Studie: Was wünschen sich Frauen von ihrer Arbeit?

Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht Dr. Cornelia Edding in einer im April 2012 erschienenen Publikation die Frage, was sich Frauen von ihrer Arbeit wünschen. Dafür zieht sie bestehende Untersuchungen heran. Die Studie soll Unternehmen als Grundlage dafür dienen, Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen sie weibliche Beschäftigte gewinnen und halten können.

Foto: Deckblatt der Publikation

Den Befragungen und Untersuchungen zufolge, die die Autorin für ihre Studie nutzte, scheint den meisten Frauen, Gehalt und Prestige weniger wichtig zu sein als ein gutes Arbeitsklima und sinnvolle Arbeitsinhalte, die ihren Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechen. Während sich bei Männern ein klarer Zusammenhang zwischen ihrer beruflichen Position und der Zufriedenheit mit ihrem Leben zeigte, ließ sich ein solcher Zusammenhang bei Frauen nicht nachweisen. Unternehmen, die mehr Frauen gewinnen wollen, rät die Studienautorin daher, andere als rein materielle Anreize für berufliches Engagement und einen Aufstieg in Führungspositionen zu schaffen.

Erwerbsunterbrechungen: typisches Merkmal weiblicher Berufswege

Zahlen wie diese rüttelten in den USA vor einigen Jahren Unternehmen auf: Nur 38 Prozent der Frauen aus drei Harvard-Jahrgängen waren voll berufstätig. 57 Prozent der Frauen aus dem Abschlussjahr 1981 der Stanford Universität gingen keiner Erwerbstätigkeit nach. Eine Studie sollte 2004 die Gründe dafür ermitteln. Die Ergebnisse zeigten, dass insgesamt 37 Prozent der Frauen ihre Karriere einmal unterbrechen. Sie tun das in der Mehrzahl, um sich familiären Tätigkeiten zu widmen. Aber auch unbefriedigende Aufgaben, Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten und unflexible Zeitstrukturen in Unternehmen trieben sie eigenen Angaben zufolge aus dem Berufsleben. Fast alle Frauen wollten ihre Berufstätigkeit jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen. 74 Prozent von ihnen gelingt der Wiedereinstieg – zumeist in Teilzeit. Eine weitere Befragung in den USA 2009 führte zu fast identischen Ergebnissen.

In Deutschland, schreibt die Autorin, sähe die Situation ähnlich aus. Mit einem Unterschied: Während sich Frauen in den USA nach einer Familienphase mehrheitlich beruflich umorientieren und dafür oft eine neue Ausbildung oder ein neues Studium beginnen, kehren in Deutschland etwa 60 Prozent zu ihrem alten Arbeitgeber oder zur alten Arbeitgeberin zurück. Das ist auf gesetzliche Regelungen in Deutschland zurückzuführen, die Personen in Elternzeit besser schützen. Doch auch hierzulande zeigt sich: Aufgrund der Erfahrungen während der Familienzeit verändern sich Interessen und Wünsche. Viele Frauen wechseln daraufhin den Beruf.

Berufstätigkeit in unterschiedlichen Lebensphasen

Dr. Cornelia Edding zeichnet in ihrer Studie die typischen Phasen im beruflichen Werdegang von Frauen nach. Zwischen 20 und 30 orientieren sich die Frauen am Arbeitsmarkt und finden in der Regel einen Arbeitsplatz. In einer US-amerikanischen Studie von 2002 zeigte sich, dass die wenigsten Frauen ihren beruflichen Einstieg gut geplant hatten. Die meisten „landeten“ eher per Zufall an einem bestimmten Arbeitsplatz. Diese Tatsache könnte dazu beitragen, dass die Bereitschaft vieler Frauen nach einer Familienphase an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren, oft gering ist.

30- bis 40-jährige Frauen seien vielfach Mütter und stünden vor der Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, schreibt die Studienautorin. Ihre Vorstellung von Mutterschaft prägt ihre weitere berufliche Entwicklung maßgeblich. Viele Frauen entscheiden sich in dieser Phase für eine Erwerbsunterbrechung. Für beruflich engagierte Frauen stelle sich oft die Frage nach dem Umgang mit einem im Arbeitsumfeld erlebten Mangel an Anerkennung, Möglichkeiten und Zugehörigkeit.

40- bis 50-jährige Frauen mit oft größeren Kindern seien vielfach unabhängig, sehr kompetent und hätten Zeit und Kraft, noch einmal einen Schritt nach vorne zu gehen. Unternehmen könnten dieses Potenzial stärker nutzen als sie es bislang tun und diese Altersgruppe in der Personalentwicklung und für die Personalgewinnung bewusst berücksichtigen.

Arbeit soll sinnvoll sein und Spaß machen

Mit folgenden Worten beschreibt die Autorin das Lebensgefühl der sogenannten Generation Y, der Frauen, die ab 1980 geboren sind: Diese Frauen arbeiten nicht um zu leben – sie sehen die Arbeit als einen Teil des Lebens, aber eben nur als einen Teil und nicht als das ganze Leben. Die Arbeit soll sinnvoll sein, sie soll persönliche Entwicklung erlauben und außerdem Spaß machen. Gleichzeitig haben die Frauen außerhalb der Arbeit ein Leben mit anderen Menschen, die ihnen wichtig sind.

Link:

Was wünschen sich Frauen von ihrer Arbeit?
Literaturrecherche im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von Dr. Cornlia Edding, April 2012

Foto: Bertelsmann Stfitung

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