglich Freizeitaktivitäten der Kinder (Bring- und Holdienste).

Ergebnis: Der berufliche Wiedereinstieg der Mutter ist gelungen, der Vater hat mehr Zeit für Aktivitäten mit seiner Familie.

Lebensphase „Pflege von Angehörigen“


Ein Jahr später: Mutter und Vater arbeiten in Vollzeit und teilen sich die Aufgaben im Haushalt partnerschaftlich, auch ihr Kind hilft mit. Es tritt ein akuter Pflegefall eines nahen Verwandten ein, der gewünschte stationäre Pflegeplatz in der Nähe der Familie steht noch nicht zur Verfügung.

Wie kann Familie M. diese zusätzliche Herausforderung mit Hilfe von Digitalisierung, „Arbeiten 4.0“ und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bewältigen?

  • Das Paar möchte sich die gesetzlich maximal zehn Tage Freistellung wegen kurzzeitiger Arbeitsverhinderung gemäß Pflegezeitgesetz und die Inanspruchnahme des Pflegeunterstützungsgeldes partnerschaftlich teilen. Sie nehmen nacheinander jeweils fünf Tage in Anspruch, um die Situation zu managen und eine ambulante Pflege zu organisieren.
  • Um sich schnelle und zuverlässige Informationen zu beschaffen, nutzen sie in einem ersten Schritt Informationsangebote im Internet, wie zum Beispiel den digitalen Pflegeleistungs-Helfer des Bundesgesundheitsministeriums und recherchieren Beratungsstellen vor Ort.
  • In Absprache mit dem Angehörigen organisieren sie für ihn ambulante Pflegeleistungen sowie Personen- und Haushaltsnahe Dienstleistungen. Er wünscht sich, mit seinen Bekannten und Verwandten in Kontakt zu bleiben. Damit sich Besucherinnen und Besucher abstimmen können, richtet das Paar ein Messenger-Tool und einen digitalen Terminplaner ein. Ergänzend nutzen sie die Möglichkeiten der Video-Telefonie.

Ergebnis: Trotz der akuten Situation schafft es Familie M. den Aufgaben in Familie, Haushalt, Beruf und Pflege gerecht zu werden.

Lebensphase „Geburt eines zweiten Kindes“


Ein weiteres Jahr später: Bei Familie M. steht die Geburt des zweiten Kindes bevor.

Wie lassen sich mit Hilfe von Digitalisierung, „Arbeiten 4.0“ und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ die partnerschaftliche Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit erhalten?

  • Das Paar vereinbart gemeinsam und mit dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin folgende Elternzeitgestaltung: In den ersten beiden Lebensmonaten des Kindes teilen sich Mutter und Vater die Betreuung des Neugeborenen. Die Mutter erhält Mutterschaftsgeld, der Vater bezieht parallel dazu Basiselterngeld. Beide sind entschieden, partnerschaftlich Beruf und Familie zu vereinbaren. Um die häusliche Kinderbetreuung zu gewährleisten, sind Mutter und Vater ab dem dritten bis einschließlich zwölften Lebensmonat des Kindes mit je 20 Wochenstunden erwerbstätig und erhalten Elterngeld Plus. Das Kind hat ab dem ersten Lebensjahr einen Kinderbetreuungsplatz. Die Eltern nutzen in den vier folgenden Monaten den Partnerschaftsbonus und arbeiten beide je 30 Wochenstunden. Im Anschluss erhöhen sie ihr Arbeitszeitvolumen auf je 32 Wochenstunden.
  • Familie M. nutzt weiterhin alle, seit dem beruflichen Wiedereinstieg der Mutter erprobten, digitalen und zeitsparenden Tools.

Ergebnis: Vater und Mutter genießen es, gleichermaßen beruflich und in der Familie aktiv zu sein.

Tipp:Kämpfen Sie auch mit Zeitstress, Zeitfressern und Co.? Wer über längere Phasen unter Zeitdruck stand, hat unter Umständen so manche Freizeitbeschäftigung aufgegeben. Welche Ziele möchten Sie (wieder) verfolgen? Wichtig ist, die neu gewonnene Zeit nicht verrinnen zu lassen.

Perspektiven: Arbeitszeit – flexibel, aber selbstbestimmt

Im Rahmen der Initiativen „Arbeiten 4.0“ und „NEUE Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ sollen für die Zukunft weitere gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um lebensphasenorientierte Lösungen zu erleichtern und Nachteilen entgegenzuwirken, die sich bisher durch familienbedingte Auszeiten ergeben haben. Folgende Maßnahmen werden aktuell durch die Politik diskutiert:

  • Allgemeines Recht auf befristete Teilzeit: Laut Koalitionsvertrag soll im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) verankert werden, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich für eine zeitlich befristete Teilzeitbeschäftigung entscheiden, wieder zur früheren Arbeitszeit zurückkehren können.
  • Familienarbeitszeit und Familiengeld: Die von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig vorgeschlagene Familienarbeitszeit soll Eltern mit jüngeren Kindern darin unterstützen, ihren Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung in Familien- und Erwerbsarbeit zu leben. Das Konzept sieht die Zahlung eines Familiengeldes vor: Sind Eltern in einem Zeitkorridor von 28 bis 36 Wochenstunden erwerbstätig, soll jeder Elternteil für maximal 24 Monate 150 Euro Familiengeld erhalten. Bis zum vollendeten achten Lebensjahr des Kindes kann das Familiengeld in Anspruch genommen werden. Auch Alleinerziehende oder getrennt Erziehende sollen das Familiengeld erhalten. Auf diese Weise erhalten Eltern die Chance auf (mehr) Zuwendungszeit für das Kind und darauf, durch Erwerbsarbeit ihre Existenzen auf Dauer sichern zu können.
  • Betriebliche Langzeitkonten (Wertguthaben): Es wird vorgeschlagen, die Verbreitung von Langzeitkonten zu fördern. Bereits jetzt können Beschäftigte basierend auf einer freien Vereinbarung mit dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin auf Teile des Lohns oder bezahlter Freizeit verzichten, um sie später für längerfristige Freistellungen von der Arbeit zum Beispiel für Elternzeit oder Pflegezeit sowie Weiterbildung, Sabbatical und Übergang in den Ruhestand zu nutzen. Mittelfristig soll bereits am Beginn des Arbeitslebens für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer ein Langzeitkonto eröffnet werden können, um die Zeitsouveränität zu stärken.
  • Wahlarbeitszeitgesetz: Als weitergehender Reformschritt könnte ein neues Gesetz für mehr Gestaltungsspielräume neben den bestehenden flexiblen Regelungen sorgen. Unter Beachtung des Gesundheitsschutzes und der Zeitsouveränität der Beschäftigten lassen sich neue Wahloptionen bei Arbeitszeit und -ort schaffen, die unter klar definierten Bedingungen von den geltenden Regelungen des Arbeitszeitgesetzes abweichen dürfen. Es wird diskutiert, das Gesetz zunächst auf zwei Jahre zu befristen, zu evaluieren und für eine Erprobung betriebliche Experimentierräume einzurichten.
  • Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit: Am 6. Oktober 2016 hatte sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung über Eckpunkte für ein Lohngerechtigkeitsgesetz verständigt. Es sieht einen individuellen Auskunftsanspruch und ein Prüfverfahren im Zusammenhang mit Entgeltgleichheit vor. Je mehr sich die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern schließt, umso leichter lässt sich eine partnerschaftliche Aufgabenteilung ohne finanzielle Einbußen leben.

Es bestehen also viele Möglichkeiten, die Sie nutzen können.

www.perspektive-wiedereinstieg.de wünscht viel Spaß bei der Gestaltung Ihrer individuellen, lebensphasenorientierten Lösungen für mehr Zeitsouveränität!

Links:

Weißbuch Arbeiten 4.0
Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die Familienarbeitszeit – mehr Zeit für Familie und Beruf, mehr wirtschaftliche Stabilität
Pressekonferenz zur Familienarbeitszeit, Berlin, 18. Juli 2016

perspektive-wiedereinstieg.de:

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf private Haushalte und Familien?

Weitere Beiträge zur „Vereinbarkeit von Beruf – Familie – Pflege“

1 Unter dem Titel „Arbeiten 4.0“ hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen breiten gesellschaftlichen Dialog mit Expertinnen und Experten der Sozialpartner, Verbände, Unternehmen und Wissenschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern initiiert. Den Auftakt bildete das „Grünbuch Arbeiten 4.0“ und den Abschluss das „Weißbuch Arbeiten 4.0“ mit Antworten auf Fragen rund um Digitalisierung und Arbeitswelt in sechs Handlungsfeldern, u.a. Arbeitszeit.

2 Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Rahmen des Unternehmensprogramms Erfolgsfaktor Familie das Memorandum „Familie und Arbeitswelt. Die NEUE Vereinbarkeit“ erarbeitet.

3 im Rahmen des mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Bundesprogramms Perspektive Wiedereinstieg – Potenziale erschließen des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit.

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